Hatzenbühl RHEINPFALZ Plus Artikel Känguru Günter hat Bock auf mehr – Nachwuchs

Günter ist der Chef im Ring.
Günter ist der Chef im Ring.

Manche trauen im Vorbeigehen ihren Augen nicht. In dem Garten tummeln sich Kängurus.

Frei umherhüpfende Kängurus in Hatzenbühl, in der Südpfalz? Das kann doch fast nicht sein, wird sich schon mancher Spaziergänger beim Blick in den Garten von Gerda und Josef Niedermeier verwundert gefragt haben. Und doch tummelt sich auf dem weitläufigen, gut 1000 Quadratmeter großen Areal eine Gruppe von mittelgroßen, braun-rötlichen Bennett-Wallabys.

Der Größte in der Herde ist der Bock Günter, der zusammen mit den beiden Mädchen Rosi und Bibi im Jahr 2019 als erstes bei den Niedermeiers einzog. „Ein Bekannter von uns hielt lange Kängurus, wollte aber seine Herde auflösen. Deshalb fragte er mich, ob ich Interesse hätte, seine Tiere zu übernehmen“, erzählt Josef Niedermeier über die Anfänge seiner Känguru-Leidenschaft. „Die Idee, Kängurus zu halten, fanden meine Frau und ich schon spannend, aber wir überlegten erst noch gut drei Jahre, bis die ersten drei Exoten bei uns einziehen durften.“ Es waren ein Bock, der Günter heißt, und zwei Mädchen, die Rosi und Bibi getauft wurden. Sie kamen aus dem Karlsruhe Zoo in die Südpfalz, aber erst, nachdem der Känguru-Betreuer des Zoos die neuen Besitzer geprüft und die private Anlage als geeignet eingestuft hatte.

Bald kamen zwei weitere Weibchen dazu, die von Kindern der örtlichen Kita die Namen Dorabella und Sophia erhielten. Und da sich die muntere Wallaby-Herde in Hatzenbühl rundum wohl fühlt, sorgte Günter bei seinen Damen bereits für Nachwuchs. Damit gehören derzeit zur Herde noch drei junge Böcke, die aber nicht mehr lange in der Niedermeier’schen Obhut bleiben dürfen. Sobald sie ausgewachsen sind, würden sie in Konkurrenz zu Günter treten, was mitunter in heftige und blutige Revierkämpfe ausarten könnte. Das wollen die Känguru-Halter jedoch vermeiden.

Beutel füllen sich bald

Dank seiner Beobachtungen in den letzten Wochen geht Josef Niedermeier davon aus, dass Bock Günter mittlerweile alle vier Weibchen erfolgreich gedeckt hat. Genaueres könne erst in 30 Tagen nach dem vermuteten Zeugungstag gesagt werden. Die Embryos bleiben 30 Tage im Bauch ihrer Mutter, danach krabbeln sie nach außen in ihren Beutel. Dort leben sie mehrere Monate, nach mehreren Wochen erst einmal indirekt sichtbar durch Bewegungen im Beutel. „Im Februar oder März werden wir dann wahrscheinlich sehen, wie die kleinen Beuteltiere ihren Kopf über den Rand des Beutels strecken, um die Welt zu erkunden. Und erst im Mai im nächsten Frühling werden die Jungtiere ganz den Beutel verlassen. Es ist schon faszinierend, dass ein Känguru-Weibchen in ihren Zitzen unterschiedlich zusammengesetzte Milch produziert“, schwärmt der Tierhalter. Die Mutter könne damit unterschiedlich weit herangewachsenen Nachwuchs mit der passenden Milch versorgen.

Als Kuscheltiere eignen sich die Kängurus trotz des putzigen Aussehens nicht. „Unsere Tiere sind untereinander sehr sozial, halten als Flucht- und Paniktiere aber ständig ausreichend Abstand zu den Menschen“, wissen Gerda und Josef Niedermeier aus eigener Erfahrung. „Wenn ich meinen Arm ganz lang ausstrecke, kann ich ab und an Günter direkt füttern“, meint Gerda. „Wir lassen sie einfach laufen, sie sind das ganze Jahr über draußen und kommen bisher mit den Wintertemperaturen hervorragend zurecht.“

Zaun gegen das Ausbüxen

Damit die Hochspringer nicht ausbüxen, ist das Gehege mit einem entsprechend hohen Zaun eingefriedet. In einer kleinen Holzhütte, in die sich die Herde bei Bedarf zurückziehen könnte, lagert Futter, wie Heu, das nicht nass werden soll. „Wir füttern jeden Tag Äpfel, Salatgurken, Pfirsiche oder Karotten, dazu gibt es eine zusätzliche Futtermischung, Pferdepellets und reichlich frisches Wasser.“ Ein direkt angrenzender Nachbar habe sich ebenfalls intensiv in die Känguru-Haltung eingelesen und lässt seinen hüpfenden Nachbarn regelmäßig Leckereien aus seinem Garten zukommen.

Fachlichen Rat zu seiner Herde bekommt Josef Niedermeier bei Bedarf von seinem guten Bekannten aus dem Karlsruher Zoo, der regelmäßig die Gruppe in Hatzenbühl besucht und sich freut, dass es den Wallabys so gut gehe. „Mich wundert nur, dass es für diese Exoten keine Haltungsvorschriften gibt wie für viele andere Haus- und Zuchttiere“, meinte Tierfreund Niedermeier. Er weiß, wovon er spricht, denn er züchtet neben den Kängurus auch Kaninchen, Meerschweinchen und ausgesuchte Hühnerrassen, die sich alle über viel Platz und Auslauf freuen.

Regelmäßig Kinder zu Besuch

Klar, dass bei so vielen Tieren der örtliche Kindergarten und eine Kita-Gruppe aus Kandel, zu der der Enkelsohn der Niedermeiers gehört, regelmäßig zu Besuch kommen. „Gerade Kinder, die sonst kaum mit Tieren in Berührung kommen“, können bei uns viel lernen und Ängste überwinden“, erklären Gerda und Josef Niedermeier glücklich inmitten ihrer Tierschar.

Es ist zum Davonlaufen. Josef Niedermeier hat das Gelände sicherheitshalber eingezäunt.
Es ist zum Davonlaufen. Josef Niedermeier hat das Gelände sicherheitshalber eingezäunt.
Trotz aller Vertrautheit, einen Sicherheitsabstand halten die Kängurus immer ein.
Trotz aller Vertrautheit, einen Sicherheitsabstand halten die Kängurus immer ein.
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