Wörth
Junge Informatikerin gehört zu den Besten
„Das war das Anspruchsvollste, was ich bisher in der Informatik gemacht habe“, sagt Annika Schmidt über die Aufgaben der Vorrunde des Bundeswettbewerbs Informatik. Die 17-Jährige besucht derzeit die Oberstufe des Europa-Gymnasiums Wörth und darf im September an der bundesweiten Endrunde des Wettbewerbs teilnehmen. Etwa 1600 junge Menschen hatten sich für einen der wichtigsten Nachwuchspreise der Informatik beworben. „Ich war selbst überrascht, dass ich weitergekommen bin“, sagt Schmidt.
Dabei ist Schmidt das Format gewohnt. „Ich habe schon an anderen Wettbewerben in Mathematik oder Fremdsprachen mitgemacht. Es ist cool von unserer Schule, dass sie so viele Angebote haben.“ Bei ihren Teilnahmen geht es der Schülerin nicht in erster Linie um das Gewinnen, Schmidt nutzt den Wettstreit, um zu wissen, wo es noch hapert. „Man merkt, wo man steht und an welchen Punkten ich noch Lernbedarf habe.“ Daher nutzt sie regelmäßig auch die Möglichkeit, sich auch in Fächern, die ihr weniger liegen, mit anderen zu messen. „Ich bin nicht so gut in Fremdsprachen, aber selbst Französisch hat mir Spaß gemacht. Da hat sich die Teilnahme schon gelohnt“, sagt die Schülerin, die auch gerne schwimmt und Geschichten schreibt.
Kooperation statt Konkurrenz
Der Bundeswettbewerb Informatik sei aber etwas Besonderes gewesen. „Für andere Wettbewerbe habe ich nicht so viel Zeit investiert“, sagt Schmidt, die für die zweite Runde den Großteil ihrer Osterferien benötigte. Sie musste dabei alleine eine Lösung finden, während sie die erste Runde noch mit einem Freund und Klassenkameraden aus dem Leistungskurs Informatik bestreiten konnte. Trotzdem habe sie sich selten alleine gefühlt. Die lag an dem besonderen Umfeld und der Möglichkeit des Austauschs mit anderen Teilnehmern, sagt Schmidt. „Obwohl wir eigentlich in Konkurrenz stehen, haben wir uns untereinander geholfen, aber natürlich ohne konkrete Lösungswege auszutauschen.“ Findet wer einen Weg, sei die Stimmung besonders. „Die Leute freuen sich für die anderen. Das gibt es nicht überall.“
In der zweiten Runde musste Schmidt zwei bekannte Probleme der Informatik lösen, die jeweils mit einer zusätzlichen Problemstellung erweitert wurden. „Die Aufgabe war, dass ein Flugzeug bestimmte Orte anfliegen sollte und man sollte die kürzeste Route finden. Die zusätzliche Schwierigkeit war, dass die Kurve des Flugzeugs nicht zu scharf sein sollte“, sagt Schmidt. Auch in der zweiten Aufgabe widmete sich Schmidt einem Informatikproblem, das in vielen Lehrbüchern behandelt wird und das auch schon Microsoft-Chef Bill Gates beschäftigte. Dabei geht es um die Sortierung von Pfannkuchen nach Größe. Die Neuerung der Aufgabenstellung bestand in der Vorgabe, dass jeweils der oberste Pfannkuchen gegessen wird. Schmidt gelang es auch hierfür, einen passenden Algorithmus zu programmieren.
Endrunde am KIT
Die zweite Runde war für Schmidt nochmal deutlich herausfordernder. „Einige haben die zweite Runde gar nicht erst angetreten, da sie die Aufgabenstellung gar nicht verstanden haben. Ich habe das auch deshalb gemacht, weil ich wusste, dass ich das als Facharbeit einreichen konnte.“ Bewertet wurden nicht nur die Programmierfertigkeiten, sondern auch die Fähigkeit den Weg für andere in einer Dokumentation nachvollziehbar zu machen. „Als Schülerin habe ich noch nie eine Doku geschrieben.“ Ihr half aber, dass sie im vergangenen Jahr in einem Wintercamp für junge Informatiker war, das ihr fachlich geholfen und sie zusätzlich motiviert hat.
Vom 12. bis 15. September steht sie damit in der Endrunde, die in diesem Jahr am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ausgerichtet wird. Dort erwarten sie Gespräche mit Wissenschaftlern und Gruppenaufgaben, die bewertet werden und dann als Hauptpreis ein Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes vergeben wird. Als Frau ist Schmidt in der Informatik dabei weiter eine Ausnahme. Die Mädchenquote in der Vorentscheidung wurde von den Ausrichtern mit 16 Prozent angegeben. Im Vergleich zum Vorjahr sei die Quote nahezu unverändert geblieben. Auch unter den 28 Teilnehmern der Endrunde.
„Das wird eine coole Erfahrung“, freut sich Schmidt auf das Finale. Während die anderen Teilnehmer aus Hamburg oder Königs Wusterhausen, einer Stadt in Brandenburg kommen, hat sie dabei die kürzeste Anreise. Trotzdem will sie die Tage mit den anderen in der Karlsruher Jugendherberge verbringen. „Ich konnte die anderen schon kennenlernen und weiß, dass sie sehr nett sind und auch sehr talentiert sind“, sagt Schmidt, der es auch „um das soziale Event“ gehe. Egal wie der Wettbewerb ausgeht, für den Berufsweg als Informatikerin hat sie die Teilnahme schon jetzt motiviert. „Ich möchte Informatik studieren. Die Alternative wäre sonst noch Physik.“