Kreis Germersheim Investor und Dorf finden nicht zusammen

«Lustadt.» Bebauen? Ja! Aber: In einer solchen Dimension? Nein! Seit Monaten ringen Bauausschuss und Ortsgemeinderat Lustadt nach einer vertretbaren Lösung für das ehemalige Geka-Gelände. Das Problem: Der Investor soll nicht verprellt, aber den Forderungen der Anwohner und dem Ortsbild auch Rechnung getragen werden. Jetzt soll ein Städteplaner die verfahrene Situation lösen.
Wie berichtet, will die WR Wohndesign GmbH aus Westheim das erworbene Grundstück in der Oberen Hauptstraße 275 umnutzen. Konkret: Es soll ein Gebäude mit barrierefreien Wohnungen, Büros und Geschäften entstehen. Bereits im Oktober hatte der Bauausschuss das geplante Gebäude, das an der höchsten Stelle über 15 Meter hoch sein sollte, als „eine Nummer zu groß“ bezeichnet. Denn: Nebenan befinden sich Einfamilienhäuser. Ein Ortstermin, weitere Gespräche und Sitzungen folgten. Aber: Viele Mandatsträger halten die Planung weiter für überdimensioniert – obwohl der Investor nachgebessert, die Ausmaße reduziert hat. Ende Januar hatte Dorothea Wagner von der WR Wohndesign GmbH betont, dass die Wohnfläche um 800 Quadratmeter reduziert worden sei. In der gleichen Sitzung äußerte sich ein Anwohner: Er begrüßte, „dass sich in der Ortsmitte etwas bewegt“, denn das Grundstück sei „derzeit ein Schandfleck“. Wohin mit den Parkplätzen? Ein großes Problem sei das Parken: „30 Wohnungen: 60 Fahrzeuge.“ Die unterzubringen, sei schwierig, sagte er mit Verweis auf bestehende Parkprobleme. „Für uns Anwohner ist die entscheidende Frage: Wie sind die Parkflächen geregelt?“ Ein zweites Problem aus deren Sicht: das Abwasser: Bei starkem Regen stehe schon jetzt die Mozartstraße unter Wasser. Zudem stellte der Anwohner auch die Projektgröße infrage. Die Verwaltung hatte dem Rat damals empfohlen, ein Stadtplanungsbüro zu beauftragen, das abwägungsrelevante Probleme rechtssicher aufarbeite. Der Rat war sich aber uneinig, die Abstimmung dementsprechend: Für den Vorschlag der Verwaltung, einen Grundsatzbeschluss zum Vorentwurf zu fassen und den Investor zur Überarbeitung der Planung aufzufordern, stimmten sechs Ratsmitglieder. Bei einer Enthaltung votierten zwölf dagegen. Grund: Viele waren zwar für die Überarbeitung, wollten aber keinen Grundsatzbeschluss fassen. Bei der letzten Sitzung setzte sich die Diskussion fort: „Es ist eine schwierige Entscheidung, die langfristig unser Dorf prägt“, sagte Ortsbürgermeister Volker Hardardt (FWG). Der Investor wolle aber möglichst schnell wissen, ob das Vorhaben zu realisieren sei. „Mit einem Bebauungsplan haben wir es in der Hand, wie es dort auszusehen hat“, betont Hardardt. Und zeigte zwei Möglichkeiten auf: selbst einen Planer zu beauftragen oder einen städtebaulichen Vertrag abzuschließen: „Wir bleiben immer Herr des Verfahrens.“ Für Ernst Gamber (FWL) ist klar, dass der geplante Bau ins Ortsbild passen müsse – und das tue er nicht. Die Dichte der Bebauung bewirke, dass einzelne Wohnungen unattraktiv würden. Für seine Aussage, dass die Kommune eine Verantwortung Bürgern, Anliegern gegenüber habe – und sich der Investor anpassen müsse, erhielt Gamber Applaus von den Zuhörern. Stadtplaner soll nun doch helfen Weil das Objekt „so umstritten“ sei, solle die Kommune einen Städteplaner einschalten. Dafür plädierte auch Rudolf Sinn (FWG). Jochen Butz (SPD) betonte, dass ein Investor Geld verdienen wolle, die Interessen der Anwohner und der Gemeinde aber berücksichtigt werden müssten. Sein Credo: „Zurück auf Los!“ Sein Wunsch: Dass Anwohner, Rat und Investor sich an einen Tisch setzen, auf ein gemeinsames Ziel kommen, es schaffen, eine Gebäudegröße zu finden, die alle akzeptierten. Letztlich beschloss der Rat bei zwei Enthaltungen ein Stadtplanungsbüro, das Probleme rechtssicher aufarbeite, mit der Erstellung eines Bebauungsplans für den „Mittleren Ortsbereich“ zu beauftragen. Die Interessen der Gemeinde, der Anwohner und des Investors sollen einfließen. Bei der heutigen Ratssitzung wird sich der Rat mit der „Einholung von Angeboten zur Erarbeitung eines städtebaulichen Konzepts“ befassen. TERMIN Ratssitzung heute, Dienstag, 19.30 Uhr, im Rathaus. Weitere Themen: Umgestaltung des Friedhofs im Oberdorf, Bebauungsplan „Südlich der Speyerer Straße“, Abriss des Gebäudes Obere Hauptstraße 163, Abrundungssatzung Karl-Lehr-Straße, Einwohnerfragestunde, Bauanträge.