Kandel / Wörth RHEINPFALZ Plus Artikel In Kandel und Wörth rattern die Nähmaschinen

Kyra und Anja Hohndorf sammeln abgegebene Masken ein.
Kyra und Anja Hohndorf sammeln abgegebene Masken ein.

Nähprojekte helfen auch gegen das eigene Gefühl der Hilflosigkeit

Per WhatsApp, in sozialen Netzwerken und auch in den Zeitungen: Derzeit wird überall dazu aufgerufen, Mundschutzmasken zu nähen. Hintergrund ist der drohende Mangel der schützenden Hilfsmittel. Und obwohl es auch Kritik an den selbst genähten Masken gibt, ist die Hilfsbereitschaft sehr groß, wie Näherinnen in Kandel und Wörth berichten.

Eine selbst genähte, so genannte „Spuckmaske“, bietet natürlich nicht den gleichen Schutz wie die professionell hergestellten, die vor allem im medizinischen und pflegerischen Bereich zum Einsatz kommen. Der Stoff ist schlicht zu durchlässig. Dennoch haben diverse Einrichtungen mit Blick auf die demnächst ansteigende Zahl von Corona-Patienten und der stetig wachsenden Risikogruppe dazu aufgerufen, die Hygieneartikel zu nähen.

Erst in weiß, nun auch bunt: Die Näh-Community ist äußerst rege

Dem kommt man in der Stoffhalle „Kissenzauber“ in Kandel gerne nach und ist von der überwältigenden Resonanz des Nähprojekts begeistert. Mittlerweile sind rund 300 Meter Stoff verschnitten und über 100 Helferinnen lassen die Nähmaschinen rattern – in Heimarbeit natürlich. Im Laden selbst geht es mittlerweile schwerpunktmäßig um die Logistik: In einer Box können sich die Näherinnen Stoffe abholen und die fertigen Masken kontaktlos wieder ablegen. Diese werden dann an Krankenhäuser verteilt, aber auch Zahnärzte, Physiotherapeuten und Kassierer haben Bedarf, wie Kyra Hohndorf von „Kissenzauber“ sagt. „Erst haben wir nur weißen Stoff benutzt, da die Masken ja noch gekocht werden“, so Hohndorf. Mittlerweile werde aber auch anderer Stoffe genutzt, da die Nachfrage der sehr regen Näh-Community so groß sei. Da es sich um eine Charity-Aktion handelt, ist man auf Spenden angewiesen. So können sich auch diejenigen, die nicht nähen wollen oder können, einbringen. „Von dem Geld werden Materialien gekauft und was übrig bleibt, spenden wir wiederum für einen guten Zweck“, so Anja Hohndorf.

Die Berufsbildende Schule näht auch mit

Und auch in Wörth wird derzeit zugeschnitten, geheftet und genäht. Denn an der BBS Germersheim/Wörth läuft ebenfalls eine Mundschutz-Nähaktion. Initiiert und ausgeführt wird sie von der Hauswirtschaftsmeisterin Bettina Guttmann und der ehemaligen Lehrkraft Sonja Burg. Mittlerweile sind über 60 Masken entstanden, wichtig sei aber auch das Gefühl, der empfundenen Hilflosigkeit ein Ende zu setzen. Die Stoffmasken werden natürlich kostenfrei zur Verfügung gestellt und gehen unter anderem an Wochenmarktbetreiber, an die Fachschule Altenpflege, an eine Gebäudereinigungsfirma und natürlich an die eigene Belegschaft der Schulgemeinschaft. Auch wer ins Bistro kommt, bekommt einen Mundschutz angeboten und weitere Anfragen werden gerne noch entgegengenommen. Das verwendete Material stammt aus vorhanden Beständen, die jetzt aufgebraucht werden.

Selbst wer nicht nähen kann oder möchte, kann unterstützen. So spendet Sybille Riehm von „Nadel Adel“ gerne Stoff. Sie wollte ihren Handarbeitsladen regulär Ende des Monats schließen. Aufgrund der Corona-Verordnung ist er jedoch bereits jetzt zu. Wer Stoff braucht, um Schutzmasken zu nähen, kann sich gerne bei ihr melden, wie sie gegenüber der RHEINPFALZ informiert.

Info

Wer helfen will, findet auf der Internetseite von „Kissenzauber“ unter www.kissenzauber.de detaillierte Infos zur Aktion. Es gibt 13 Sammelstellen, an denen Nähmaterial abgeholt und Masken zurückgegeben werden können, unter anderem im Kissenzauber-Geschäft in Kandel und im Vincentius-Krankenhaus in Landau. Die anderen Sammelstellen stehen auf der Homepage. Dort sind auch die Daten des Spendenkontos zu finden.

Kontakt zu „Nadel Adel“ unter www.nadel-adel.de, Telefon 0727595035.

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