Kreis Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Impftage zwischen Euphorie und Frust

So lief der erste Impftermin in einem Heim in der Südpfalz am 1. Januar in Westheim. Am Samstag wird sich im Altenpflegeheim Pal
So lief der erste Impftermin in einem Heim in der Südpfalz am 1. Januar in Westheim. Am Samstag wird sich im Altenpflegeheim Palatina wieder ein ähnliches Bild bieten.

Seit 1. Januar 2021 wird in den Pflegeheimen geimpft. Bewohner und Mitarbeiter warten darauf, dass die DRK-Impfteams mit den gekühlten Ampullen auch zur ihrer Einrichtung kommen. Doch manchmal werden auch nicht alle Hoffnungen erfüllt.

Auch bei der zweiten Runde sind die Westheimer vorne dabei: Am Neujahrstag wurden 38 Bewohner und 24 Mitarbeiter im Altenpflegeheim Palatina in Westheim als erste in der Südpfalz geimpft. „Es geht allen gut, es gibt keine offen erkennbaren Nebenwirkungen,“ sagt Heimleiter Hendrik Kleinfeldt. Am Samstag steht schon die zweite Impfung an.

Wer sich erst jetzt entschieden hat, muss aber noch warten: „Wir konnten noch Leute gewinnen, die sich jetzt impfen lassen wollen.“ Doch diese insgesamt etwa 10 Bewohner und Mitarbeiter müssen sich noch gedulden: Am Samstag wird das DRK-Team nur mit den Ampullen für die Zweitimpfung anreisen. „Aber wir sind schon dankbar, dass es mit der zweiten Dosis klappt“, betont Kleinfeldt.

Was in der Freude über die Impfungen manchmal aus dem Blick gerät: Der volle Impfschutz wird erst in der Zeit nach dem zweiten Pieks aufgebaut. „Es ist jedem klar, dass er noch vorsichtig sein muss“, sagt Kleinfeldt. Allerdings sei in jedem Fall eine Erleichterung zu spüren. Die Vorsichtsmaßnahmen wie Schnelltests und Maskenpflicht werden noch geraume Zeit erhalten bleiben. Schließlich ist ja auch ein Teil der Bewohner und der Mitarbeiter noch nicht geimpft. „Aber wir haben mehr Sicherheit im Hinterkopf.“

Hälfte wurde nicht geimpft

Diese Sicherheit ist auch den Bewohnern und Mitarbeitern der Wohn-Pflege-Gemeinschaft in Neuburg wichtig: Im Herbst hatte die Einrichtung unter ihren zwölf Bewohnern drei Tote zu beklagen. Um die Versorgung der Senioren zu gewährleisten, war der Vereinsvorsitzende des Projekts, Robert Ruppenthal, sogar kurzfristig in die Gemeinschaft eingezogen. Beim ersten Impftermin am 6. Januar gab es allerdings Irritationen.

„Wir hatten alle Unterlagen für 30 Bewohner und Mitarbeiter gerichtet“, erinnert sich Arnika Eck, Vorsitzende des Trägervereins. Doch dann wurden nur 15 Impfdosen verteilt. „Wer schon einmal einen positiven Test hatte, wurde nicht geimpft. “ Zwar sei klar gewesen, dass man mit einer aktuellen Erkrankung an Covid-19 nicht geimpft werde. Doch dass dies auch für zurückliegende Fälle gelte, „das war uns neu.“ Hier sei die Aufklärung etwas knapp gewesen.

Umso mehr Erklär-Arbeit war am Abend des Impftages zu leisten: „Da gab es Unruhe, das war emotional“, sagt Eck. Nicht geimpft zu werden habe die Betroffenen durchaus „runtergezogen“. Man habe viel reden müssen, „damit die Leute wieder aus ihrem Loch herauskommen.“

Bei einer Rückfrage habe das Gesundheitsamt darauf verwiesen, dass eine Infektion besser und intensiver schütze als eine Impfung, sagt Eck. Auch das Robert-Koch-Institut rät auf seiner Homepage dazu, mit Blick auf die aktuelle Knappheit des Impfstoffs zunächst auf die Impfung von Menschen zu verzichten, die schon eine Infektion mit dem Coronavirus überstanden haben. „Das hat uns ein bisschen getröstet.“ Allerdings schreibt das Gesundheitsamt auch, dass man von einem Schutz von etwa acht Monaten ausgehe. „Irgendwann muss hier auch mal drauf geguckt werden“, sagt Eck. Die Infektionen waren im Oktober 2021, „da ist Mai schon wieder Deadline.“ Doch am 26. Januar ist erst einmal der Termin für die zweite Impfung angesetzt.

Wenn der Termin denn gehalten werden kann: Auch im Haus Edelberg in Bellheim gab es viele Fälle. Inzwischen wurde niemand mehr positiv getestet, am Donnerstag sollte zum ersten Mal geimpft werden. Doch am Mittwoch kam eine telefonische Absage. „Die Begründung war ein Terminproblem“, sagt Pressesprecher Bernhard Rössler. Ein neuer Termin sei noch nicht genannt worden Dabei würden Bewohner und Mitarbeiter gerne „möglichst bald drankommen“.

Auch das Haus Edelberg in Lingenfeld wartet derzeit auf seinen ersten Impftermin. Dort gibt es gerade 32 positive Fälle, allerdings in einem isolierten Bereich. „Das Impfen ist dennoch möglich“, sagt Rössler. Doch auch diese Einrichtung warte noch auf einen Termin.

Anders im Caritas-Altenzentrum St. Elisabeth in Germersheim. Dort ist am Donnerstag keine Zeit für ein Gespräch: „Das ist gerade ganz schlecht, wir haben großen Impftag“, sagt die Einrichtungsleitung und klingt in der Aufregung durchaus fröhlich.

Impfteams waren schon in 423 Heimen

Genaue Zahlen darüber, wie viele Menschen in Pflegeheimen in der Südpfalz seit 1. Januar geimpft wurden, gibt es nicht. Eine solche Aussage sei derzeit nicht leistbar, sagt ein Sprecher des Landesgesundheitsministeriums und verweist auf die 560 Pflegeheime in 31 Landkreisen in Rheinland-Pfalz.

Allerdings kommt eine Einordnung vom Landesverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), der die Impfteams ausschickt: Seit dem Start am 27. Dezember 2020 seien in 423 Pflegeeinrichtungen rund 48.000 Bewohner und Mitarbeitende geimpft worden, heißt es in einer Mitteilung von Donnerstagabend.

Natürlich könnten die mobilen Impfteams nur impfen, wenn ausreichend Impfstoff vorhanden sei, erläutert Katharina Benlioğlu, Sprecherin des DRK-Landesverbands. „Mit 250 ehren- und hauptamtlichen Mitarbeitenden können wir – abhängig von der Größe der Einrichtung – bis zu 37 Termine pro Tag durchführen.“

Die Teamgröße richte sich nach den Anforderungen der zu impfenden Einrichtung. „Es spielt für uns keine Rolle wo eine Einrichtung liegt, sondern ob sie impfbereit gemeldet wird“, sagt Benlioğlu. „So kann es sein, dass in einer Region schon mehr, in einer anderen Region weniger Einrichtungen geimpft sind.“

Ziel: In einem Monat alle Heimbewohner geimpft

Doch auch wenn derzeit Impfdosen knapp sind: Stand Donnerstag geht der Parlamentarische Staatssekretär im Gesundheitsministerium, Thomas Gebhart (CDU), davon aus, „dass Mitte Februar die Heimbewohner komplett geimpft sind.“ Im Gespräch mit der RHEINPFALZ sagte er: „Das halte ich auch für realistisch.“

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