Kreis Germersheim Historischer Balken aus der Disco

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Das Herz des leidenschaftlichen Hobbyhistorikers und Ortschronisten Manfred Bouquet aus Schaidt schlug höher, als er einen Anruf bekam, dass ein Stück Ortsgeschichte in seine Hände wandern sollte: Ein Balken mit einer Inschrift, der lange Jahre in der Diskothek Akra in Kandel als Dekoration verbaut war und der darauf hindeutet, dass Schaidt älter ist, als die bisher früheste urkundliche Erwähnung aus dem Jahr 1046 beweist.

„Ich erhielt einen Anruf der Besitzerin der Diskothek, die berichtete, dass bei deren Abriss der Balken als Dekoration entfernt wurde. Man dachte, dass es sich um ein echt historisches Stück handeln könnte und hat ihn mir angeboten“, berichtet Bouquet von dem Glücksfall. „Vorher hatte der Balken wohl noch einige Vorbesitzer, bis er nun wieder nach Schaidt zurückgekommen ist.“ „Jean CME hat mich nun aus solchem Holß erlesen; das 761 Jahr zu Scheyd ein Rathaus ist gewesen W 1768“, lautet die Inschrift des Eichenbalkens und veranlasste den Ortschronisten zu einer Spurensuche. Der Balken wurde also 1768 in das damals neue Rathaus eingebaut, 1769 war laut der Gemeindebücher die Einweihung. An dem Platz, an dem sich auch das heutige Bürgerhaus befindet, standen vor dem Umbau zwei Fachwerkhäuser, die durch die Lunz getrennt waren. Von der Straße aus gesehen rechts befand sich die Amtsstube des Schultheiß – heute wäre er Bürgermeister und Ortsrichter. Links war eine Schildwirtschaft „Zum Ritter St. Georg“, eine öffentliche Gaststätte, die die Erlaubnis hatte, mit einem Schild auf ebendiese hinzuweisen. Während der Arbeiten für das neue Rathaus muss man einen Hinweis darauf gefunden haben, dass an eben dieser Stelle bereits 761 Jahre zuvor, also 1007, bereits ein Rathaus stand. „Ich habe dafür keinen Beweis, aber die Tatsache liegt nahe, sonst wäre die genaue Zeitangabe von 761 Jahren nicht möglich“, ist Bouquet überzeugt. Was aussagt, dass es bereits rund 40 Jahre vor der frühesten erhaltenen urkundlichen Erwähnung schon eine Verwaltung in Schaidt gab. Um das Jahr 780 gab es hier drei römische Gutshöfe, die aufgelöst und neu besiedelt wurden, hauptsächlich mit Menschen aus dem armen Südtirol oder dem Schwabenland. Aber auch Familien des niederen Adels ließen sich laut Bouquet nieder. Bereits um das Jahr 1000 sollen etwa 200 Erwachsene Ackerbau und Viehzucht betrieben haben. 1046 reiste der Regent Heinrich III. nach Rom, um sich zum Kaiser krönen zu lassen. Um während dieser Zeit seiner Abwesenheit die Fürsten ruhig zu halten, machte er einige Schenkungen. Salmbach, Nußdorf und Schaidt gingen damals an den Fürstbischof zu Speyer. Sein Einzugsgebiet grenzte damit an den sogenannten Mundat zu Weißenburg. Und eben daher kam der Zimmermann, der den Balken wohl in Auftrag gegeben hat: Johann (Jean) Franz Saum betrieb hier seine Zimmerei und Schreinerwerkstatt. Er arbeitete nachweislich am neuen Rathaus in Schaidt mit. In Handwerkerkreisen wurde überwiegend nur der Vorname benutzt, so hat er sich auch auf dem Balken als „Jean“ verewigen lassen. Was die Buchstaben CME bedeuten, darüber rätselte der Ortschronist längere Zeit. „Doch dann war klar, dass Saum damit sein Können beschreiben ließ: C für charpentier – Zimmermann; M für menuisier – Schreiner; und ebeniste – Möbeltischler“. Bouquet hat den Balken dem Ort Schaidt überlassen: „Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass er seinen Platz über dem heutigen Eingang des Bürgerhauses bekommt.“ |kbro

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