Germersheim
Grundschulen stoßen räumlich an Grenzen
„Wir wachsen nicht nur im Kita-Bereich, sondern auch in den Grundschulen“, sagt Bürgermeister Marcus Schaile (CDU). Die Gesetze des Landes führen dazu, dass Kinder einen Rechtsanspruch auf Betreuung haben, Mensen, Essenräume und mehr in den Kitas gebaut werden müssen. In den Grundschulen der Stadt macht sich Schaile zufolge bemerkbar, dass immer mehr Kinder in der Stadt leben. Das zeige auch der Schulentwicklungsplan, den Anja Reinermann-Matatko, Inhaberin des Bonner und Trierer Büros Schulentwicklungsplanung-Beratung (SEP), für die Stadt erstellt hat.
Land: keine sechszügigen Grundschulen
Das Land Rheinland-Pfalz möchte keine sechszügigen Grundschulen, sagte Schaile vorab. Derzeit sei die Eduard-Orth-Grundschule (EOS) fünfzügig – das heißt, dass es fünf erste Klassen gibt und diese Zahl der Klassen bis zum Ende der vierten Stufe so bleibt. In den kommenden Jahren wird dies Anja Reinermann-Matatko zufolge so nicht bleiben – denn es sei mit einem „weiteren Bevölkerungswachstum“ zu rechnen und damit auch „mit mehr Kindern“. Der Blick gehe seitens ihres Planungsbüros über die geforderten sechs Jahre des Schulentwicklungsplans hinaus. Derzeit sind es laut der promovierten Wissenschaftlerin etwa 104 Kinder je Jahrgangsstufe an der EOS. Künftig werden es zwischen 125 und 130 sein. Aktuell hat die EOS 416 Schüler. Im Jahr 2027/28 könnten es laut Prognose 520 sein. Eingeschult würden in diesem Jahr 141 Schülerinnen und Schüler.
Die Gottfried-Tulla-Grundschule in Sondernheim hat etwas mehr als 40 Kinder je Jahrgang. Schon seit Jahren schwanken der Planerin zufolge die Zahlen leicht um diese Schülerzahl. Derzeit hat die Schule insgesamt 173 Grundschüler. Im kommenden Schuljahr könnten es 192 sein. 52 Schüler werden es wohl in der ersten Klasse sein. Das bedeutet, dass die zweizügige Schule dann in der ersten Klassenstufe dreizügig wird. Denn bei 48 Schülern gebe es zwei Klassen, bei 49 seien es drei Klassen. In den Folgejahren schwanken die Schülerzahlen wieder.
Mindestens 240 Erstklässler
Dreizügig geht es in der Geschwister-Scholl-Grundschule zu. Jetzt und auch zukünftig, wie es dem Plan zu entnehmen ist. Rund 55 bis 60 Kinder gibt es pro Klassenstufe. In den kommenden Jahren schwanken auch hier die Zahlen etwas. So sollen im kommenden Schuljahr 62 Kinder eingeschult werden. Danach sind es 39. Danach wieder über 50 bis zu 60. Derzeit sind es 226 Schüler, die auf die Grundschule gehen. Im kommenden Schuljahr werden es voraussichtlich 238 sein. Rechnet man die Schüler sämtlicher Grundschule zusammen, so sind es im Durchschnitt derzeit etwa 200 Grundschüler je Jahrgang. Künftig werden es Anja Reinermann-Matatko zufolge im Durchschnitt zwischen 220 und 230 Schülerinnen und Schüler sein – mit leichten Schwankungen. Einer der Gründe ist der Zuzug in die Stadt. Waren es im Schuljahr 2020/21 rund 180 Grundschüler, die ihre Schullaufbahn begonnen haben, sind dies „im kommenden Schuljahr 2024/25 voraussichtlich 240 Kinder plus Zuzug“. Im Schuljahr 2027/28 könnten es sogar mehr als 250 Schülerinnen und Schüler sein.
Mehr Kinder bedeutet im gleichen Maße auch mehr Platzbedarf – also mehr Räume. Da die Tulla-Schule und auch die Geschwister-Scholl-Schule für die Ganztagsschule über keine Schulküche und Mensa zum Essen verfügen, dies aber gefordert werde und in naher Zukunft umgesetzt werden muss, werde es dort zu Bauarbeiten kommen müssen. Doch nicht nur diese Räume fehlen. Aufgrund des Migrationshintergrundes vieler Kinder sind sogenannte Differenzialräume wichtig, also Räume für Mehrfachnutzungen, um unter anderem Lerninhalte vertiefen beziehungsweise nachholen zu können. Beispielsweise werden diese Räume auch für Religions- oder Ethikunterrichte genutzt. Werden diese Räume aber als Klassenräume genutzt, dann fehlen sie als Ausweichraum. Bleibt letztlich also nur, „anzubauen oder neu zu bauen“, wie Bürgermeister Marcus Schaile dem Stadtrat sagt.
Änderungen an zwei Schulen möglich
Sämtliche Schulen werden nun von der Verwaltung hinsichtlich ihrer Raumnutzung angesehen. Da eine sechszügige EOS vom Land nicht gewollt ist, bleiben nur die Tulla-Schule und die Geschwister-Scholl-Schule für Erweiterungen übrig. Zusammen mit dem Schülerhort, der Kita, der Schule und dem ehemaligen Tennisheim gebe es für Sondernheim Überlegungen, wie dies funktionieren könne, sagte Schaile vor einiger Zeit.
Anders sei es bei der Geschwister-Scholl-Schule. Derzeit nutze die Grundschule Räume der benachbarten Realschule mit. Da die Realschule plus Schaile zufolge aber in den kommenden Jahren auch mit steigenden Schülerzahlen rechnen müsse, falle diese Option weg. Nun werde geprüft, ob es einen Anbau in selber Größe wie den jetzigen Grundschulbau geben könne. Reicht die Fläche nicht aus, so wird es wohl einen „Neubau im Baugebiet Westheimer Neuland geben“, sagt der Bürgermeister über eine Alternative. Die Realschule plus könne dann wegen ihrer steigenden Schülerzahlen Räume der jetzigen Grundschule nutzen. Zur Folge haben diese Überlegungen auch eine Änderung der Grundschulbezirksgrenzen. Am Ende der Prüfungen und Überlegungen werden diese dem Stadtrat vorgelegt, so Schaile.
Schülerbetreuung nimmt zu
Und noch einen Punkt hat die Planerin Anja Reinermann-Matatko geprüft: die Betreuungssituation für Schulkinder in der Stadt. Derzeit werden etwa 65 Prozent der Grundschüler über die Ganztagsschule oder einen Hort betreut. „Diese Quote wird vielleicht 70 bis 75 Prozent in den kommenden Jahren erreichen“, sagt die Planerin.
