Kreis Germersheim Gemeinsam Wände hochgezogen
«Kandel». Ihre goldene Hochzeit feierten die beiden an ihrem Urlaubsort im Allgäu. Ihre Vermieter hatten alles arrangiert, hoch oben auf der Alm. Für Thea und Ernst Kern wurde dieser Tag zu einem ganz besonderen Erlebnis. Heute, zehn Jahre später, feiern die beiden ihre diamantene Hochzeit im Kreis der Familie in der Nähe.
Große Touren können die beiden nicht mehr unternehmen, seit Ernst (81) in seiner Mobilität doch etwas eingeschränkt ist. Dies hielt ihn aber nicht davon ab, noch vor drei Jahren, bei ihrem letzten Urlaub im geliebten Allgäu, selbst mit dem Rollator auf einen Berg zu laufen. Ja, das Allgäu. Das hat die beiden immer wieder angezogen, und mehr als 25 Urlaube wurden dort verbracht. Da war es auch nicht sehr schlimm, dass man zur goldenen Hochzeit die mit Sekt und Pfälzer Wein bepackte Kiste vor lauter Aufregung daheim vergessen hatte. Beide erinnern sich noch gerne daran, doch Urlaub war beileibe nicht das Wichtigste in ihrem gemeinsamen Leben. Die aus Neuburg stammende Thea, sie durfte vor kurzem erst ihren 80. Geburtstag feiern, hatte nach der Schulzeit in Kandel eine Anstellung in der früher bekannten Metzgerei Demes (Ecke Hauptstraße/Gartenstraße) gefunden. Und hier war sie auch dem jungen „Unnerkannler“ Ernst aufgefallen. Bald traf man sich zur Tanzmusik in Kandel, und noch heute schwärmen die beiden von der Kandeler „Banatkapelle“. Schon bald entschlossen sich die beiden, vor den Traualtar zu treten. Morgens sagten sie „Ja“ vor dem Standesbeamten in Theas Heimatgemeinde Neuburg, und nachmittags in der Neuburger Kirche. Wohnten die beiden zunächst im elterlichen Anwesen von Ernst in Unterkandel, so sah man sich spätestens nach der Geburt der ersten Tochter bald nach einem geeigneten Bauplatz um. Ihr Haus in der heutigen Robert-Koch-Straße sei das erste im ganzen Neubaugebiet gewesen, erzählt Thea Kern. Sie erinnert sich noch gut an dessen Bauzeit. Vieles musste man noch eigenhändig erledigen: schwere Kellersteine tragen, Zementsäcke von Hand abladen. Und an einen Betonmischer war aus Kostengründen schon gar nicht zu denken! Sie packte zu, und wenn ihr Mann abends aus dem Bienwald nach Hause kam – Ernst war als Waldfacharbeiter und später als Haumeister beim Forstamt Kandel beschäftigt – wurden die Wände hochgezogen. Arbeit gab es immer. Auch später noch, als zur Familie längst drei Töchter und ein Sohn gehörten, machte man das Holz und sorgte für den Winter vor. Sieben Jahre lang mussten die Kerns auf den Bau einer Straße zu ihrem Haus warten. „Bis dahin erreichte man uns auf einem Feldweg“, so Thea Kern. Schließlich musste sie ihren Ernst überreden, den Führerschein zu machen. Bis dahin fuhr er nur mit dem Rad und später mit einem Moped. Dann wurden größere Reisen unternommen, so 1965 nach Italien zur Hochzeit eines guten Bekannten, wo der frisch gebackene Autofahrer Ernst erstmals „alpine Straßenerfahrung“ sammeln musste. Nach der Familienzeit, an einen finanziellen Ausgleich war damals nicht zu denken, nahm Thea Kern eine neue Arbeit im Krankenhaus auf, war in der Wäscherei und später in der Diätküche tätig. Engagiert hat sie sich vor allem auch im Deutschen Roten Kreuz, war eifrige Blutspenderin. Beide unterstützen den Verein „grenzüberschreitende Freundschaft“ und gehört seit 30 Jahren der Rheumaliga an, wo Thea Kern auch Gruppensprecherin und Schriftführerin war. Neben seiner Arbeit fand Ernst Kern Ausgleich auf dem Fußballplatz – erst als Spieler, dann als Zuschauer –, aber auch als Sänger beim Volkschor Kandel und beim Angelverein in Neuburg. Nicht zuletzt, so ist von Nachbarn zu erfahren, sind die beiden sehr aufmerksam und hilfsbereit. Nicht zu verachten, so eine Nachbarin, sind vor allem die Fähigkeiten von Thea Kern als Kuchenbäckerin und Köchin. So darf man annehmen, dass zum heutigen Festtag nicht nur die Familie gratuliert. Zu dieser gehören auch fünf Enkeltöchter und ein Bub als Urenkel. Und alle freuen sich auf das Weihnachtsfest: Kurz vorher soll der zweite Urenkel das Licht der Welt erblicken. Auch darauf sind die beiden sehr gespannt.