Kreis Germersheim Gemeinderäte üben Skepsis an Geothermie-Plänen
Lutz Stahl von der Deutschen Erdwärme und Horst Kreuter von der GeoThermal Engineering haben dem Ortsgemeinderat Westheim und neun Zuhörern am Montag das Geothermie-Projekt zwischen Lustadt und Bellheim vorgestellt. Grund laut Ortsbürgermeisterin Inge Volz (SPD): „Damit jeder auf dem gleichen Stand ist.“ Wie berichtet, fand am 8. März bereits eine von 50 Personen besuchte Bürgerfragestunde statt. Im Mai soll diese wiederholt werden.
„Wir wissen, dass Geothermie hier kritisch gesehen wird. Uns ist das bewusst“, betonte Stahl. Deshalb solle das Projekt, bei dem die neueste Technik Anwendung finde, „offen, partnerschaftlich und professionell“ auf den Weg gebracht werden, sagte er mit Verweis auf die „sehr lange Genehmigungslaufzeit“. Und fügte an: „Wir sind noch vor dem förmlichen Zulassungsverfahren und wollen frühzeitig informieren.“ Stahl hält Geothermie für die ideale kommunale Energieform, weil sie grundlastfähig sei und zwischen Wärme- und Stromgewinnung gewechselt werden könne. Er berichtete, dass die Firma Laub aus Kaiserslautern mit naturfachlichen Untersuchungen im FFH (Fauna-Flora-Habitat)-Gebiet begonnen habe – und der Bereich für die Standortsuche „etwas geändert, auf ein Potenzial von etwa 130 Hektar“ beschränkt worden sei. Mögliche Sicherheitsbedenken versuchte Stahl auszuräumen: Er versicherte, dass Probleme aus früherer Zeit verstanden worden seien. Um Risiken zu minimieren, solle deshalb „nicht zu tief gebohrt“ werden. Zudem könnten Erdbeben im Untergrund heute früh erkannt und darauf reagiert werden: „Die Anlage wird dann runtergefahren. Und nach Entspannung fahren wir sie wieder hoch.“ Ortsbürgermeisterin Inge Volz wies darauf hin, dass der Standort zwar nicht auf Westheimer Gemarkung liege, die Kommune sich aber im Planfestfeststellungsverfahren äußern könne. „Welche Erfolge hat ihr Unternehmen vorzuweisen?“, wollte Angelika Schmitt (CDU) wissen. „Wir haben gelernt, auf Bürger zuzugehen und mit der Deutschen Umwelthilfe einen Partner für den Dialog gefunden“, sagte Stahl, räumte aber auch ein: „Wir sind eine sehr, sehr junge Firma.“ Er selbst sei aber schon zehn Jahre in der Tiefengeothermie tätig. Horst Kreuter berichtete, dass es derzeit 33 Tiefengeothermie-Projekte in Deutschland gebe: „Das ist eine ordentliche, aber immer noch relativ kleine Zahl.“ Auf Anfrage von Alexander Dietz (SPD) sagte Stahl, dass für die Anlage eine Baufläche von etwa einem Hektar benötigt und zum Kraftwerk auch eine Straße führen werde: „Die Bau- und Bohrphase ist aber nichts Besonderes.“ Der Bau des Kraftwerks sei nicht besonders laut und etwa mit dem Bau eines Industrie- oder Bürogebäudes vergleichbar. Allerdings gebe es einen Bohrturm. Stahl verhehlte nicht, dass eine Chemikalie eingesetzt werde, um das Ausfällen von Mineralien im Thermalwasser zu verhindern und so Krustenbildung in den Leitungen vorzubeugen. Gabi Hellmann (FWG) erachtet die Haftungssumme von 50 Millionen Euro für Schäden als zu gering. Stahl dazu: „Über die Summe kann man diskutieren.“ Michael Deubig (CDU) fragte: „Glauben Sie wirklich, dass Bellheim und Landau nochmals eine Geothermie-Bohrung machen würden?“ Und beantwortete sich die Frage selbst: „Ich kann es mir beim besten Willen nicht vorstellen.“ Hellmann ergänzte: „Wenn Sie keinen Widerstand erwarten würden, würden Sie nicht auf Gemeinderäte zugehen und versuchen, Bürger zu gewinnen.“ Auch Ortsbürgermeisterin Inge Volz war vom Projekt „nicht überzeugt“.