Kreis Germersheim
Freckenfeld: Der Wald wandelt sich
„Ich bin seit 30 Jahren im Forstamt, aber so turbulente Zeiten habe ich noch nicht erlebt“, fügte Revierförster Bernd Müller seinem Bericht zum Forstwirtschaftsplan im Gemeinderat einen persönlichen Eindruck hinzu.
Im Freckenfelder Wald, mit circa einem Drittel Eschenbestand, würden auch in den nächsten zwei Jahren die Eschen geschlagen, die noch zu vermarkten seien. Denn das Eschentriebsterben, das seit drei Jahren grassiere, werde anhalten.
Aktuell gebe es in Plus von 13.000 Euro bei der Vermarktung von Holz. Im kommenden Jahr rechnet der Revierförster mit einem kleinen Plus von 1200 Euro.
„Den Freckenfelder Wald wird es immer geben, aber er wird sich wandeln“, ging Forstamtsleiterin Astrid Berens (Forstamt Bienwald Kandel) auf aktuelle Fragen ein. Stefan Foos (SPD) wollte wissen, wie sich der Export der Freckenfelder Eschen nach Vietnam mit dem Klimawandel vertrage. Immer mehr kleinere Sägewerke müssten aufgeben und so müsse auch global gehandelt werden, gab Berens zu bedenken. Am Schluss wurde der Forstwirtschaftsplan einstimmig beschlossen.
Hohlwege werden gepflegt
Beim zweiten Tagesordnung ging es auch um den Wald, nämlich um Hohlwege. Kurt Garrecht vom Naturschutzverband Südpfalz stellte die Aktion Südpfalzbiotope vor. Dies sei ein Zweckbetrieb mit dem Ziel, Ersatzgelder für Hohlwege einzusetzen.
Ersatzgelder seien Mittel, die vom Land beispielsweise dort eingesetzt werden, wo Windräder entstanden sind. Nicht zu verwechseln, so betonte Garrecht, mit Ausgleichsleistungen.
Hohlwege seien wichtige Bestandteile der Landschaft und dienten in hohem Maße dem Artenschutz. Früher als Transportwege entstanden, hätten sich hohe Wände in den Lössboden gegraben, die eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt beherbergten, Jetzt sollen sie aus einem „Dornröschenschlaf“ geweckt werden. Mit der Aktion „Südpfalzbiotope“ solle möglichst ein flächiger Biotopverbund entstehen, zeigte Garrecht auf.
Eine erste Maßnahme sei, im Winter 20/21 die Lösswände freizuschneiden. Danach gebe es einen Folgepflege über die nächsten 14 Jahre. Das alles koste die Gemeinde nichts.
Robinie vermehrt sich rasant
Insgesamt gebe es vier Hohlwege in Freckenfeld, trugen die Ratsmitglieder ihr Wissen zusammen. Am bekanntesten ist die Landauer Hohl, für die es bereits konkrete Vorstellungen gebe. In der Kirchhohle sollten Bäume und Sträucher erhalten werden. In der Hergesweiler Hohle stelle der Baum des Jahres, die Robinie, die Aktion vor besondere Herausforderungen. Denn der Baum vermehre sich über die Wurzeln ziemlich rasant.
Begehungen im Frühjahr
Ob Freckenfeld bei der Biotop-Aktion mitmacht, wird die Gemeinde spätestens nach der Begehung der Hohlwege im kommenden Frühjahr entscheiden. Dann, so einigte sich der Gemeinderat solle es gleich zu zwei Ortsterminen im Wald kommen. Denn auch Revierförster Bernd Müller werde Ratsmitglieder und Bürger durch den Freckenfelder Forst führen. Der genaue Termin werde bekannt gegeben, sagte Bürgermeister Martin Thürwächter.