Kreis Germersheim Flüchtlinge wollen Handwerker werden
Viele Fragen konnten gestellt und noch mehr Antworten gegeben werden: Bei der ersten Flüchtlingsmesse des Landkreises Germersheim drehte sich einen Tag lang alles um die ehren- und hauptamtlichen Helfer und um die Flüchtlinge selbst. Die Resonanz an den Ständen der rund 30 Aussteller in der Stadthalle Kandel war gut. Ein neuer Wegweiser soll das Netzwerk weiter stärken.
Mit der „Ode an die Freude“ auf deutsch und arabisch gesungen begann die erst Flüchtlingsmesse im Kreis Germersheim äußerst emotional. Der Syrer Samer Alhalbi begleitet das Stück an der Oud, einer Art Kurzhalslaute, und sorgte mit weiteren Liedern über Frieden, Krieg und Freiheit für Tränen bei den Besuchern in der Stadthalle Kandel. „Stoppt den Krieg. Auch ich habe ein Recht darauf, gehört zu werden“, so die Zeilen des Musikers, der seit vier Monaten in Leimersheim lebt. Ihm gefällt es sehr gut und er erlebt viel Freundlichkeit, wie er sagt. Als Musiker möchte Alhalbi jedoch nicht arbeiten, denn in Syrien war er im sozialen Bereich tätig– das will er auch hier machen. „Neben dem sozialen und Pflege-Bereich sind auch die Handwerksberufe nachgefragt“, informierte Katharina Conrad. Die Beauftrage für Migration, Flüchtlinge und Integration der Bundesagentur für Arbeit war mit ihren Kollegen auf der Messe und führte unzählige Gespräche mit Flüchtlingen und Helfern. „Viele Fragen drehen sich um die rechtliche und behördliche Situation“, so Conrad. Immer mehr Asylsuchende kämen zur Beratung, oft seien die Ehrenamtlichen dabei: „Das ist eine große Hilfe, weil einige Sachverhalte wie die Anerkennung von Qualifikation oder Schulabschlüssen doch sehr komplex sind“. Was muss bei einer ehrenamtlichen Tätigkeit beachtet werden? Wie können die Flüchtlinge bei der Wohnungssuche unterstützt werden? Wie sieht es mit Hobbys für die Kinder aus? Für alle Fragen fand sich der passende Ansprechpartner, denn unter anderem waren die Volkshochschule, das Projekt „Wellcome“, die Tafeln, der Internationale Bund und KandelAktiv vertreten. Um das Gesamtangebot im Landkreis noch besser zu bündeln, stellte Landrat Fritz Brechtel einen neuen Wegweiser vor. „Damit wollen wir das Netzwerk im Landkreis Germersheim weiter stärken“, so Brechtel, der betonte, dass bereits jetzt „alle Gemeinden mitziehen“. Im Landkreis konnten bisher große Massenunterkünfte für die Flüchtlinge vermieden werden, rund 20 neue Stellen seien geschaffen worden. „Auch die Flüchtlings-App gibt es ja bereits und das ist eine gute Hilfe“, sagte der Landrat. Dementsprechend gibt es den Wegweiser, in dem Themen wie Geld, Gesundheit, Familie und Arbeit mit allen Ansprechpartnern im Landkreis zu finden sind, nicht nur als Broschüre sondern auch Online. Er beinhaltet Alltagshilfen, Informationen über wichtige Dokumente und Abläufe sowie Übersichten zu den jeweiligen Anlaufstellen. Info Der Online-Wegweiser ist unter www.kreis-germersheim.de und dort unter der Rubrik „Integration und Flüchtlinge“ zu finden. Dort finden sich auch ein Link zur App „Integreat“. (bja)