Kreis Germersheim Fackellauf für den Frieden

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Kandel. Die Freundschaftsstatue des Künstlers Volker Krebs, die am Sonntag auf der Nordseite der St. Georgskirche im Rahmen des Jubiläums der Städtepartnerschaften Kandels mit Reichshoffen und Whitworth aufgestellt wurde, steht auf einem geschichtsträchtigen Platz.

Die Grünfläche, die heute die Nordwestecke des Marktplatzes aufwertet, war bis 1816 Teil des Friedhofes, der sich rund um die St. Georgskirche befand. Die bayerische Verwaltung, die damals die Pfalz übernahm, wollte den Marktplatz erweitern, um ihn besser als Truppenaufmarschplatz nutzen zu können. Auch war der Friedhof für die wachsende Gemeinde Langenkandels, wie damals Kandel hieß, zu klein geworden. Bürgermeister Joseph July verlegte daher den Friedhof weit nach Norden hinter den ersten Gewanneweg und weit außerhalb der damaligen Bebauung. Ein Teil des früheren Friedhofs direkt an der Hintergasse (heute Marktstraße) wurde genutzt, um ein Schulhaus zu bauen, was jedoch rasch zu klein und baufällig wurde. Am 31. August 1905, das Schulhaus war schon lange abgerissen und durch das noch heute an der Ostseite des Marktplatzes stehende Schulhaus ersetzt, errichteten der Veteranen- und Kriegerverein Kandel dort ein Denkmal in „ehrfurchtvoller Erinnerung an die gefallenen Soldaten und zur Ehrung der übrigen Kriegsteilnehmer und in nationaler Begeisterung an die glorreiche Zeit 1870-71“. Die Gesamtausgaben zur Errichtung des Kunstwerkes betrugen 8.199.55 Mark. Zur Finanzierung gab der Verein damals 350 Aktien á 5 Mark aus. Die auf dem Denkmal stehenden Figuren, ein heimkehrender Krieger und eine junges Mädchen, fielen 1940 der Metallspende im 2. Weltkrieg zum Opfer. Wurde das Denkmal am Sedanstag 1905 noch als „Kunstwerk, dem jedenfalls nur wenige Kriegerdenkmäler der Pfalz zur Seite gestellt werden dürfen“ beschrieben, bescheinigte 1940 das Landesamt für Denkmalpflege dem Bauwerk „absolute Minderwertigkeit“. Es sei „ohne künstlerischen Wert“. Die vorhandenen Metallfiguren könnten daher entfernt werden. Wider Erwarten von Bürgermeister Fritz Multer war der Metallanteil aber äußerst gering – die Figuren hatten nur eine dünne metallene Außenhaut. Der Steinsockel wurde erst anlässlich der 10. Grenzlandtage 1961 beseitigt, als die Städtepartnerschaft vorbereitet wurde. In diesem Jahr erhielt diese Fläche eine neue Gestaltung mit mehreren Lindenbäumen. Eine Linde bekam durch die „Jumelage mit Reichshoffen“ eine besondere Ehre. An ihrem Fuße liegt Erde aus dem Sammelgrab der unbekannten Soldaten vom Friedhof der Partnerstadt. Am Tage der Besiegelung der Partnerschaft, am 5. August 1961, trug eine Stafette von Läufern aus Reichshoffen und Kandel eine Fackel von der einen zur anderen Stadt, in deren Schaft am Tag vorher diese Erde eingefüllt worden war. Die Staffelläufer wurden in Reichshoffen von Graf de Leusse sen., Vater des Bürgermeisters und von Emil Hoock, Kriegsveteran und Beigeordneter der Stadt Kandel verabschiedet. Die Fackel erreichte die Festveranstaltung in Kandel bei Einbruch der Nacht. Nachdem François Grussenmeier aus Reichshoffen und Oskar Böhm aus Kandel satzweise abwechselnd die Partnerschaftsurkunden auf dem Festtagsgelände am Stadion verlesen hatten wurde diese Erde in den Pflanzkübel geschüttet, in der eine der Linden wurzelte, die am Tag darauf auf dem Marktplatz gepflanzt wurden. Die neue Freundschaftsstatue, die heute den Platz ziert, ist damit auch Symbol für die Veränderung vom „Heldengedenken“ zur Freundschaft über die Grenzen. |esse

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