Kreis Germersheim Erschießung eines Freiheitskämpfers empört Pfälzer

Man schreibt den 19. November des Jahres 1848. An diesem Sonntag versammelt sich in Kandel der örtliche demokratische Volksverein, um sich über die bevorstehenden Wahlen zum bayerischen Landtag zu beraten. Doch die Sitzung steht ganz unter dem Einfluss aktueller Ereignisse, da wenige Tage zuvor in Wien der Abgeordnete der Paulskirchen-Versammlung, Robert Blum, erschossen worden war.
Im November 1848 neigte sich ein politisch ereignisreiches Jahr langsam seinem Ende zu. Das Parlament in der Frankfurter Paulskirche arbeitete die Reichsverfassung mit einer Reihe wichtiger Grund- und Freiheitsrechte aus, die in allen deutschen Ländern gelten sollte – zumindest nach dem Willen aller fortschrittlichen Kräfte jener Zeit. Doch während die Abgeordneten die Gesetzesvorlagen noch diskutierten, meuterte im Oktober 1848 in Wien das Militär und es kam in der Donaumetropole zu Barrikadenkämpfen. Der mit den Gegenmaßnahmen beauftragte Feldmarschall Fürst zu Windischgrätz brach den Widerstand und ließ die Führer der Aufständischen standrechtlich erschießen. Unter ihnen befand sich auch der linke Abgeordnete Robert Blum, der sich als Vertreter der Paulskirchen-Versammlung in Wien aufgehalten hatte und am 9. November 1848 unter den Kugeln des Exekutionskommandos gestorben war. Der Tod Blums rief in der Pfalz eine starke Empörung hervor. Erst ein halbes Jahr zuvor, an Pfingsten, hatte Blum zusammen mit anderen linken Paulskirchen-Abgeordneten die Pfalz bereist und war dabei unter anderem in Neustadt als Redner aufgetreten. Mit der Nachricht über den gewaltsamen Tod Blums wurde in vielen Gemeinden damit begonnen, für dessen Witwe und Hinterbliebene Geld zu sammeln. Eine Beilage zur „Neuen Speyerer Zeitung“ vom 27. November 1848 berichtete unter der Überschrift „Vom Bienwalde“ über eine Versammlung des demokratischen Kandeler Volksvereins vom 19. November. Auch wenn die Tagesordnung Beratungen zu den bevorstehenden Wahlen zum bayerischen Landtag vorsah, stand die Zusammenkunft doch unter dem Eindruck des Todes von Blum, der auch in Kandel die Gemüter bewegte. „Schon beim Beginne der Sitzung“ – so die „Neue Speyerer Zeitung“ – „sprach sich unter den Anwesenden aus allen Ständen die herzlichste, die innigste Teilnahme über das tragische Schicksal des edelsten hochherzigsten Kämpfers für die deutsche Freiheit, ebenso aber auch die entschiedenste Entrüstung, die tiefste Verachtung gegen seine herzlosen Mörder aus. Mit der rührendsten Bereitwilligkeit sah man die anwesenden Bürger dankbare Gaben zum Vortheile der trauernden Witwe und der vaterlosen Waisen darbringen“. In kürzester Zeit hatten die Kandeler Volksvereinsmitglieder 32 Gulden und 31 Kreuzer eingesammelt. Die „Neue Speyerer Zeitung“ resümierte angesichts der Spendenfreudigkeit: „Überhaupt zeigt es sich hier und in der ganzen Umgebung, wie tief der Name und das Wirken dieses mit großem Geiste und starken Willen begabten Märtyrers der deutschen Freiheit im Volksbewußtsein wurzelt, und daß sein Andenken ein gesegntes bleibt, fort und fort lebt, so weit die deutsche Zunge klingt und Gott im Himmel Lieder singt! Seine Mörder aber haben sich und ihrem ganzen Geschlechte mit blutiger Flammenschrift in dem Herzen der deutschen Nation ein ewig unauslöschliches Brandmal der Schmach und Verworfenheit gesetzt!“