Gegenüber
Engagement für Zukunft von Natur und Mensch
Eines dieser Engagements, der Vorsitz der Stiftung für Ökologie und Demokratie, für das Ritter heute die meiste Zeit seiner Arbeit aufwendet, gab es aber bereits während seines Berufslebens. Die Stiftung, die im Jahr 1992 auf Initiative Ritters gegründet wurde, hat es sich zur Aufgabe gemacht, zur Ökologisierung aller Gesellschafts- und Lebensbereiche und zu mehr Demokratie beizutragen. Zentrales Ziel ist dabei die Fortentwicklung der sozialen Marktwirtschaft zu einer ökologisch-sozialen Marktwirtschaft, die dauerhaft zukunftsfähig ist. Das Leben sei bedroht durch die weltweite Bevölkerungsexplosion, den ungebremsten Egoismus, Materialismus und durch das Machtstreben, macht Ritter deutlich. Es gelte, die Schöpfung zu bewahren, die Werte der Ehrfurcht vor allem Leben zu vermitteln und das 21. Jahrhundert zu einem Jahrhundert der Ökologie und der regenerativen Energien zu entwickeln.
Politisch aktiv
Hans-Joachim Ritter (Jahrgang 1949) stammt aus Speyer. Nach der Schule hat er bei der dortigen Stadtverwaltung eine Lehre begonnen und seine Ausbildung mit dem Diplom-Verwaltungswirt abgeschlossen. Nach 48 Jahren bei der Stadt Speyer ist er 2014 als langjähriger Leiter der Bauabteilung in den Ruhestand getreten. Seit seiner Heirat 1977 lebt er in Rülzheim. Dort war er politisch in der CDU aktiv, saß im Orts- und Verbandsgemeinderat, war Vorsitzender der Jungen Union auf Orts- und Verbandsgemeindeebene. Als der damalige Bürgermeister Helmut Braun jenseits der Bahnlinie ein großes Wochenendhausgebiet plante, wollte er dies nicht mittragen und wurde aus der CDU-Fraktion ausgeschlossen.
Daraufhin wandte er sich der damals aus diesem Grund gegründeten Rülzheimer Bürgerinitiative (RBI) zu. Wegen der Haltung der Bundes-CDU zur Atomkraft trat Ritter aus der CDU aus und 1983 in die ÖDP ein, deren Bundesvorsitzender er von 1989 bis 1993 war. Bereits 1984 war er zu deren Landesvorsitzenden in Rheinland-Pfalz gewählt worden. Grund für den Eintritt in diese Partei war Herbert Gruhl, der vor allem durch sein 1975 erschienenes Buch „Ein Planet wird geplündert – Die Schreckensbilanz unserer Politik“ größere Bekanntheit erlangt hatte. Aus diesem Zusammenhang heraus erfolgte die Gründung der Stiftung, die sich als gemeinnützige, parteipolitisch neutrale Organisation versteht und als Träger der politischen Bildung anerkannt wurde.
300 Stunden für Stiftung
Allein im Jahr 2020 hat Ritter mehr als 300 Stunden für seine Stiftungsarbeit aufgewendet. Unter anderem für das vom Bundesumweltministerium mit 300.000 Euro unterstützte Projekt, Kommunen bei Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel zu unterstützen. 15 Kommunen, darunter auch der Landkreis Germersheim, hatten sich daran beteiligt. Zur Stiftung gehört die EnergieAgentur Speyer-Neustadt-Südpfalz, die beispielhafte Projekte im Bereich der Energieeffizienz und der Erneuerbaren Energien in der südlichen Vorderpfalz initiiert. Zudem wird die Bevölkerung beim Klimaschutz und zu energiebewusstem Umgang mit Energie beraten. Das Kompetenznetzwerk vermittelt Beratungs-, Planungs-, Handwerks- und Fachleistungen und hat vier Jahre lang acht große Unternehmen der Region bei der Energieeinsparung unterstützt.
Domführer und Lektor
Neben diesen Umwelt-Engagements ist Hans-Joachim Ritter auch kirchlich aktiv. So hat er eine Ausbildung zum Wort-Gottesdienst-Leiter für die Pfarrei Hl. Theodard Rülzheim absolviert, ist dort Kommunionhelfer und Lektor. Kommunionhelfer war er auch schon in seiner Jugend im Dom. Dort hat er auch Jugendgruppen geleitet, war aber nie Messdiener. Im Speyrer Dom ist er auch als Domführer eingesetzt. Darauf aufmerksam geworden ist er durch eine Zeitungsanzeige im Jahr 2013, worauf er sich, „sozusagen als Aufgabe nach meinem Berufsleben“, gemeldet hat. Weil seine enge Bindung zum Dom seit seiner Kindheit, wo er im Gebiet der Dompfarrei gewohnt hat, nicht nachgelassen hat, engagiert er sich auch im Dombauverein.
Als neuestes Hobby hat er sich zum Ausgleich seiner vielen Aktivitäten der Acryl-Malerei verschrieben. „Nicht regelmäßig, auch kein bestimmtes Motiv, ich male einfach, was mir auffällt oder in den Sinn kommt.“ Eines seiner auffälligsten Bilder trägt bezeichnenderweise den Titel „Die Welt am Verbrennen“.