KANDEL RHEINPFALZ Plus Artikel Endlich entspannte Wohnungsbesichtigung?

Vermieter haben wegen Corona deutlich mehr Aufwand.
Vermieter haben wegen Corona deutlich mehr Aufwand.

Wer auf Wohnungssuche ist, kennt das: Gemeinsam mit vielen anderen Interessenten schaut man sich das Mietobjekt an und tritt sich im Flur oft auf die Füße. Zu Corona-Zeiten ist damit Schluss. Vermieter müssen Einzeltermine anbieten.

Der Wohnungsmarkt in der Region Südpfalz ist angespannt. Die Nachfrage überwiegt die Angebote. Von Mietern werden vor allem 3- bis 5-Zimmerwohnungen gesucht. Konkrete Zahlen hat Brigitte Kirchenbauer, Geschäftsführerin der Haus & Grund Südpfalz e.V. in Kandel, zwar nicht. Aber sie bekommt Rückmeldung von den zirka 300 Mitgliedern des Verbands. „Werden Wohnungen inseriert, werden die Vermieter bei Wohnungsbesichtigungen meist überrannt“, sagt Brigitte Kirchenbauer.

Doch das war vor Corona. Wegen der Pandemie-Bekämpfung darf eine Wohnungsbesichtigung derzeit nur mit einzelnen Interessenten durchgeführt werden. Aus Sicht der Wohnungssuchenden hat das natürlich sein Gutes. Die ungeliebten Gruppentermine sind aktuell nicht zugelassen. Aus Sicht der Vermieter bedeuten die Einzeltermine zeitlich deutlichen Mehraufwand und es kommen noch weitere organisatorische Herausforderungen auf sie zu. Die Vermieter müssen darauf achten und bestehen, dass die Interessenten Masken tragen und die Abstandsregeln befolgen.

Zu den Besichtigungsterminen kommen oft Partner und Kinder der Interessenten mit. Verständlicherweise – denn sie wollen oder sollen ja in der Wohnung zukünftig wohnen. Dadurch werde es für die Vermieter oft schwierig, die Übersicht zu behalten, ob die Hygiene- und Abstandsvorschriften eingehalten werden. Sind die zu besichtigenden Räume unbewohnt, gestaltet sich so ein Termin relativ einfach. Schwieriger ist die Besichtigung einer noch bewohnten Wohnung.

Hier bedarf es der Duldung des bisherigen Mieters. Falls dieser sich darauf einlässt, muss der Vermieter dafür sorgen, dass die Interessenten die Abstände einhalten. „Angehörige einer Risikogruppe werden eine Besichtigung wohl nicht dulden müssen“, sagt Rechtsanwalt Ralf Schönfeld. Der Verbandsjurist der Haus & Grund weiß, dass es beim Thema um rechtliche Sachverhalte geht, an denen nicht zu rütteln ist: „Ist ein Mieter in Quarantäne, ist eine Wohnungsbesichtigung völlig ausgeschlossen.“

Trotzdem sind die meisten Mitglieder der Haus & Grund Südpfalz froh, dass die Regierung die strengen Bestimmungen festgelegt hat. „Viele unserer Mitglieder sind älteren Jahrgangs und fallen in die Risikogruppe“, sagt Brigitte Kirchenbauer: „Sie achten deshalb darauf, dass die Vorschriften eingehalten werden.“ Mancher Vermieter wartet gegenwärtig lieber ab, andere Vermieter wiederum haben sich nach nur ein oder zwei Terminen für einen Interessenten entschieden. Etwa eine Dreiviertelstunde nimmt eine Wohnungsbesichtigung zeitlich in Anspruch. „Diese Termine sind aber wichtig“, sagt Brigitte Kirchenbauer: „Man muss sich doch gegenseitig kennenlernen.“

Wohnungsübergaben dürften auch in Corona-Zeiten wieder problemlos möglich sein, wenn nur Vermieter und neuer Mieter zusammenkommen. Auch Umzüge können stattfinden, egal ob mit einem professionellen Unternehmen oder mit Freunden. Entscheidend ist nur, dass auf Abstand und Hygiene geachtet wird.

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