Kreis Germersheim Eintauchen in die Geschichte
Ganz still ist es, wenn Ariane Guttzeit die Ostergeschichte erzählt. Seit 2006 öffnet die protestantische Kirchengemeinde im Pestalozzihaus ihren Ostergarten. Zur siebten Auflage vor zwei Jahren waren fast 2000 Besucher da, um sich auf Ostern vorzubereiten und die zentrale Erzählung des Christentums mit allen Sinnen nachzuerleben. Gerade ist eine dritte Klasse der Tulla-Grundschule da. Die 13 Kinder werden von ihren Lehrerinnen begleitet. Freya Rathing ist eine von ihnen und ist von Idee und Umsetzung des Themas begeistert: „Die Darstellung und das Eintauchen in die Geschichte ist etwas Tolles“, sagt sie. Und tatsächlich ist der Aufwand enorm, den die Gemeinde alle zwei Jahre für diese Erlebniswelt betreibt. „Der Aufbau dauert 14 Tage. Und gegen Ende werden die Helfer immer weniger“, erzählt Guttzeit und lacht. Die zahlreichen Dekorationsartikel werden unter dem Kirchendach gelagert, wo es schön trocken ist und ihnen nichts passieren kann. Im Pestalozzihaus entsteht hieraus dann eine liebevolle Kulisse aus fünf stimmungsvollen Räumen, die den Besucher das zweckmäßige Gebäude völlig vergessen lässt. Die Geschichte beginnt auf dem Marktplatz in Jerusalem, ehe es in den Raum des letzten Abendmahls geht. Den Kindern werden Brot und Traubensaft gereicht, bald ist nur noch ein sanftes Schmatzen zu hören. Zentral ist dann der nächste Raum, in dem die Geschichte von Jesu Verhaftung, Prozess, Kreuzigung und Wiederauferstehung dargelegt wird. Der von Guttzeit verlesene Text ist leicht verständlich und modernisiert, immer wieder wird das Geschehen von Musik und Dialogstücken begleitet. Vor dem Kreuz legen die Kinder schließlich kleine Steine ab, die sie zu Beginn bekommen haben. Diese Geste soll ein Symbol sein, ihre Herzen zu erleichtern. Und dann geht es schon hinaus in den lichten und mit Blumen geschmückten Ostergarten. Jesus ist auferstanden und vor Freude darf jetzt auch nach hebräischer Musik im Kreis getanzt werden. Den Kindern macht es sichtlich Freude. Den Abschluss bildet dann ein Andachtsraum, in dem nachgedacht werden kann und die Kinder malen und aufschreiben können, was sie Gott noch sagen möchten. „Mir fällt nichts ein“, flüstert ein Bub. Den meisten anderen aber doch und so stecken sie ihre Zettelchen in eine kleine Backsteinmauer. Das Prinzip erinnert an die Klagemauer in Jerusalem. Und dann dürfen sie noch in eine „Schatzkiste greifen und sich ein Segenskärtchen nehmen“, sagt Herr Swieton. Wie Guttzeit ist er eines von 15 weiteren Gemeindemitgliedern, die in Zweiergruppen die Führungen leiten. Die Kinder sind am Ende schwer begeistert. Der acht Jahre alte Jakob, der just an Ostern Geburtstag hat, fand den Ostergarten „gut, weil Jesus auferstanden ist“. Und die Räume des letzten Abendmahls und der Kreuzigung haben es Simon (9) angetan. Dort gab es für die Kinder viele Details zu entdecken. „Dass diejenigen, die traurig waren, sich gefreut haben, dass Jesus noch lebt“, beeindruckte schließlich auch Linnea (9). Dass der Ostergarten ein besonderes Erlebnis ist, hat sich längst herumgesprochen. Kitas, Schulklassen und Besuchergruppen kommen selbst von der Weinstraße, aus dem Raum Karlsruhe und sogar aus Bruchsal. Auch Familiengruppen, Wohngruppen der Lebenshilfe, Seniorengruppen und Einzelbesucher sind zahlreich vertreten. Die Texte und Stationen werden immer wieder neu gestaltet, sodass selbst Stammbesucher jedes Mal etwas neues entdecken können. Doch eines bleibt offenbar immer gleich: Die Faszination der Ostergeschichte ist lebendig wie eh und je. Info Ostergarten im Pestalozzihaus, Tullastraße 30, Maximiliansau, bis 22. April. Eintritt frei, Spenden sind willkommen. Führungen finden samstags und feiertags um 14, 16 und 18 Uhr statt; sonntags und am Karsamstag um 14 und 16 Uhr sowie nach Absprache. An Wochenenden und Feiertagen Ostergarten-Café mit Kaffee, Tee und Kuchen. Informationen und Anmeldung zu Führungen über das Pfarramt unter 07271 4777 oder pfarramt.maximiliansau@evkirchepfalz.de .