Westheim RHEINPFALZ Plus Artikel Ehepaar Schubart feiert Diamanthochzeit

Ute und Alfred Schubart haben sich beim Tanzen in Böbingen kenne gelernt.
Ute und Alfred Schubart haben sich beim Tanzen in Böbingen kenne gelernt.

Sie fackelte nicht lange bei der Damenwahl, er ergriff die Initiative beim ersten Kuss: Bei Ute und Alfred Schubart hat es gleich beim ersten Treffen heftig gefunkt: Mittlerweile sind sie seit 60 Jahren miteinander verheiratet und feiern am Donnerstag Diamantene Hochzeit.

Ihre Herzen verloren beide ganz – in Böbingen beim Kerwetanz: Es war im Herbst 1958, als die Gommersheimerin den Westheimer zum Tanz aufforderte. Bei einem Tanz blieb es an diesem Tag aber nicht. Ute, die damals Degen hieß, faszinierte Alfreds Ausstrahlung. Ihm gefiel, dass sie viel redete, „nicht so ruhig, immer lebendig, klein und zackig“, war. „Dess iss die Richdisch“, war er sicher.

Gentlemanlike begleitete er seine Tanzpartnerin nach Hause. Seinen zweiten Schatz, ein Fahrrad, das ihm Patenonkel Alfred Messerschmitt zur Konfirmation geschenkt hatte, schob er. Den freien Arm legte Alfred um seine Ute – und küsste sie. Am Elternhaus in Gommersheim angekommen, vereinbarten beide das nächste Treffen. Ute war nur alle zwei Wochen an den Wochenenden zu Hause. Denn bevor sie eine Anstellung bei der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft in Speyer bekam, hatte sie in Flörsheim gewohnt und bei ihrer Tante, einer Zahnärztin, eine Ausbildung zur Zahnarzthelferin absolviert.

Lieber den Elektriker als einen Zahnarzt

Das nur anfängliche Problem: Utes Eltern hatten sich gewünscht, dass ihre Tochter einen Zahnarzt heiratet. Alfred war aber gelernter Elektriker. Dennoch trafen sich die Verliebten vor allem im Gasthaus Schwanen in Gommersheim. Am 14. Januar 1961 sagten sie im dortigen Standesamt und in der Kirche in Neustadt-Winzingen zueinander Ja.

Nach der Hochzeit zog Ute nach Westheim – in Alfreds Elternhaus in die Waldstraße. Seine Eltern hatten ein Lebensmittelgeschäft, das sie mit Schwiegermutter Johanna führte. Alfred ließ sich zum Einzelhandelskaufmann ausbilden – und war später „als Reisender“ für die Firmen Ostmann, Dalli und Getränke Lehr unterwegs, verkaufte Gewürze, Waschmittel und Flüssiges an südpfälzische Läden. Hans-Dieter Kästner aus Bellheim, ein Kollege, informierte ihn, dass mit Kohle- sowie Ölofen-Anzündern und Ruß-Entfernern aus England gut Geld zu verdienen sei. Ausprobieren, so Alfreds Devise: Gleich sein erstes Geschäft mit dem Brennstoffhandel Neulußheim war finanziell erfolgreich. Warum sich also nicht selbständig machen? Gesagt, getan. 1967 entstand so in Westheim die Alschu-Chemie GmbH. Alschu? Alfred Schubart eben.

Die Firma als Lebensmittelpunkt

Die Firma wurde zum Lebensmittelpunkt der beiden – und zur Erfolgsgeschichte: Vor allem Grill- und Kamin-Anzünder, Holzkohle sowie Befeuerungsprodukte zählen zum „Favorit“-Sortiment, das Kaufland, Globus, Rewe, Metro und Hornbach vertreiben. Seit Jahren gehört die Firma zu den Marktführern und ist in 31 Ländern weltweit vertreten. Neben dem Werk in Westheim entstanden weitere in Lübz und Parchim sowie eine Niederlassung in Frankreich. Zu den Lebenswerken der Schubarts zählen auch das Hotel Christine und die Gaststätte „Eldeterrassen“ in Lübz sowie das „Milano“ in Westheim.

Der Ehegatte wird Ehrenbürger

Und dann gab es auch noch Alfred Schubarts kommunalpolitische Karriere, die 1969 im Gemeinderat begann. 1974 wurde er Beigeordneter, fünf Jahre später Ortsbürgermeister. In seiner 18-jährigen Amtszeit wurden vier Baugebiete erschlossen und 23 Gemeindewohnungen geschaffen. Neu entstanden sind die Grillhütte, das Jugend- und Vereinsheim, das Bürgerhaus mit Kegelbahnen sowie der Landgasthof. Er rief den Faschingsumzug ins Leben und ging Partner- und Patenschaften mit Eggersdorf und der 13. (heute 2.) Kompanie des Luftwaffenausbildungsbataillons in Germersheim ein.

Im Dezember 1997, als er aus gesundheitlichen Gründen sein Amt aufgab, krönte die Gemeinde seine Verdienste mit dem Ehrenbürger-Titel. Auch das Bundesverdienstkreuz und die Landesehrennadel zeugen von Schubarts Engagement. Er war zudem im Verbandsgemeinderat sowie im Kreisrechtsausschuss tätig – und unterstützt heute noch Vereine. Ganz abschalten kann der Unternehmer nicht: In den Betrieben schaut er immer noch nach dem Rechten.

Kulinarisch an der Weinstraße unterwegs

Auch wenn das Leben arbeitsreich war, wenig Zeit für Privates blieb, erinnern sich die 79- und der 81-Jährige gerne an die gemeinsame Zeit. Gerne waren und sind sie auch heute noch in Hofstätten, wo Schubart das Wochenendhausgebiet erschlossen, maßgeblich geprägt hat. Gerne genießen sie aber auch die freie Zeit mit den beiden Töchtern, den vier Enkeln und den beiden Urenkeln. Um Essen und Trinken zu genießen, ist das Paar oft an der Weinstraße unterwegs. Corona-bedingt fällt das derzeit aus – wie die Feier am heutigen Ehrentag. Die Schubarts bitten Gratulanten, auf Besuche zu verzichten.

x