Kreis Germersheim Drei Jungstörche mit GPS-Sender
Am Mittwochmorgen wurden drei der vier Jungstörche in Rülzheim mit Sendern versehen. Hedwig, Tungdil und Lissy tragen nun einen kleinen GPS-Sender auf dem Rücken, der den Weg ihrer zukünftigen Reise aufzeichnet und einmal pro Tag an die Vogelwarte Radolfzell sendet. Sie sind damit Teil eines großen Wissenschaftsprojekts. Die RHEINPFALZ wird regelmäßig darüber berichten, wohin es die drei Jungstörche verschlägt. Insgesamt werden elf Störche in Rheinland-Pfalz besendert. Fünf davon kommen aus dem Kreis Germersheim.
Die Chancen auf ein Überleben der Jungstörche ist nicht gerade hoch. Nur einer der 26 besenderten Störche aus dem ersten Jahr hat nach Angaben von Christiane Hilsendegen, der Leiterin des Storchenzentrums in Bornheim, überlebt. Neun haben im zweiten Jahr der Aktion überlebt. Nun geht es Hilsendegen zufolge ins 3. Jahr. Häufigste Todesursache ist nach derzeitigem Stand der Wissenschaft ein Stromschlag, den viele Störche durch Oberlandleitungen erleiden. Vorsichtig werden drei der vier Jungstörche von Christian Reis, Aktion Pfalzstorch, aus dem Nest geholt. Fast zärtlich legt er den jungen Weißstörchen ein Tuch über den Körper, damit sie im Dunkeln sind und sich beruhigen. Schließlich kommt nicht jeden Tag Besuch vorbei, nur wenn der Leiterwagen der Rülzheimer Feuerwehr diesen bringt. In einer kleinen Wanne liegen die drei Störche eng gedrängt, während Marianne oben im Nest auf ihre drei Geschwister wartet. Dr. Wolfgang Fiedler von der Vogelwarte Radolfzell übernimmt die Besenderung der Vögel. Mit viel Routine hat er schon die Sender, Kleinteile und Werkzeuge bereitliegen, um die kleinen Geräte den Jungstörchen überzustreifen. Behutsam werden sie einzeln aus der Babywanne genommen und auf den Boden gelegt. Sofort streckt das erste der fast flüggen Tiere den Hals und legt ihn flach auf den Boden ab. Stoisch lässt er das Vermessen des Schnabels und des Schnabelumfangs über sich ergehen. Am Sender sind Teflonbändchen befestigt. Eine Schlaufe wird über Schnabel und Kopf gezogen, zwei weitere Bänder gehen unter den Flügeln hindurch und werden von Fiedler mit einer Pinzette am Korpus des Senders verknotet. Rund 2500 Euro inklusive Nebenkosten ist solch ein Gerät teuer, sagt Hilsendegen. Fiedler erklärt, dass neben den Ortsdaten auch Beschleunigungswerte gespeichert und einmal am Tag gesendet werden. „Wir wissen sogar, ob der Storch im Segelflug ist oder mit den Flügeln schlägt.“ Mit Klebstoff werden die Enden verklebt, damit sie sich nicht öffnen können. Hedwig, Tungdil und Lissy werden jetzt überwacht. Dann werden sie noch gewogen – rund drei Kilogramm haben sie derzeit – und wieder in ihr Nest gelegt. Dort bleiben sie noch wenige Minuten regungslos liegen, wie man im „Storchenfernsehen“ der „Narrenburg“ beobachten kann. Ihre Schwester Marianne beäugt derweil die Sender. Wolfram Blug, Storchenbeauftragter des Vogel- und Naturschutzvereins Rülzheim, rechnet damit, dass die vier Störche in rund zwei Wochen flügge werden und dann die Umgebung ihres Nestes erkunden werden. „Sie kommen aber dann immer noch dorthin zurück“, so Blug. Mitte August werden sie wohl ihren Geburtsort Rülzheim verlassen und auf Reise gehen. Wohin, das wird sich zeigen. Info Die Reise der Störche lässt sich mit der App „Animal Tracker“ verfolgen; bei „google play“ oder im „Apple-App-Store“. Projektinfos beim Max-Planck-Instituts für Ornithologie: www.orn.mpg.de