Kreis Germersheim Die neuen Klassenräume werden kleiner
Noch im Oktober 2015 hatte der Kreistag beschlossen, einen gemeinsamen Schulcampus von Integrierter Gesamtschule (IGS) und Realschule Plus zu prüfen – schließlich liegen die beiden Schulen direkt nebeneinander. Doch diese Pläne sind inzwischen vom Tisch: „Wir wollen beide Schulen eigenständig erhalten“, betont Landrat Fritz Brechtel (CDU) im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Gemäß des Schulentwicklungsplans aus dem Jahr 2015 soll die Realschule plus dreizügig weiterlaufen, die IGS vierzügig. Die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) hatte auf Synergieeffekte gehofft und gefragt, ob die Schulen nicht auch Räume gemeinsam nutzen könnten. Die Antwort laute aber „leider nein“, sagt Baudezernent Michael Gauly. Über drei Jahre, nachdem die Oberstufe der IGS wegen Brandschutzmängeln in Container umziehen musste (wir berichteten), prüft die ADD nun das Raumprogramm für einen Neubau, der den maroden Altbau ersetzen soll. Die IGS war vor mehr als 20 Jahren in den Räumen der ehemaligen Hauptschule Kandel untergebracht worden – damals wurde einfach genutzt, was an Flächen da war. Doch heute gibt es klare Vorschriften: Knapp 5500 Quadratmeter Fläche gesteht das Land einer IGS zu, in Kandel sollen davon knapp 2800 im Neubau unterkommen. In der Summe werden zum Beispiel bei den Klassenzimmern für die zehnten Klassen und die Oberstufe 424 Quadratmeter Fläche abgerissen, aber nur 350 Quadratmeter neu gebaut. Die Vorgaben haben sich verändert, erläutert Marion Leiner, Leiterin des Fachbereichs Liegenschaften bei der Kreisverwaltung. Klassenzimmer werden inzwischen kleiner geplant, weil sich auch die Anzahl der Schüler pro Klasse verringert hat. Räumliche Einschränkungen werden eher an anderer Stelle spürbar: „Die Verwaltung sitzt auf fast doppelt so vielen Quadratmetern, wie ihnen heute laut Raumplan zustehen“, sagt Leiner. So wird das Sekretariat von 52 auf 35 Quadratmeter schrumpfen, das Büro des Stellvertretenden Schulleiters auf 12 Quadratmeter halbiert, die Elternsprechzimmer ebenso. Das Konzept hat der Landrat mit seinen Fachleuten jüngst dem IGS- Schulelternbeirat, Lehrern und Eltern vorgestellt. Die Schule könne jetzt Vorschläge machen, was die Nutzung der Mehrzweckräume angeht, sagt Gauly. So habe sich IGS Wörth zum Beispiel dafür entschieden, statt eines Raumes für Textiles Gestalten einen dritten PC-Raum einzurichten. Außerdem werden auch Lehrer in der Jury vertreten sein, die die Vorschläge des Architektenwettbewerbs prüft, der ab dem zweiten Halbjahr 2016 laufen soll. Frühestmöglicher Termin für die Fertigstellung des Neubaus ist 2020. Noch vor der Sommerpause soll geklärt werden, wie sich die Verbandsgemeinde Kandel am Neubau beteiligt. Aus Mainz erwartet der Landrat außerdem eine konkrete Aussage darüber, was in welcher Höhe gefördert wird. Dann soll der Kreistag noch vor der Sommerpause einen Grundsatzbeschluss fassen. Mit Spannung wartet die Verwaltung darauf, ob die IGS bei der Montagsstiftung punkten konnte. Denn die IGS Kandel ist schon lange eine Schwerpunktschule, an der auch Kinder mit Förderbedarf unterrichtet werden. Solche Schulen benötigen entsprechende Räume – zum Beispiel, um Rollstuhlfahrer umzuziehen und zu waschen oder für Unterricht in kleinen Gruppen. Aber es gibt nur eine Standardvorgabe für das Raumprogramm an einer IGS, sagt Leiner. Die Bedürfnisse einer Schwerpunktschule sind da nicht vorgesehen. Die Montagsstiftung finanziert jedoch ausgewählten Schulen Planungsleistungen in Höhe von 100.000 Euro, damit das Thema Inklusion beim Neubau optimal umgesetzt werden kann. Doch was passiert, wenn die IGS dann extra Räume einplant? „Dann gibt es eine Debatte mit der Landesregierung, was genehmigt wird“, kündigte Brechtel an.