Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Des Königs Besuch war die Sternstunde

Das vormalige Gebäude des Gasthofs zu den „Drei Königen“ in der Marktstraße (am rechten Bildrand). Als dieses Fotos um 1900 aufg
Das vormalige Gebäude des Gasthofs zu den »Drei Königen« in der Marktstraße (am rechten Bildrand). Als dieses Fotos um 1900 aufgenommen wurde, betrieb Ludwig Hoock darin eine Sattlerei (Motiv einer historischen Ansichtskarte).

Wo heute ein Textilgeschäft beheimatet ist, wurden einst Postpferde gewechselt und Gäste aufgenommen: Bis Ende der 1830er-Jahre war der Gasthof zu den „Drei Königen“ eine beliebte Adresse in Germersheim. Offiziere, Beamte und einfache Bürger gingen dort ein und aus. Sogar der Regent ließ sich im 19. Jahrhundert dort nieder.

Der bayerische König Max I. weilte im Jahr 1816 dort und fast hätte man auch seinen Sohn und Thronfolger Ludwig I., als dieser einige Jahre später die Pfalz bereiste, in den gleichen Räumen empfangen. Doch meistens waren die Gäste bürgerlicher Herkunft und genossen die Gastfreundschaft des Wirtshauses zu den „Drei Königen“ in der Germersheimer Marktstraße, das in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts zu den besseren Häusern in der damaligen Kleinstadt gehörte.

Schon für das Jahr 1768 lässt sich die Existenz des Gasthofs zu den „Drei Königen“ belegen: Damals betrieb Michael Schlindwein, im Hauptberuf Wirt, im Nebenberuf Posthalter und ehrenamtlicher Germersheimer Bürgermeister, das Wirtshaus. Ihm folgte Ende des 18. Jahrhunderts seine Tochter Apollonia, die gemeinsam mit ihrem Mann Andreas Gärtner die „Drei Könige“ bewirtschaftete. Doch schon nach drei Jahren stand die Ehe vor dem Aus: Das Ehepaar wurde im August 1801 geschieden – übrigens die erste Ehe, die der Germersheimer Standesbeamte Vollmer nach dem unter Napoleon geschaffenen französischem Recht auflöste. Während sich die Spur des vormaligen Posthalters schon bald darauf verlor, wurde die damals erst 27 Jahre alte Apollonia als „Witwe Gärtner“ am Ort ein Begriff.

Die beste Adresse in der Stadt

Am 22. Juni 1816 schlug für sie eine wahre „Sternstunde“: Der bayerische König Max I. Joseph bereiste in jenen Tagen erstmals die seinem Königreich auf dem Wiener Kongress zugesprochene Pfalz und geruhte samt Gefolge im Gasthof „Zu den drei Königen“ in der Marktstraße – offenbar dem besten, den die Stadt damals zu bieten hatte.

In der Regel waren es aber Offiziere, Beamte und bürgerliche Gäste, die den Gasthof frequentierten. Ferdinand von Malaisé, Sohn eines Germersheimer Zolleinnehmers, zeichnete in späteren Jahren in seinen „Lebenserinnerungen“ noch ein anschauliches Stimmungsbild jener Zeit, als er die abendlichen Zusammenkünfte der örtlichen Honoratioren in der Gaststube schilderte. Da es an Zerstreuungen in der kaum 2000 Einwohner zählenden Kleinstadt Germersheim fehlte, so begaben sich der verwitwete Vater Malaisé und sein Sohn während des Winters 1821/22 regelmäßig in die Wirtschaft der Witwe Gärtner. Dort erlebte man auch den Fasching bei einer Reihe von Hausbällen. „Zu Vaters Erheiterung und auch zu der meinen besuchte der Vater mit mir an langen Winterabenden das Gasthaus von Frau Gärtner. Sehr gutes, höchst anständiges, wenn auch etwas theures Haus. Bier gab es nicht. Es kamen nur einige Beamte, unter diesen der Gemeinde-Schreiber Herr Seikel, der auch Rechnungs-Revisor von Frau Gärtner war, die jüngeren Offiziere, besonders jene der Festungsbau-Commission und einige wenige der Infanterie, und an Damen nur die Frau Gastgeberin und eine Nichte derselben, ein junges, schönes, lustiges Fräulein, das auf Besuch war. Die alten Herrn discurirten, die jungen, unter Leitung von Louis etc., alle ledig inclusive mir, vergnügten sich mit Gesellschaftsspielen und jeux d’esprit“, schrieb der Sohn.

„Madame Gärtner“ setzt sich mit 56 zur Ruhe

Apollonia Gärtner führte den Gasthof bis zu Beginn der 1830er-Jahre. Als die Stadt in dieser Zeit ein Gebäude zur Unterbringung ihrer Dienststellen suchte, trug man sich mit dem Gedanken, das Angebot der „Madame Gärtner“ anzunehmen, die sich mit nunmehr 56 Jahren zurückziehen und den Gasthof für 6000 Gulden verkaufen wollte. Der Erwerb des Hauses kam zwar nicht zustande, doch kaufte der Germersheimer Kaufmann Joseph Hess den vormaligen Gasthof und vermietete die Räume an die Stadt, die darin das Friedensgericht unterbrachte, nachdem das Gebäude des heutigen Gesundheitsamtes samt den vormaligen Amtsräumen des Gerichts in Zeiten des beginnenden Festungsbaus an das bayerische Militär verkauft worden war, das dort das „Direktionsgebäude“ einrichtete.

Diesen neuen Abschnitt in der Geschichte des Hauses dürfte Apollonia Gärtner noch miterlebt haben, denn sie starb 1838 mit 64 Jahren, nachdem sie ihre letzten Lebensjahre in der Familie ihres Verwandten Franz Lombardino verbracht hatte. In den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts wurde das Gebäude, in dem sich einst der Gasthof zu den „Drei Königen“ befunden hatte, als Geschäftshaus genutzt, unter anderem betrieb Ludwig Hoock um 1900 dort eine Sattlerei. Heute befindet sich darin ein Textilgeschäft und nichts erinnert mehr an die vergangenen Zeiten als Gasthof, in dem Postpferde gewechselt und Reisende aufgenommen wurden.

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