Kreis Germersheim Der Postbus fährt am „goldenen Sonntag“

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«Kandel». „Frohe Weihnacht durch ein preiswertes Geschenk aus Kandel.“ Dieser Satz stand 1949 und 1950 auf einem Prospekt mit dem Kandeler Geschäftsleute, in einer Zeit in der es in Kandel noch keinen Weihnachts- oder Christkindelmarkt gab, gemeinsam ihre Waren anpriesen.

Im Jahr 1949, also gerade ein Jahr nach der Währungsreform, beteiligten sich 16 Geschäftsleute an der gemeinsamen Werbeaktion. Ein Jahr später waren es bereits 26, die mitmachten und ihren Kunden verkündeten, dass die „mannigfaltige Geschäftswelt der Bienwaldstadt“ gerade zu Weihnachten ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis stellt. „Ob Stoffe, Schuhe, Wirtschaftsartikel, Uhren, Schmuck, Spielwaren, Bücher, Süßwaren, Delikatessen usw. Sie werden finden was Sie suchen! Bei großer Auswahl gut und preiswert“, so die teilnehmenden Firmen. Auf dem Werbeblatt waren tatsächlich fast alle Geschäfte zu finden die es damals in Kandel gab. Da waren die Großen wie das fast 50 Jahre alte Textilhaus Wollenschläger, das „Textilgeschäft ihres Vertrauens“ Albert Bretschi, das Schuhhaus Grahn, die Firma Baron, die Weihnachtsgeschenke für Groß und Klein anbot, die Drogerie Häuser, das Geschenkhaus Stoll und der Lebensmitteleinzelhandel Fuhr, dessen Inhaber Michael Fuhr damals sogar Kandels Bürgermeister war. Da waren aber auch die Geschäfte der mittleren Klasse“ zu finden wie etwa das Farben- und Kolonialwarengeschäft Fritz Oßwald oder der Friseur Heinrich Eberle. Dazu kamen kleinere Geschäfte. Für die vielen Kunden, die damals in Kandel zum Einkaufen kamen, fuhren der Bahnbus und der Postbus sogar an den verkaufsoffenen „Silbernen und goldenen Sonntagen“ der Adventszeit ihre üblichen Routen. Viele Hatzenbühler kamen damals, gekleidet in ihren „Überfeldkleidern“ nach Kandel. Es waren dies die Kleider, die man anzog, wenn man „übers Feld“ in Richtung Kandel musste – und das muste man damals oft. Auffallend ist, dass von den 26 Geschäften des Jahres 1950 heute nur noch fünf bestehe. Es sind dies das Schuhhaus Grahn, das Geschenkhaus Stoll, die Firma Feile, damals Radio Kaysers, Elektro Schöttinger und das Autohaus Bohlender. Alle anderen sind verschwunden und viele davon sind auch vergessen. Man erinnert sich vielleicht noch an das Spezialgeschäft für Wolle, Wäsche, Handarbeit von Hanna Blitt oder an das Hutgeschäft Keilhauer wegen den Eigenheiten ihrer Besitzer. Aber wer kennt noch die Dampfwäscherei Detzel, das Textilwarengeschäft von Hans Saile oder das Spezialgeschäft für Obst und Südfrüchte von Hans Wasko?

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