Kreis Germersheim
Der Maschinenring Südpfalz unterstützt seit 50 Jahren Landwirte in der Region
Den Namen wählte man damals schon in weiser Voraussicht. Waren schon bei der Gründung Landwirte aus dem Landauer Raum dabei, so wollte man den Verein auch offen halten für Mitglieder aus dem früheren Landkreis Bad Bergzabern. Heute hat der „Maschinen- und Betriebshilfering Südpfalz“ (MBR) immerhin noch fast 1500 Mitglieder – trotz des Strukturwandels in der Landwirtschaft.
Auch neue Betriebe treten immer noch bei, wie zu hören ist, und es überwiegt die Zahl der Weinbaubetriebe. Aber „Maschinen“, wie man bei der Ableitung des Namens vermuten könnte, besitzt man nach wie vor nicht. Man bringt nur Betriebe, die etwas brauchen, mit solchen, die die hierfür benötigten Geräte haben, zusammen, als ehrlicher Makler sozusagen und gegen eine Gebühr.
Erste Büros im Keller des Geschäftsführers
Hatte der Maschinenring seine erste Geschäftsstelle noch in Räumen des Landratsamtes in Germersheim, so liefen die Fäden schon bald in Freckenfeld zusammen. Denn schon bald entwickelte sich der Verein so positiv, dass man nicht ohne hauptberuflichen Geschäftsführer auskommen konnte. Nach der Gründung hatte zunächst der Gartenbauamtmann Herbert Michel aus Kandel die Geschäftsstelle betreut. Mit dem Freckenfelder Erwin Mayer gewann man dann einen Manager, der im Keller seines Wohnhauses in Freckenfeld Büro-Räume zur Verfügung stellte.
Zurück ins Jahr 1970: Nach Bellheim hatte man eingeladen, zu einer ersten Versammlung, bei der man „67 fortschrittliche Landwirte“ begrüßen konnte. Der damalige Germersheimer Landrat Walter Hoffmann stand als Pate bereit. Schließlich leistete man Pionierarbeit. Es war erst der vierte Maschinenring in Rheinland-Pfalz, der in Bellheim aus der Taufe gehoben wurde. Ehe es zur Gründung kam, mussten aber auch Bedenken zerstreut werden. So etwas wie eine „Kolchose“ oder gar eine „LPG“ (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften waren in der DDR zwangsweise zusammengeführte Einheiten) wollte man natürlich nicht. Ganz im Gegenteil, die Landwirte pochten auf Unabhängigkeit und Freiwilligkeit. Die wurden garantiert, jeder konnte, keiner musste Mitglied werden.
Erstes Vorstandsteam befördert den Aufschwung
Die Einsicht hatte gesiegt, denn schon damals zeigte sich, dass die Landwirte und später auch die Winzer enger zusammenrücken mussten. Nicht nur wegen der teuren Vollernter für die Zuckerrüben oder die modernen Mähdrescher. Ein Aufschwung setzte ein, der vom ersten Vorstandsteam mit Fritz Steegmüller aus Offenbach als Vorsitzendem und seinem Stellvertreter Felix Liedtke aus Minfeld befördert wurde.
Nicht nur in den Betrieben selbst, auch im Büro des Maschinenringes sah es vor 50 Jahren noch anders aus. Kommuniziert wurde persönlich, denn nur drei Prozent der Mitglieder hatten damals ein Telefon, Computer gab es noch nicht und das Faxgerät ließ noch auf sich warten. So musste man hinausfahren, wollte man Dinge besprechen und Anliegen klären. Heute wäre das unvorstellbar, obwohl nach wie vor der persönliche Kontakt durch die zwischenzeitlich immerhin 16 Mitarbeiter der Geschäftsstelle gepflegt wird. Schon bei der 20-Jahr-Feier 1990 wurde der MBR als „führende Selbsthilfeorganisation im Bereich der Landwirtschaft“ gefeiert.
Kommunikation hat sich „geradezu revolutioniert“
Bald erwiesen sich die Räume im Haus von Erwin Mayer als zu klein, man bezog andere Büros, blieb aber in Freckenfeld. Nach längerer Diskussion fiel auch die Entscheidung für eine Geschäftsstelle im Neubau der VR Bank. Hier entstanden großzügige Büros, die man im Jahre 2000 beziehen konnte. Zwischenzeitlich, so sagt der derzeitige Geschäftsführer Markus Glaser, hatten sich die „Kommunikationswege zwischen Geschäftsstelle und Mitgliedsbetrieben geradezu revolutioniert“. Kein moderner Landwirt komme heute ohne Smartphone oder Tablet aus, Computer stehen in den Büros und erleichtern die Verwaltungsarbeit.
Als Erwin Mayer 2001 in Rente ging hinterließ er ein gut bestelltes Haus mit erfahrenen Mitarbeitern. Dazu gehören nicht nur Markus Glaser, der seit 35 Jahren dabei ist, auch Margit Pfalzgraf ist zu nennen. Sie steht mit Rat und Tat den Mitgliedsbetrieben bei, die auf personelle Unterstützung angewiesen sind. Die Vermittlung von Hauswirtschafts- und Betriebshelfern ist nach wie vor ein weites Arbeitsfeld für den Maschinenring. Man vermittelt auch in Privathaushalte, berichtet Pfalzgraf.
Personelle Kontinuität tut der Entwicklung gut
An der Spitze des Vereins standen seit der Gründung nur vier Vorsitzende: Fritz Steegmüller, Friedrich Kost, Karl-Ludwig Scherr und Frank Bohlender, der seit 2015 im Amt ist. Diese personelle Kontinuität tue der Entwicklung gut, ist zu hören, und das „Netzwerk im ländlichen Raum“ kann bestens gedeihen. Natürlich sei man Veränderungen unterworfen, auch was die unternehmerischen Aktivitäten angeht. Vor 50 Jahren habe niemand an Landschaftspflegearbeiten oder an den Vertrieb von Photovoltaikanlagen gedacht, so Glaser im Gespräch mit der „Rheinpfalz“.
Heute gehören 1479 Betriebe aus der ganzen Südpfalz dem Ring an: Landwirte, Winzer, Gartenbau-, Forstbetriebe und weitere Genossenschaften, auch Weiterverarbeiter landwirtschaftlicher Produkte, Kommunen, Banken und Landmaschinenhändler. Mit der Tochtergesellschaft „Agrar-Umwelt-Technik GmbH“ hat man vor Jahren eine Firma gegründet, die vielfältige Dienstleistungen anbietet. Immer wieder führt diese Arbeiten aus, für die man Spezialisten braucht, auch für den gewerblichen und kommunalen Bereich.
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