Kreis Germersheim Boom-Kreis sucht neue Flächen fürs Gewerbe

Die starke wirtschaftliche Entwicklung des Kreises Germersheim fordert ihren Tribut: Industrie- und Gewerbeflächen sind Mangelware. Rechnet man mit einer jährlichen Steigerung der Wirtschaftskraft um 1,5 Prozent, werden bis zum Jahr 2030 rund 100 Hektar Fläche gebraucht. Diese Zahl präsentierte ein Gutachten, das gestern im Kreisausschuss vorgetragen wurde.
Der Landkreis Germersheim hat rund 1180 Hektar Industrie- und Gewerbefläche. Die liegt zu je einem Drittel in Germersheim und Wörth. Das letzte Drittel verteilt sich auf die Verbandsgemeinden im Kreis. Marco Gaffrey von Georg Consulting Regionalökonomie (Hamburg) stellte der Kommunalpolitik den aktuellen Stand und die Möglichkeiten einer zukünftigen Entwicklung der Industrie- und Gewerbeflächen vor. Die genannten 1180 Hektar sind demnach auf 21 Standorte im Kreis verteilt. Die wiederum setzen sich aus 41 Standorten mit mehr als 5 Hektar und 46 kleineren Standorten zusammen. Mit der Erfassung des Ist-Standes und vor allem der Prognose für die Zukunft wolle man der Regionalplanung Rhein-Neckar zuarbeiten, so Landrat Fritz Brechtel (CDU). Die Regionalplanung entscheide letztlich, wo zusätzliche Gewerbeflächen ausgewiesen werden können. „Das ist eine Zusammenschau auf Kreisebene, keine Einmischung in das Selbstverwaltungsrecht der Kommunen“, betonte der Landrat. Weil die möglichen Flächen aber immer weniger werden, müssten Kommunen bei der zukünftigen Entwicklung zusammenarbeiten. Dafür wolle der Kreis mit dem Gutachten eine Grundlage schaffen. Stand jetzt seien im Kreis noch etwa 70 Hektar freie Fläche verfügbar, sagte Gaffrey. Allerdings sei die Hälfte davon planungsrechtlich höchstens langfristig (5 Jahre und mehr) verfügbar. Von den kurz- und mittelfristig (maximal 5 Jahre) verfügbaren Flächen seien knapp 19 Hektar in kommunaler Hand. Man habe also direkt Zugriff darauf. Als Empfehlung für eine Stärkung des Wirtschaftsstandortes empfiehlt Georg Consulting neben dem Ausbau der Verkehrsinfrastruktur (zweite Rheinbrücke!) vor allem eine Diversifizierung der Branchen, um weniger von Mercedes-Benz und Automobilzulieferern abhängig zu sein. Als Beleg für diese Empfehlung nannte Gaffrey die Bruttowertschöpfung im Landkreis, die zu 60 Prozent von der (autodominierten) Industrie getragen werden. Bundesweit liege dieser Wert bei 30 Prozent. Wichtig sei zudem den Kreis als Wissensstandort zu positionieren.