Kreis Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Bildung und Digitalisierung: Kernanliegen einer jungen Grünen

Sarah Bolz macht gerade am Goethe-Gymnasium Abitur und als Direktkandidatin Wahlkampf für die Grünen.
Sarah Bolz macht gerade am Goethe-Gymnasium Abitur und als Direktkandidatin Wahlkampf für die Grünen.

Sarah Bolz ist, obwohl erst 19 Jahre alt, schon länger politisch aktiv. Ihre Heimat sind die Grünen. Und für diese tritt sie im Wahlkreis 51 als Direktkandidatin an.

Sarah Bolz kommt aus einer politischen Familie. Als sie in Germersheim wohnten, waren sowohl ihre Mutter als auch ihr älterer Bruder Mitglieder des Stadtrats – für die SPD. „Über meinen Bruder wusste ich, dass es Jugendorganisationen der Parteien gibt“, sagt Sarah Bolz. Und weil es „in Germersheim keine Jugendorganisation der Grünen gab, trat ich mit 14 Jahren der Grünen Jugend in Speyer bei“. Der Anfang einer politischen Karriere, die einen sehr schnellen Aufstieg beinhaltete – auch wenn „ich das gar nicht geplant hatte“. Sarah Bolz ist Sprecherin der Grünen Jugend in Speyer. Wegen des Austritts vieler im Landesvorstand der Grünen Jugend ist sie seit Oktober 2024 auch politische Geschäftsführerin der Organisation für ganz Rheinland-Pfalz. Und da hieß es zehn Tage nach Amtsübernahme und dem Aus der Ampel in Berlin – Wahlkampf machen.

So wie jetzt auch. Und das ist nicht so einfach, denn Schule und das bisherige Hobby Politik müssen unter einen Hut gebracht werden. Trotz des Abiturs am Goethe-Gymnasium in Germersheim engagiert sich die junge Politikerin für ihre Partei und gibt etwas nachdenklich zu: „Das Abi kommt sicherlich etwas zu kurz.“ Dennoch „gehe ich nach Mainz“, ist Bolz überzeugt. Denn wenn es mit der Wahl in den Landtag nicht klappen sollte, „habe ich vor, dort Jura zu studieren“, sagt die 19-Jährige und lacht dabei. Das habe sie schon immer machen wollen. Die Möglichkeiten mit einem Jura-Abschluss seien sehr gut – „Nichtregierungsorganisationen (NGOs), Staatsanwältin, Richterin – das ist alles interessant“, hat sie ihre Zukunft fest im Blick und nennt weitere Möglichkeiten nach einem Abschluss.

Fest im Blick hat sie auch ihre politischen Ziele: So ist die Bildung bei ihr Thema Nummer eins. „Das Thema kenne ich als Abiturientin gut“, sagt sie und nickt dabei. Wichtig ist der Schülerin, dass „ein gesundes Mittagessen für alle Klassenstufen in den Schulen angeboten wird“. Oftmals gehe man – gerade in der Oberstufe – sich schnell etwas im Backshop holen oder eine Pizza oder einen Döner. Das gehe schnell ins Geld und sei nicht unbedingt gesund. Probleme mit der Digitalisierung nennt sie einen weiteren Punkt auf der Themenliste. Es gebe kein Glasfaser – „oftmals wird noch auf Overheadprojektoren zurückgegriffen“, erzählt sie und schüttelt den Kopf. Sehr spät komme man – wenn überhaupt – mit Informatik in Berührung. Das sei erst in der 9. Klassenstufe möglich. Angesichts des Themas „Künstliche Intelligenz (KI)“ sei das viel zu spät. Wichtig sei es auch, Schülern sehr früh den Nutzen der KI beizubringen, deren Grenzen zu benennen und den Umgang damit zu schulen.

Als im Jahr 2006 in Germersheim Geborene gehört sie als „Digital Native“ der Generation Z (1995 bis 2010 Geborene) an, die mit Internet und digitalen Technologien aufgewachsen ist. Dennoch findet sie, dass es für soziale Netzwerke wie „TikTok oder Instagram eine Altersbeschränkung“ wie in Australien geben sollte. Als Grenze nennt sie 15 oder 16 Jahre und begründet dies damit, dass Kinder und Jugendliche gar nicht bemerken, „was diese sozialen Netzwerke mit ihnen machen“. Das Internet sollte aufgrund des darin enthaltenen Wissens nicht beschränkt sein.

Eine klare Meinung hat die 19-Jährige auch zum Thema Wehrpflicht: „Wir leben in einer außergewöhnlichen Situation.“ Vor zehn Jahren wäre sie auch gegen eine Wehrpflicht gewesen. Doch nun erfordere die Bedrohungslage durch Russland, ein vielleicht möglicher Angriff auf das Baltikum, der Krieg durch Russland in der Ukraine, dies. Doch ist sie „kein Fan vom Losverfahren“, da für Betroffene ihre „Zukunft nicht planbar ist“. In der jetzigen Situation wäre es gerechtfertigt, dass alle 18-jährigen Frauen und Männer zur Musterung gingen. Das Thema ÖPNV im ländlichen Raum sieht sie ebenso als wichtig an. Wünschenswert wäre ein Deutschlandticket für alle und dass kleinere Dörfer besser angebunden sind. „Ich musste zum Termin auch mit dem Auto kommen, weil kein Bus gefahren ist“, sagt die Weingartenerin. Am späteren Nachmittag geht es weiter mit dem Wahlkampf – mit Plakatekleben und -aufstellen. Haustürgespräche und Telefonsprechstunden sollen folgen.

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