Kreis Germersheim BI: Alte Argumente der Geothermie-Lobby

Die Argumente des Geschäftsführers der Firma Deutsche Erdwärme, Lutz Stahl, zum geplanten Geothermiekraftwerk im Wald zwischen Bellheim, Westheim und Lustadt seien nicht neu. Die Geothermie-Lobbyisten würden sie gebetsmühlenhaft wiederholen. Zudem widerspreche sich Stahl, schreibt Thomas Hauptmann, 2. Vorsitzender der Bürgerinitiative (BI) Geothermie Landau-Südpfalz zum gestrigen Bericht „Pflichtenheft für Geothermiekraftwerk“.
Es sei in der Branche inzwischen guter Brauch sich gegenseitig handwerkliche Mängel bei der Umsetzung von Projekten der Tiefengeothermie vorzuwerfen. Das ändert laut Hauptmann aber nichts daran, dass jedes Projekt ein Einzelfall mit mehreren projektspezifischen Problemen sei und die Gesetze der Physik nicht neu erfunden werden können. „Ein Geothermie-Projekt im elsässischen Rittershofen als Referenz anzubieten ist unter diesem Aspekt unsinnig.“ Stahl spreche von einer geringeren Bohrtiefe, ohne die Untergrundverhältnisse zu kennen. Dabei sinke der miserable Wirkungsgrad von circa sieben Prozent ins Bodenlose, weil die Temperatur des Tiefenwassers bei geringerer Bohrtiefe deutlich abnehme. Auch das Thema „Fracking“ klammert Stahl sorgfältig aus. Fatal sei, dass Klarheit nur durch Versuchsbohrungen gewonnen werden könne. „Die Bagatellisierungen der Ereignisse in Landau und Insheim, beides Betriebe, die der Störfallverordnung unterliegen, entlarven Stahl als Schönredner“, so Hauptmann. Nicht zuletzt gravierende Mängel bei der Betriebsführung, die keine Qualifikation nachweisen müsse, hätten beide Orte mehrmals unkalkulierbaren Gefahren ausgesetzt. Der derzeitige Besitzer des Geothermie – Kraftwerks in Landau, in letzter Konsequenz ist das die Daldrup & Söhne AG, wirft den ehemaligen Betreibern vor Gericht vor, vermutlich Sicherheitseinrichtungen manipuliert oder außer Betrieb genommen zu haben, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. Mit der Datenerfassung beauftragte Mitarbeiter hätten bei Gericht nicht einmal die Anzahl der in der Anlage vorhandenen Sensoren benennen können. Vor dem Hintergrund relativiere sich die quasi als Feigenblatt angebotene Überwachungsmesstechnik. Bei einer Betriebssicherheitsüberprüfung des Kraftwerks in Landau durch die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd, habe der Betreiber wichtige Unterlagen nicht vorgelegt und habe nacharbeiten müssen. Geradezu zynisch ist laut Hauptmann Stahls Angebot an Bürger zu den Informationsveranstaltungen der Deutschen Erdwärme eigene Experten mitzubringen. Denn es gebe keine unabhängigen Sachverständigen zum Thema „Tiefe Geothermie“. „Alle Fachleute sind mit der Geothermie-Lobby verknüpft, sei es durch Forschungsaufträge oder Posten in den Aufsichtsräten solcher Firmen.“ Interessant sei auch Stahls Aussage zur Bürgerbeteiligung. Viel zu lange hätten Unternehmen quasi im Verborgenen Fakten geschaffen und wurden laut Hauptmann „leider allzu oft durch den politischen Willen unterstützt“. Dabei sei aus Kreisen der alten Landesregierung im vergangenen Jahr verlautet, dass die Tiefe Geothermie in Rheinland-Pfalz „durch“ sei und keine Rolle bei der Energiewende mehr spielen wird. Hier stellt sich Hauptmann die Frage, was die Geldgeber hinter der Deutschen Erdwärme wirklich bezwecken. |rhp