Kreis Germersheim Beim Kickern wird der Kopf wieder frei
«Germersheim.» Mittagspause in der Sparkasse Germersheim-Kandel. Die RHEINPFALZ ist mit Michelle Köhler aus Rülzheim und Julien Frey aus Zeiskam verabredet. Im Pausenraum sitzen derweil schon Kollegen beim Essen. Die Mitarbeiter haben gleitende Arbeitszeit, können ihre Mittagspause zeitlich flexibel terminieren und ausdehnen.
„Halbe Stunde muss sein“ sagt Michelle Köhler aus Rülzheim. Am Tag des RHEINPFALZ-Besuchs ist sie zur Pause in der Sparkasse geblieben. Sonst genießt sie oft die mütterliche Kochkunst. „Meine Mama wohnt in Germersheim, da habe ich echt Glück“, sagt die Kundenberaterin. Der Pressebesuch war an einem Dienstag und der ist seit langem zum „Pizzatag“ auserkoren. Doch noch ist der Kollege mit dem Stapel Pizzen nicht da, es bleibt Zeit – um über das zu reden, wer oder was neben dem Essen in der Mittagspause noch eine große Rolle spielt: Der Tischfußball, auch Kicker genannt. „Die meisten freuen sich schon drauf, essen möglichst schnell und dann geht’s an den Kickerkasten“, sagt Julien Frey. Er hatte sich heute Spargel und Kartoffeln von zuhause mitgebracht und schon verzehrt. Michelle Köhler wartet noch auf ihre Pizza. „Alle kickern“, sagt die Kundenberaterin, „manche mehr, manche weniger“. Die beiden ehemaligen Sparkassen-Azubis schätzen diese „außerdienstliche Möglichkeit“, mit allen Kollegen – ungeachtet von Hierarchien und Arbeitsebenen – in Kontakt zu kommen. „Wer kommt, ist da und spielt mit“, lautet die Regel und es vergeht wohl kein Tag, an dem nicht gekickert wird. „Man bekommt den Kopf frei, hat tierischen Spaß dabei und Kontakt zu den Kollegen“, erklärt Julien Frey, warum er den Kicker nicht mehr missen möchte. Johannes Maiß, Leiter des Filialbereichs Germersheim, hat seinen Teller bereits weggeräumt und sich in den Nebenraum begeben. Die Geräusche aus dieser Richtung werden zunehmend lauter. Zeit, nachzusehen, was da ab geht. Derweil kann Michelle Köhler ihre inzwischen gelieferte Pizza essen. Am Kicker ist ein Dreierteam bereits aktiv, zwei gegen einen … aber der eine „wehrt sich mit Händ und Füß“, sagt Johannes Maiß ebenso anerkennend wie schwitzend. Aktuell fällt der Ausgleich, 4:4. Julien Frey hat schon sein Sakko abgelegt und steht bereit: „Julien, vorne oder hinten?“ Die Frage ist schnell geklärt. Die aktuelle Begegnung lautet Rot gegen Blau, Julien Frey und Oliver Bisson gegen Johannes Maiß und Michael Störrmann. Ergebnis 5:1. Reihenweise fallen die Tore … oh, wenn doch die Torausbeute des 1. FCK ebenso groß gewesen wäre – viele Pfälzer wären heute glücklicher. Mahlzeit! Gegen 13.20 Uhr füllt sich der kleine Kicker-Raum, einige Kollegen – darunter Alexander Blitz und Nils Wadlinger – verstärken nun gut Pizza-gesättigt die Kicker-Runde. Jeweils vier Personen spielen, danach „fliegender Wechsel“ und aus den Spielern werden Zuschauer. Das funktioniert ohne große Absprachen und ohne Worte. Das Spieler-Outfit ist eher ungewöhnlich. Anzug, Krawatte, feines Lederschuhwerk und die Dame trägt hohe Keil-Sandaletten. Alles ist möglich im sportlichen Mittagspausen-Wettbewerb. „Wow, voll durchgekurbelt!“ – das gilt Michelle Köhler, „Frauen dürfen das schon mal“, wird weiter kommentiert. Hausmeister und „Platzwart ehrenhalber“ Martin Ehnes ist inzwischen dazugekommen, spielt ein Spiel mit und geht dann wieder seiner Arbeit nach. Das Tischfußballspiel stand zur Fußball-Europameisterschaft 2016 in der Schalterhalle. Eine Marketingaktion, mit der insbesondere jugendliche Sparkassenkunden angesprochen werden sollten. „Dann, Schlag zwölf, standen die Mitarbeiter um den Kicker in der Schalterhalle“, erinnert sich Julien Frey – das Sparkassenteam war vom Fußballfieber erfasst. Nach der EM erfüllte Manfred Gehrlein, damaliger Sparkassenvorstand, den sehnlichsten Wunsch der Mitarbeiter: Der Kicker durfte bleiben, wanderte eine Etage höher, hat nun einen Dauerplatz im Pausenbereich erhalten – und wird rege genutzt. Inzwischen wurden schon mehrere Turniere gespielt, jeweils Mixed-Mannschaften. Michelle Köhler und Julien Frey sind eines der Siegerteams. Vermutlich wird auch zur WM wieder ein Sparkassenturnier gespielt, Freies Training ist jeweils in der Mittagspause.