Kreis Germersheim „Auto zu stressig, Bahn macht müde“

Ralf Stöhr radelt einfach rund 30 Kilometer zu seiner Arbeitsstelle. Ein Raser ist er nicht. Und wenn er dann mal Auto fährt, er
Ralf Stöhr radelt einfach rund 30 Kilometer zu seiner Arbeitsstelle. Ein Raser ist er nicht. Und wenn er dann mal Auto fährt, ertappt er sich hin und wieder dabei, dass er mit Tempo 70 auf der Autobahn unterwegs ist.

Seit 1995 fährt der Buchalter Ralf Stöhr mit dem Fahrrad zur Arbeit. Das wäre soweit gut und noch wenig spektakulär. Doch der Familienvater lebt in Kandel und seine Arbeitsstelle ist in Ettlingen. Das sind je nach Streckenwahl rund 30 Kilometer hin und dasselbe wieder zurück. Einen besonderen Impuls hat er nicht, für ihn ist es schlicht normal. Denn schon zu seiner Lehrzeit radelte er die Strecke Friedelsheim bei Bad Dürkheim nach Ludwigshafen. Mit der Strecke ist er zufrieden, im „grünen Karlsruhe ist man ja beinahe ganz vom Verkehr weg.“ Wenig Freude bereitet ihm allerdings Wörth: „Dort muss man auf die Straße, weil die Radwegführung für Pendler mit den tausend Kurven und dem rauf und runter sehr ungünstig ist.“ Ein Raser ist Stöhr nicht. So fährt er durch Karlsruhe in der Regel den längeren Weg an der Alb entlang. Und wenn er mal Auto fährt, dann ertappt er sich schon einmal mit Tempo 70 auf der Autobahn. „Und trotzdem komme ich mir dann wahnsinnig schnell vor“, sagt er lachend. Stöhr ist kein Dogmatiker, er muss und will nicht überzeugen. „Die Freunde sagen, dass das Fahrrad und ich einfach zusammen gehören“, erklärt der gelernte Tischler seinen Ruf. Dennoch hätte im Lauf der Jahre kaum jemand nachgezogen“, ergänzt Ehefrau Michaela: „Wir haben nur einen Freund, der über die Rheinbrücke zur Arbeit radelt. Dabei haben wir einen sehr großen Bekannten- und Freundeskreis.“ Ralf Stöhr fährt seit langer Zeit das ganze Jahr durch und lässt sich nur durch extremes Wetter wie Glatteis ausbremsen. Dann steigt er in den Zug, was den üblichen Arbeitsweg von anderthalb auf eine Stunde verkürzt. Genießen kann er den Komfort jedoch nicht: „Das wichtigste ist für mich, dass ich gut wach bei der Arbeit ankomme und auf der Rückfahrt abschalten kann. Man ist dann ganz für sich. Wenn ich aber mit der Bahn fahre, dann werde ich müde und schlafe sogar manchmal ein. Und mit dem Auto wäre ich nur gestresst.“ Trotz dieser persönlichen Motive mag er nicht leugnen, dass ihn das Passieren des Staus auf der Rheinbrücke noch immer ansporne. Und oft käme ihm dabei auch noch der alte Radler-Klassiker der Band „Der Wahre Helmut“ in den Sinn: „Ich bin mobil - ohne Auto. Ich fahr mit meinem Rad./ Ich bin mobil ohne Auto, ich flitze durch die Stadt./ Und ich bin tausend Mal schneller als jeder BMW./Das kost` mich keinen Heller, ich sag dem Autostau ade!“. Dass so viele Kilometer auf dem Rad nicht immer reibungslos abgestrampelt werden können, verwundert nicht. Drei Unfälle hat Stöhr in all den Jahren gehabt. Über einen kann er heute noch schmunzeln. Er übersah eine sich schließende Bahnschranke und traf sie daraufhin frontal: „Ich bin in der Situation extra schnell gefahren, weil ein Auto hinter mir war. Und plötzlich war die Schranke da!“. Seither fährt er nicht mehr über Knielingen, sondern über den Rheinhafen. Grundsätzlich abschrecken lässt sich Stöhr von einem solchen Malheur nun einmal nicht. Schließlich führten ihn Radreisen schon nach Nordafrika oder längs durch Amerika auf die Route von Alaska nach Feuerland. Wunderbare Erinnerungen hat er auch von seinen Reisen durch Osteuropa mitgebracht. Seine Frau Michaela hat er „zum Radfahren verleitet und ihr den Virus recht gut eingepflanzt“. Sie kommt aus Karlsruhe und ist hoch über der Rheinebene in Stupferich aufgewachsen. Inzwischen fährt sie in der Pfalz mehr mit dem Rad als mit dem Familienauto. Dieses wird nur für größere Einkäufe und Transporte oder Chauffeurdienste für den Sohn genutzt. Der 18 Jahre alte Schüler ist ebenfalls sehr sportlich und fährt mit dem Vater gerade in Etappen den Rhein entlang. Michaela lacht und kommentiert diese Fahrten als „Herrenausflüge“. Sie selbst hält auf Touren mit ihrem Mann nur mit ihrem E-Bike mit: „Seither stimmt das Level.“ Serieninfo Teile der Serie „Mit dem Rad zur Arbeit“ erschienen am 28. Dezember (Teil 1), 31. Dezember 2018 (Teil 2), 5. Januar 2019 (Teil 3), 10. Januar (Teil 4), 15. Januar (Teil 5), 17. Januar (Teil 6), 23. Januar (Teil 7), 28. Januar (Teil 8) und am 31. Januar (Teil 9).

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