Kreis Germersheim Ausflug ins Mittelalter

„Aurium Voluptas“: Die Karlsruher Mittelalter-Rockband serviert „Ohrenschmaus“.
»Aurium Voluptas«: Die Karlsruher Mittelalter-Rockband serviert »Ohrenschmaus«.

Ganz friedlich genießen sie am Samstag die Abendsonne. Die als Ritter und Burgfräuleins gekleideten Freunde des Mittelalters sitzen vor ihren kleinen Zelten, die auf dem freien Feld beim Seehof in Steinweiler aufgebaut sind. Und sie kommen aus verschiedenen Gegenden. Erstmals treffen sie sich in Steinweiler, auch weil man hier bei der 1050-Jahrfeier an eine Epoche erinnern will, die gerne als „finsteres Mittelalter“ bezeichnet wird. Was allerdings so sicherlich nicht stimmt, erzählt Initiator Ralf Kammann, im bürgerlichen Leben als Lehrer an der Realschule plus in Kandel tätig. So finster sei das Mittelalter ganz und gar nicht gewesen, meint er und nennt als seine „Lieblingsepoche“ die Zeit von 1220 bis 1250. Damals herrschte mit Kaiser Friedrich II. aus dem Geschlecht der Staufer ein durch und durch moderner Monarch. Dieser Kaiser lebte die meiste Zeit in Süditalien und räumte nicht nur den Fürsten und Städten Privilegien ein, sondern ließ auch naturwissenschaftliche Experimente anstellen. Seine Anhänger nannten ihn auch „stupor mundi“, das „Staunen der Welt“. Für ihn und seine Zeit interessieren sich die Mitglieder von Kammanns Gruppe „Ritter des Drachenbanners“ ganz besonders. Die rund 15 Mitglieder dieser Gruppe treffen sich in der Regel einmal im Monat und nehmen in jedem Jahr an fünf Lagern teil. Aber nicht nur sie sind erstmals in Steinweiler. Auch die „Pfalzritter“ aus Eußerthal sind gekommen. In einem Kessel, der über dem offenen Feuer hängt, wird gerade ein Gulasch zubereitet. Honig und Mandeln gehörten nach dem Rezept dazu, auch Schweinefleisch. Nebenan steht ein Spinnrad, und an den Zelten hängen Schwerter. Sie sind stumpf, denn schließlich soll sich keiner verletzen, auch nicht die Kinder, die am Sonntag beim „Tag der offenen Höfe“ erwartet werden. Aber spüren, wie schwer die Waffen und Rüstungen damals waren, konnte man schon. Während eines Rundganges ertönt vom großen Zelt in der Mitte des Platzes, der vorsichtshalber mit Holzschnitzeln ausgelegt ist, Musik einer Mittelalter-Rockband aus Karlsruhe. Sie nennt sich „Aurium Voluptas“, was so viel wie „Ohrenschmaus“ bedeutet. Vor allem der Dudelsack ist weit und breit zu vernehmen. Die Band unterhält nach Einbruch der Dunkelheit am Samstag die rund 100 Besucher. Danach konnte man noch eine Feuershow bewundern. Auch die „Brüder des Wolfes“ sind aus Speyer angereist, zeigen am Sonntag dann Schmiedetechniken, eine andere Gruppe lässt die Kinder Leder bearbeiten. Die Ritter des Drachenbanners finden viel Zuspruch mit ihrem Angebot, bei ihnen Körbchen flechten zu dürfen. Insgesamt zeigte sich Ralf Kammann sehr angetan auch von den vielen Fragen der vielen Besucher, die am Sonntag mit dem Fahrrad oder Shuttle-Bus an den Seehof gekommen waren. Dessen Team hatte die Bewirtung übernommen und für Kinder auch eine Hüpfburg aufgebaut; außerdem lud es ins Maislabyrinth ein.

Leder verzieren, punzieren, sagt die Fachfrau.
Leder verzieren, punzieren, sagt die Fachfrau.
Dieser Ritter will nicht kämpfen, nur spielen.
Dieser Ritter will nicht kämpfen, nur spielen.
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