Kreis Germersheim Altwerden im Heimatdorf
Wir sind mittendrin im demografischen Wandel. Erfreulicherweise werden die Deutschen immer älter. Bereits heute sind aber die Institutionen und die Menschen, die pflegebedürftigen Mitmenschen helfen sollen, oft an der Grenze der Belastbarkeit. Die SPD Kreis Germersheim lud am Mittwoch interessierte Bürger zu ihrer Veranstaltung „Alt werden im Heimatort“ ein, um über Probleme und Aussichten der Alterspflege zu sprechen.
Im Dachgeschoss des Bellheimer Bürgerhauses hatten sich etwa 30 Zuhörer eingefunden. Auf der Tagesordnung standen drei Vorträge und eine Podiumsdiskussion, der SPD-Kreisvorsitzende Felix Werling fungierte als Moderator. Nicole Zor ist Pflegeberaterin mit eigener Firma in Wörth. Sie zeigte in ihrem Vortrag Zahlen und Statistiken auf, die den Kontext für die Diskussion schaffen sollten. So sei die Lebenserwartung in Deutschland innerhalb von nur 150 Jahren von 40 auf 90 Jahre gestiegen. Im Jahr 2060 werde jeder Dritte über 65 Jahre und jeder Achte über 80 Jahre alt sein. Gleichzeitig haben 80 Prozent der Deutschen Angst davor, in einem Pflegeheim zu leben, und wünschen sich stattdessen auch bei einer Pflegebedürftigkeit selbstbestimmt und in Würde zu altern – nach Möglichkeit in den eigenen vier Wänden, im Heimatort. Von einem neuen Ansatz in der Altenpflege konnte Arnika Eck vom Bürgerverein Neuburg berichten. Zum einen bietet der Bürgerverein pflegebedürftigen Menschen eine Vielzahl an Leistungen: Fahrservice, Backwarenlieferung, Medikamentenlieferung, Friseur-Heimbesuche und vieles mehr. Ein besonders interessantes Projekt des Bürgervereins ist die Wohnpflegegemeinschaft, in der 12 Senioren in dem Haus „Wohnen am Dorfplatz“ zusammen leben. Sie haben dabei eigene Räume, Gemeinschaftsräume und bei Bedarf Betreuung durch einen ambulanten Pflegedienst. Der Bürgerverein, der in Neuburg bereits 470 Mitglieder hat (dies entspricht etwa 20 Prozent der Einwohner), zeigt, wie man dem demografischen Wandel entgegentreten kann: durch eine sorgende und gut organisierte Dorfgemeinschaft. Michaela Heilmann stellte in ihrem Vortrag die Seniorentagespflege Niederwiesen in Wörth vor. Pflegebedürftige können hier tagsüber versorgt werden. Es wird ein vielseitiges Beschäftigungsangebot, frische Mahlzeiten, Fahrdienste und Beratung für Angehörige geboten. Ebenfalls anwesend war die Landtagsabgeordnete Katrin Rehak-Nitsche. Sie berichtete über die Pläne der Landesregierung zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum. Unter anderem soll künftig eine „Landarztquote“ eingeführt werden: 10 Prozent der Medizinstudenten sollen sich verpflichten, für 10 Jahre in Gemeinden zu praktizieren, in denen es bisher keine Ärzte gibt. Rehak-Nitsche stand für Fragen zur Verfügung, konnte aber an der abschließenden Podiumsdiskussion nicht mehr teilnehmen.