Eine Stunde mit ... RHEINPFALZ Plus Artikel 49 Babykatzen haben morgens Hunger

49 Babykatzen leben momentan in der Tierauffangstation.
49 Babykatzen leben momentan in der Tierauffangstation.

Ausgeschlafen. Im Katzenhaus sind um acht in der Früh schon alle auf den Beinen – besser gesagt auf den Pfoten. „Hier ist morgens die Hölle los“, sagt Desiree Wabner, Leiterin der Lustadter Tierauffangstation Terra Mater, beim Gang durch die Räume. Die Fütterungszeit hat begonnen.

49 hungrige Babykatzen können ihr Frühstück kaum erwarten. Die meisten rennen wie der Teufel an die Schale, die Desiree Wabner auf den Boden stellt. Ein paar ducken sich scheu und beäugen die Besucher: „Die lassen sich nicht anfassen.“ Zehn Kitten wurden in Freiheit geboren, kamen erst spät ins Lustadter Tierheim. Für sie werde es schwer ein Zuhause zu finden. Insgesamt leben derzeit um die 80 Katzen in der Auffangstation, erzählt die Tierheimleiterin. „Wir sind gerammelt voll.“ Die Kleinsten sind zwölf Tage alt.

Bei den Hunden ist noch Platz. 15 könnte das Tierheim aufnehmen, elf bekommen momentan Obdach. Am Morgen sind viele Zwinger leer. Denn Batman, Sheila und Co. toben schon in ihren Freilauf-Gehegen. „Unsere Hunde haben alle ihren eigenen Garten“, sagt Wabner. Tagsüber und je nach Wetterlage sind sie die meiste Zeit dort. Drei junge Labradore bellen und wedeln hinter dem Gitter aufgeregt mit dem Schwanz. Fressen gibt es zwar erst später, Aufmerksamkeit aber schon jetzt. „Sie sollten von Bulgarien nach Luxemburg kommen“, berichtet Wabner. Illegal, ohne gültige Papiere, im Autoanhänger. Der Zoll habe sie entdeckt und das Veterinäramt sie auf der Autobahnraststätte beschlagnahmt. Eine Woche sind die Welpen in Lustadt in Quarantäne. Diese Station durchläuft jedes neue Tier, bis Krankheiten ausgeschlossen sind und der Impfschutz geklärt ist.

Manche bleiben bis zum Tod

Drei bis sechs Monate bleibt ein Hund im Schnitt in der Auffangstation, bis eine Familie für ihn gefunden ist. Alter und Rasse entscheiden oft über das Schicksal. „Die großen alten Schwarzen sitzen länger“, weiß die stellvertretende Leiterin Jaqueline Leibig. Und manche bleiben bis zum letzten Tag. So wird es wohl auch Ben ergehen. Mit zwei Jahren kam der schwarze Labrador 2014 in die Anlage. Sechs Vorbesitzer hatte er damals schon. Seine Aggression gegenüber Menschen ist unberechenbar. „Er schnappt aus dem Nichts heraus“, erzählt Wabner. Für solche unvermittelbaren Tiere ist die Auffangstation auch Gnadenhof. Das sei ein Unterschied zu herkömmlichen Tierheimen. Auch drei Pferde, drei Ponys und ein Esel verbringen in Lustadt ihren Lebensabend.

Mit Salat, Möhren und Gurken geht es weiter zu den Nagern. Der Kaninchen-Stall ist nichts für Arachnophobiker: Den Durchgang muss die Tierpflegerin erstmal mit einem Besen von einigen Netzen freimachen, die fleißige Tierchen hier über Nacht gesponnen haben. Roja und Schneeball hoppeln ihr schon entgegen. „Es ist für uns unerklärlich, warum die beiden keiner möchte.“ Roja kam vor über einem Jahr als trächtiges Fundtier nach Lustadt, Tochter Schneeball kam hier zur Welt. Einmal täglich gibt es die saftige Rohkost-Mahlzeit, über die sich beide hermachen. Ansonsten können sich die Nager nach Belieben an Raufutter und Heu bedienen. „Ad libitum“ nennen die Pfleger diese Art der Fütterung, bei der die Tiere so viel fressen können, wie sie wollen.

Im Vogelhaus klingeln die Ohren

Fast täglich werden in der Auffangstation Futterspenden, vor allem für Hunde und Katzen, abgegeben. Es wird auch jede Menge gebraucht: Die Babykatzen und ihre Mütter fressen allein jeden Tag um die zwölf Kilo Feuchtfutter. „Wir kriegen unheimlich viele Spenden und freuen uns darüber“, sagt Wabner und öffnet die Tür zu einem Raum: Hier stapeln sich Kratzbäume, Katzenkörbe und andere Utensilien bis an die Decke. Das Tierheim hat ein Lagerproblem. Deshalb rät die Leiterin bei Sachspenden zur vorherigen Absprache.

Zum Ende des Rundgangs wird’s laut. „Das Vogelhaus ist einer der unbeliebtesten Arbeitsplätze“, erzählt Desiree Wabner und lacht. Manche Kollegen gingen da nur mit Oropax rein. Rotflügelsittich Jashi ist zwar einer der Kleinsten hier, gehört aber zu den Lautesten. Von den Rufen der drei Kakadus ganz zu schweigen. Die knallen richtig auf die Ohren. Kakadu-Dame Ronni knabbert ihr Obst und Gemüse eigentlich gerne auf dem Arm ihres Pflegers. Heute, wenn fremder Besuch da ist, ist sie skeptisch und wagt nur einen kurzen Blick herüber. Eher unbeeindruckt ist Pino: Der fünf Jahre alte Gelbbrust-Ara hängt kurz nach neun in seiner Voliere ab und schaukelt vor sich hin. Er macht schon Siesta.

Info

  • 24-Stunden-Tiernotruf: 0170 3157618
  • Die Tierauffangstation in Lustadt, Am Klärwerk 2, ist Dienstag bis Sonntag, 14 bis 16.30 Uhr geöffnet, derzeit nur nach telefonischer Absprache. Kontakt unter Telefonnummer 06347 608672 oder per E-Mail an info@terra-mater-lustadt.de. Im Internet (www.terra-mater.de) werden Tiere zur Vermittlung vorgestellt.

Kaninchen Roja ist schon über ein Jahr in der Station. Die Leiterin Desiree Wabner bringt das Frühstück.
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Die drei jungen Labradore wurden auf der Autobahn aus einem illegalen Transport gerettet.
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Ara Pino hängt ab.
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Die Vögel können raus und rein.
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Esel Max verbringt hier seinen Lebensabend.
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12 Kilo Futter fressen allein die jungen Katzen jeden Tag.
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