Deidesheim
So ein Schwimmbad kann gefährlich sein
Wenn ein Verein hundert Jahre alt wird, so heißt das immer, dass viele Menschen über Generationen hinweg ehrenamtlich gute Arbeit geleistet haben. Beim Schwimmverein Deidesheim, über dessen Jubiläum wir diese Woche berichtet haben, liegt der Beginn dieses Engagements noch deutlich länger zurück. Es beginnt in den 1880er Jahren mit der Gründung eines Badevereins, dessen Zweck der Bau eines Schwimmbads war. Damals wurde mit privaten Mitteln ein öffentliches Bad gebaut. Schon bemerkenswert. Genauso wie das Engagement der Männer um Max Reinach, Otto Marum, Karl Horn und Jakob Lutz, die etwa 40 Jahre später den Schwimmverein gründeten.
Wir haben in unserem Beitrag am Dienstag bereits daran erinnert, dass mit dem Schicksal des ersten Vorsitzenden, Max Reinach, eines der düstersten Kapitel der Geschichte Deidesheims auch zur Geschichte des Schwimmvereins gehört. Reinach war Jude, wurde 1940 deportiert und drei Jahre später in Auschwitz ermordet.
Angst um die Rentabilität
Der Historiker Berthold Schnabel hat darüber hinaus eine Debatte ausgegraben, die heute halb befremdlich, halb unterhaltsam ist: der Streit um das „Familienbad“. Dabei ging es in den Jahren 1928/29 um die Frage, ob Männlein und Weiblein gemeinsam ins Bad dürfen. Das Argument der Befürworter: Die Rentabilität sei ansonsten nicht mehr gegeben, weil es nämlich eine „starke Abwanderung der Badefreunde“ gebe, „namentlich in das Familienbad nach Dürkheim“. Nach dessen Einführung sei in einem Monat fast so viel eingenommen worden wie durchschnittlich in einem Jahr.
Und wer wollte davon überhaupt nichts wissen? Pfarrer Joseph Schroeder, der auch seine „Amtsbrüder in der Umgebung“ mobilisierte, sowie 765 Bürger, die mit ihrer Unterschrift dagegen protestierten. Holla – schon damals eine Bürgerinitiative, noch dazu unter geistlicher Führung. Und sie war, um das vorwegzunehmen, erfolgreich. Das Familienbad wurde – erstmal – von der Tagesordnung genommen. Hier die Argumentation der Pfarrer im O-Ton: „Nach den Lehren der wissenschaftlichen Psychologie, der christlichen Moral und den Erfahrungen des täglichen Lebens übt der freie Anblick des nur teilweise bekleideten menschlichen Körpers, wie er bei gemeinschaftlichem Baden unvermeidlich ist, einen sinnlichen Reiz auf Personen des anderen Geschlechtes aus, der die schwersten Versuchungen und sittlichen Gefahren verursachen kann.“
Uiuiui. Angesichts solcher „Gefahren“ schmolz die Anzahl der Befürworter rapide. Das Familienbad in Deidesheim war vom Tisch. Was wir nicht wissen, ist, was damals im Dürkheimer Schwimmbad so alles abging ...