Kreis Bad Duerkheim Seit Jahren ein prickelndes Geschäft

Wer einmal so richtig die Korken knallen lassen will, findet auch in Speyer ausreichend Stoff dafür: In der Sektkellerei Am Turm lagern rund 2,5 Millionen Flaschen. Das Unternehmen ist der größte Lohnversekter in Deutschland. Eine neue vollautomatische Degorgieranlage hilft bei der Produktion. Sieben Millionen Flaschen werden jährlich abgefüllt.
Der Gründer der Sektkellerei Am Turm, Sektmeister Bernhard Krack, war 1995 sicher klug beraten, in das Geschäft einzusteigen. Das sieht auch Hans Peter Wilsberg so, der heute mit Bernhard Krack und Rowald Naber die Geschäfte führt. Rund 40 Mitarbeiter zählt das Unternehmen heute in Speyer. Die Verarbeitung begann in den historischen Gebäuden der Villa Eckel in Deidesheim. Dort steht auch der Turm, der dem Unternehmen den Namen gibt. Zehn Jahre später war der Standort an der Haardt zu klein geworden. „Wir hatten von Anfang an einen Markt gefunden, immer auf Qualität gesetzt, pflegen die Kundennähe“, verrät er das Erfolgsrezept, das schnell Wachstum bescherte. 2006 folgte der Umzug auf das Gelände der früheren Speyerer Kurpfalz-Sektkellerei in der Brunckstraße. „Räume, Anlagen, Lagertanks konnten wir von der Sektkellerei Henkell in Wiesbaden, der alles gehörte, nach zähem Ringen komplett übernehmen“, erinnert sich Wilsberg. Heute, 20 Jahre nach der Gründung, ist das Sekt-Unternehmen in der alten Weinhandelsstadt nach eigenen Angaben größter Lohnversekter in Deutschland. Kunden sind namhafte Weingüter, Winzergenossenschaften und Kellereibetriebe „Zu uns kommen Kunden mit 1000 Litern und mit 100.000 und mehr“, sagt Krack. Das Unternehmen veredelt die gelieferten Grundweine zu Sekten im klassischen Flaschengärungs- beziehungsweise Degorgierverfahren wie im Tankgärverfahren. Hergestellt und abgefüllt werden auch Perlwein und „Secco“ – in unterschiedlichen Flaschen. Zuletzt flossen 600.000 Euro in eine automatische Degorgieranlage. Seit Dezember steht sie. „Das Neueste auf dem Markt“, so Wilsberg. Die Flaschen – noch mit Kronkorken verschlossen – kommen über Kopf ins Eisbad. Dort gefriert die bei der zweiten Gärung auf der Flasche entstandene Hefe im Flaschenhals. Aufrecht wandern die Flaschen weiter, werden geöffnet, der Hefepfropf schießt heraus. Eine Station später wird der Mengenverlust mit sogenannter Dosage (Geschmack) aufgefüllt, dann folgen der Korken, der Drahtbügel, die „Agraffe“, und schließlich das Etikett. 3000 Flaschen die Stunde schafft die Anlage. Inzwischen ist die Lagerfläche in Speyer zu klein. Gebaut wird dieses Jahr eine weitere Halle für über eine Million Euro. Den Jahresumsatz der Sektkellerei am Turm beziffert Wilsberg auf zwölf bis 13 Millionen Euro. Übrigens: Erst neun Monate nach Abfüllung darf Sekt aus Flaschengärung „in Verkehr gebracht werden“. So verlangt es das Gesetz. Der aus Tankgärung nach sechs Monaten. Dann aber, das raten Wilsberg und Kollege Krack dringend: „Trinken.“ Sekt sei kein Getränk zum Lagern.