Weidenthal
„Schlaflos im Sattel“ im Erdbeertal
Das Weidenthaler Erdbeertal hat sich wieder in ein Festivalgelände verwandelt. „Volksrepublik Erdbeertal“ ist auf der Homepage der Veranstaltung und auf einem Schild am Ortseingang zu lesen. „Die Nacht von Donnerstag auf Sonntag“ hat wieder begonnen.
„Schlaflos im Sattel“ oder kurz SiS ist ein Mountainbike-Nachtrennen von Sonnenunter- bis Sonnenaufgang, das seit 2005 veranstaltet wird. Nur in den beiden vergangenen Jahren musste es coronabedingt ausfallen. Das eigentliche Rennen startet um Punkt 20.52 Uhr am Samstagabend – das war der Zeitpunkt des Sonnenuntergangs bei der ersten Veranstaltung. „Inzwischen ist das Kult“, sagt der Weidenthaler Hermann Daniel, Vorsitzender des Mountainbikevereins Gäsbockbiker und einer der Organisatoren. In der Nacht werden dann neun Stunden lang Runden durch den Wald gedreht, jeweils 12,4 Kilometer lang. Schluss ist um 5.59 Uhr, auch dieser Zeitpunkt geht auf das erste Rennen zurück.
Die legendäre „Weidenthaler Wand“
„Wer als Solofahrer gewinnen will, sollte schon 16 Runden schaffen“, erklärt Daniel. Die schnellsten seien die zwölf Kilometer schon in 24 Minuten gefahren. Und dabei seien auch erhebliche Höhenmeter zu überwinden, „besonders an der legendären Weidenthaler Wand“. Auf die Idee, sich die Sache mit einem E-Bike zu erleichtern, komme hier niemand. Im Gegenteil. Die „puristischen“ unter den Radfahrern fahren sogar ohne Gangschaltung. E-Bikes nutzen nur die „Versorgungsfahrer“, also diejenigen, die die Streckenposten mit Essen und Trinken versorgen.
Doch auch wenn es bei der Veranstaltung richtig sportlich zugeht, wird der Spaßfaktor groß geschrieben. Am Freitagabend gibt es stets auch ein Konzert. „Es gab einmal einen Aufkleber mit der Aufschrift „Woodstock, Wacken, Weidenthal“, erzählt Heinz Ohliger lachend. Ohliger ist Vorsitzender des TV Weidenthal, und dieser ist Gastgeber bei dem Rennen. Er stellt das Gelände zur Verfügung und bewirtet die Fahrer. 70 bis 80 Helfer seien für die Veranstaltung nötig, so Ohliger. Rund 80 Prozent davon seien immer die selben. Und die meisten seien bereits über 70. Weil der eine oder andere inzwischen nicht mehr ganz so fit sei, habe der Turnverein die Veranstalter dieses Mal gebeten, bei der Vorbereitung ein bisschen zu unterstützen. Einige Teilnehmer kamen deshalb schon vor Donnerstagmittag, dem eigentlichen Beginn der Anreise.
Alle 500 Fahrer sind miteinander vernetzt
Die rund 500 Fahrer, die an dem Rennen teilnehmen, kennen sich alle untereinander, sind bestens vernetzt. „Sie freuen sich 364 Tage im Jahr auf die Anreise nach Weidenthal“, erzählt Ohliger. Bei der Ankunft gebe es stets eine große Wiedersehensfreude. Und nach zwei Jahren Corona-Pause sei diese besonders groß.
Umgekehrt ist auch der Verein froh, dass „SiS“ wieder stattfinden kann. „Wir können die Einnahmen gut gebrauchen“, sagt Ohliger. Die „Weinlounge“ werde komplett vom Verein betrieben. Nur am ersten Abend übernimmt Vereinsmitglied Tim Kobel, der gelernter Koch ist und einen Catering-Service betreibt, die Versorgung. Der Verein organisiert außerdem drei Tage lang ein „ausgiebiges Frühstücksbufett“.
Kinderrennen mit „Wutschs“
Neben dem nächtlichen Rennen gibt es auch ein Kinderrennen, berichtet Hermann Daniel. Über hundert Kinder nehmen daran teil, darunter können auch Windelträger sein. Zugelassen sind nämlich auch bobbycar-ähnliche Gefährte auf vier Rädern, so genannte „Wutschs“. Und natürlich auch Laufräder. Die Eltern dürfen auch schieben. Was zählt, ist das Engagement. „Und das ist großartig“, sagt Daniel. Dafür werden die Kleinen auch mit einer Medaille belohnt.