Kreis Bad Duerkheim Praxen in „Papageienblöcken“

Menschen am Rande der Gesellschaft medizinisch zu versorgen – mit diesem Ziel ist vor einem Jahr das Projekt „Street Doc“ an den Start gegangen. Jetzt ist im Hemshof eine neue Anlaufstelle eröffnet worden, zu der auch ein Behandlungsraum für Zahnärzte gehört.
Schon von der Prinzregentenstraße aus ist es zu sehen: Das große Schild mit dem roten Kreuz auf weißem Grund, darauf in weißer Schrift der Aufdruck „Der Street Doc“. In den „Papageienblöcken“ in der Dessauer Straße wurde aus einem ehemaligen Gemeinschaftsraum die neue Anlaufstelle des ehrenamtlichen Projekts. Auf etwa 90 Quadratmetern stehen ein Behandlungsraum für die Allgemeinärzte, ein Raum für die Sozialberatung, ein Empfangsbereich und ein Wartezimmer zur Verfügung. Ein gespendetes Ultraschallgerät erweitert die Diagnosemöglichkeiten der Ärzte. „Die GAG hat die Renovierungskosten übernommen. Die Räume sind toll, die Lage ist toll“, freut sich der Internist und Projektinitiator Peter Uebel. Ein weiterer Raum ist künftig für die Zahnmediziner reserviert. „Die Armut steht den Menschen ins Gesicht geschrieben“, sagt Walter Münzenberger von der Ökumenischen Fördergemeinschaft Ludwigshafen, die der Träger des Projekts ist. „Es gibt viele Probleme mit Zähnen im Obdachlosenbereich“, ergänzt Sanitätsrat Günter Dohm. Rund 20 Zahnmediziner und Helferinnen haben sich bereiterklärt, bei „Street Doc“ ehrenamtlich mitzumachen. „Wir wollen keine Zwei-Klassen-Medizin, sondern Medizin auf gutem Niveau“, sagt der Zahnarzt und zeigt den Behandlungsraum. Der Zahnarztstuhl ist bereits aufgestellt, Sauganlage und Kompressor sind im Keller installiert. Dohm rechnet damit, dass die Zahnärzte in vier bis sechs Wochen die erste Sprechstunde anbieten können. Die Allgemeinärzte haben schon vor zwei Wochen mit den Sprechstunden in der Dessauer Straße begonnen. „Wir hatten gleich deutlich mehr Patienten“, sagt Peter Uebel. Ein Erfolg, der gleichzeitig keiner ist, denn lieber wäre es dem Mediziner, wenn „Street Doc“ überhaupt keine Patienten zu versorgen hätte. „Unser Ziel ist nicht, Quantität zu schaffen, sondern die Rückführung ins normale System“, verdeutlicht der Mediziner. Denn etwa die Hälfte der über 400 Patienten, die im ersten Jahr kostenlose Hilfe gesucht haben, hatten keinen Versicherungsschutz. Die anderen haben den Zugang zum Gesundheitssystem verloren. „Wir versuchen, den Menschen die Schwellenangst zu nehmen und Vertrauen aufzubauen“, sagt Sozialarbeiter Johannes Hucke von der Gemeinwesenarbeit der Ökumenischen Fördergemeinschaft. So sind momentan mittwochs Sozialarbeiter am alten Praxisstandort in der Teestube in der Rohrlachstraße präsent, um Patienten in die neue Praxis zu begleiten und den Standort bekanntzumachen. Im ersten Jahr haben die Ärzte bei ihren wöchentlichen Sprechstunden in der Kropsburger-, Bayreuther- und Rohrlachstraße im Schnitt zwölf Patienten behandelt. Rund sieben Prozent waren Asylsuchende – eine Zielgruppe, die die Initiatoren nicht im Blick hatten. Doch nun überlegen sie, auch im geplanten Containerdorf an der Mannheimer Straße eine Anlaufstelle von „Street Doc“ einzurichten. (rad)