Forst RHEINPFALZ Plus Artikel Ortstermin: Gemeinsame Lese im Wingert

Jochen Willner bei der Lese in der Lage Forster Stift.
Jochen Willner bei der Lese in der Lage Forster Stift.

Die Weinlese steht erst am Anfang. In der Lage Forster Stift bei Deidesheim war RHEINPFALZ-Mitarbeiter Jochen Willner mit Freunden dabei. Er erzählt vom Miteinander im Wingert und was bei der Handlese zu beachten ist.

Noch sehr gut erinnere ich mich an meine erste Weinlese. Das liegt schon sehr lange zurück. Damals konnte ich als junger Bub alljährlich die Handlese im Weinberg meines Großvaters kaum abwarten. Es war ein Familienereignis. Verwandte, Freunde und Nachbarn waren dabei. Schon Tage im Voraus gab mein Großvater Karl den Zeitpunkt der Lese bekannt, sobald die Müller-Thurgau-Trauben die nötige Reife und die Öchslegrade, die ihm von der Genossenschaft vorgegeben worden waren, erreicht hatten. Die Lese erfolgte nicht mit dem Vollernter, wie es heute teils aus wirtschaftlichen Gründen üblich ist. Alles war Handarbeit.

Sogar die Logel kam damals zum Einsatz. Für viele heute sicherlich ein Fremdwort, aber nicht bei der älteren Generation. Das war jenes Rückentragegefäß zum Traubentransport bei der Weinlese. Es wird auch Hotte oder Butte genannt und wird heute kaum noch genutzt. Dagegen ist die Handlese – gerade für die besten Lagen – das Maß der Dinge.

Mit Schere und Eimer geht es an diesem Morgen mit einigen Freunden durch die Rebzeilen in der Lage Forster Stift. Die Stimmung ist hervorragend. Meine Freunde Marek, Stefan, Uwe, Eva, Josef und Branca sind ebenfalls mit von der Partie. Sie freuen sich genauso wie ich, dass es endlich los geht. Es ist alles vorbereitet. Beim Gang in die Weinbergzeilen sind die reifen Trauben bereits erkennbar. Das verspricht einen guten Reifegrad. Das Ziel dieses Vormittags lautet, nicht alle Trauben, die am Rebstock hängen, zu ernten, sondern ausschließlich gesunde Trauben. Nur diese sollen in den Eimer. Sie werden später für einen Sektgrundwein verpresst. Die übrigen Trauben verbleiben am Rebstock und sollen in den kommenden Tagen bei Sonnenschein weiter reifen.

Lese drei Wochen später

Dieses Jahr dauert die Reife etwas länger. Aufgrund der kühlen Witterung im Frühjahr verzögert sich die Lese um fast drei Wochen. Bei der Handlese ist Sachverstand gefragt. Dazu gehören ein gutes Auge und eine große Leidenschaft für den Weinbau, um nur das Beste vom Rebstock zu ernten. Deshalb werden zunächst nur die am Rebstock freihängenden Trauben in Augenschein genommen, ehe der Schnitt von der Rebe erfolgt.

Die ersten Eimer sind prall gefüllt und wandern unter den Rebstöcken zur Entleerung in die Traubenboxen. Immer mehr Behälter werden ausgeschüttet. Jeder packt an, Begeisterung für die Arbeit im Weinberg breitet sich aus. Der Blick auf die zartroten Spätburgunder-Trauben lässt einen nicht los. Ich fasse die jeweilige Traube mit der linken Hand an, mein Blick geht auf die einzelnen Beeren, und schon erfolgt der Schnitt. Danach landen die Trauben im Eimer.

Freude in der Natur

Die Weinlese ist kein Kinderspiel, sondern ein Handwerk, das viel Freude in der Natur bereitet. Der Klimawandel ist auch hier spürbar. Einmal ist da eine Beere, die bereits begonnen hat zu faulen, während an einer anderen der Einstich einer Kirschessigfliege zu sehen ist. Hagel, Regen, Sonnenschein: Die Witterung beeinflusst das ganze Jahr über maßgeblich die Qualität der Trauben. Deshalb gilt es immer wieder, einzelne beschädigte Beeren fein säuberlich herauszuschneiden. Solche Mängel erschweren den Ausbau der Weine und mindern später im Trester die Qualität.

Ich erinnere mich stets an die Worte eines befreundeten Winzers: „Was von den Weinbergen in den Keller kommt, kann ich dort nicht noch besser machen.“ In der Tat. Die Basis für die besten Weine liegt nicht im Keller, sondern im Weinberg selbst. Die Lage, das Kleinklima, der Boden und die sorgfältige Handarbeit des Winzers tragen wesentlich dazu bei, dass gesunde Trauben reifen können. Das wird einem bei der Lese immer wieder vor Augen geführt.

Warten auf das Ergebnis

Eine Handlese ist nicht nur das Ernten der Trauben vom Rebstock, sondern viel mehr. Das Lesegut im Auge zu behalten und nur das Beste in den Keller zu bringen, ist die Herausforderung. Da darf man auch nicht so kleinlich sein, wenn nach einigen Stunden im Weinberg mal im Rücken nach dem Bücken etwas zwickt. Das spätere Ergebnis entschädigt für vieles. Und eine Handlese ist gerade mit Freunden das Erleben eines Miteinanders, das man nicht überall vorfindet. Und Spaß macht es zu dem auch.

Am Ende war ich diesmal genauso glücklich wie damals als junger Bub bei der Lese mit meinem Großvater. Ich freue mich bereits auf den Moment, wenn ich mit meinen Freunden den ersten Sekt aus den gelesenen Trauben genießen kann. Das wird aber noch eine Weile dauern ...

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