Dirmstein / Gerolsheim
Mehr Ärger über Vogelschutzplan im Leiningerland
Der von der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd initiierte Bewirtschaftungsplanentwurf für das Vogelschutzgebiet „Haardtrand“ schlug auch in Dirmstein hohe Wellen und stieß in der Sitzung des Dirmsteiner Ausschusses für Landwirtschaft, Weinbau und Umwelt am Mittwochabend auf einhelliges Unverständnis und Ablehnung. Das laut Planentwurf zur Debatte stehende Gebiet befindet sich auf einer Plateaufläche nördlich von Dirmstein, einem Rückzugsgebiet von Rohrweihe und Rotmilanen.
Ulrich Schneider (FWG), Ausschussvorsitzender und selbst Landwirt, sieht durch den Planentwurf die Belange der Landwirtschaft unzureichend berücksichtigt und misst dem Vogelschutz auch ohne Ausweisung von Schutzgebieten eine hohe Bedeutung zu: „Kraniche sind in unserer Kulturlandschaft eh da und auf den ersten Blick liest sich der Entwurf an manchen Stellen recht positiv, aber es können jederzeit Stellschrauben verändert werden.“ Als Beispiel führte Martin Schmitt (CDU) hier den Einsatz von erlaubten Pflanzenschutzmitteln oder Vorschriften bezüglich der Bepflanzung an.
Kritik an SGD Süd und Verbandsgemeinde
Ortsbürgermeister Bernd Eberle (FWG) sieht hier sogar den Entwurf in einigen Punkten kontraproduktiv: „Wenn wir das umsetzen, werden wir erleben, dass hier Landschaft versteppt – wir können nicht alles mitmachen, was in manchen Köpfen herumschwirrt“. Damit könnte Eberle neben den Vertretern der SGD Süd vermutlich auch die Verantwortlichen der Verbandsgemeinde Leiningerland, nebst Verbandsbürgermeister Frank Rüttger (CDU), gemeint haben. Die würden demnach keine negativen Auswirkungen auf die Ortsgemeinden sehen. Jedoch hatte der Leiter des Bauamts in der Verbandsgemeindeverwaltung Leiningerland zum selben Thema vor dem Laumersheimer Rat am 15. November noch angekündigt, die VG werde sich mit einer negativen Stellungnahme zu dem Thema äußern, der Argumentation der Gemeinden folgend.
Eberle verweist in der Dirmsteiner Sitzung auf die Erfahrungen von Freinsheim, wo nach seinem Bekunden schon „sehr viel Lehrgeld“ bezahlt worden sei. Der Ausschuss empfahl einstimmig dem Dirmsteiner Gemeinderat sich der Klage der Verbandsgemeinde Freinsheim anzuschließen.
Gerolsheimer Gremium teilt den Ärger
Nur einen Tag zuvor war der Bewirtschaftungsplanentwurf in der Sitzung des Gerolsheimer Ortsgemeinderates Thema. Die in der Sitzungsvorlage enthaltene grobe Einschätzung der VG Leiningerland stieß bei den Ratsmitgliedern wie schon am 15. November im Laumersheimer Ortsgemeinderat auf wenig Gegenliebe. Landwirte, so führte Ratsmitglied Gerald Binder (FWG) – zugleich Vorsitzender des Verbands der Gerolsheimer Bauern und Winzer – aus, seien in ihrer freien Entscheidung über die Nutzung von Ackerflächen eingeschränkt, dadurch verlören die Grundstücke an Wert, meinte er. Bürger könnten sich möglicherweise nicht mehr ungehindert in der Natur bewegen, Veranstaltungen wie Weinwanderungen würden reglementiert oder sogar verboten.
Die Ortsgemeinde solle sich, so der Vorschlag, der Stellungnahme der Laumersheimer anschließen, die zudem angekündigt hatten, notfalls den Rechtsweg gegen das Vorhaben zu gehen. Auf Anregung von Ratsmitglied Eva Vogel (CDU) sollte als zusätzlicher Punkt auf die Autobahn A6 hingewiesen werden als Störfaktor für die Tierwelt – hier werde mit zweierlei Maß gemessen und von der Landesnaturschutzbehörde nur einseitig die Landwirtschaft in den Blick genommen, argumentierte sie.