Blickpunkt RHEINPFALZ Plus Artikel Luftreinigungsgeräte: Einsatz in Kommunen unterschiedlich

Mobile Luftreinigungsgeräte in Klassenräumen können sinnvoll sein, aber nur ergänzend zum Lüften.
Mobile Luftreinigungsgeräte in Klassenräumen können sinnvoll sein, aber nur ergänzend zum Lüften.

Fenster auf! Mit diesem einfachen Mittel gegen Viren und Aerosole lasen sich Klassenräume und Schülergehirne lüften. Wo das nicht in ausreichendem Maß möglich ist, könnten mobile Luftreinigungsgeräte helfen. Zuschüsse gibt es dafür vom Land. Die Resonanz in den Kommunen ist unterschiedlich.

Um eine Übertragung des SARS-CoV-2-Virus über Aerosole in Klassenräumen zu verhindern, können mobile Luftreinigungsgeräte Viren aus der angesaugten Luft entfernen. Das Umweltbundesamt (UBA) macht darauf aufmerksam, dass ihre Wirksamkeit auch von den Aufstellbedingungen vor Ort und von der Luftausbreitung im Raum abhängt. Da die Geräte weder CO2 noch Wasserdampf aus der Raumluft entfernen, empfiehlt das UBA die Fensterlüftung als wichtigste Maßnahme: „Allenfalls als Ergänzung“ könnten mobile Systeme dienen, so das UBA, das sich auf eine Empfehlung ihrer Innenraumlufthygiene-Kommission (IRK) bezieht.

Deidesheim: Sinnvoll in Schulsporthallen

In der Verbandsgemeinde Deidesheim könnten Luftreinigungssysteme bald zum Einsatz kommen. Am Donnerstag steht das Thema im Haupt- und Finanzausschuss auf der Tagesordnung. Die VG-Verwaltung hat geprüft, ob und welche Luftreinigungssysteme für Schulen und Kitas geeignet wären, um Präsenzunterricht sowie -betreuung unterstützen oder gewährleisten zu können. Ergebnis: „Die Klassenräume in den Grundschulen können durch Fenster ausreichend belüftet werden.“

Als „nicht zweckmäßig“ wird der Kauf mobiler Geräte wegen der hohen Kosten und der „besseren Lösung Fensterlüftung“ angesehen. Zudem gebe es eine preiswerte Alternative, die an das regelmäßige Lüften erinnern soll: Warnampeln. Sie messen den CO2-Gehalt, der ein Hinweis darauf ist, dass sich Aerosole in hoher Konzentration in der Raumluft befinden. Sobald der CO2-Gehalt sich einem kritischen Wert nähert, leuchtet die Ampel nicht mehr grün, sondern gelb und zeigt so an, dass gelüftet werden sollte. Bei einer Überschreitung des Grenzwerts leuchtet die Ampel rot. Diese Ampeln seien bereits in der Verwaltung getestet und als hilfreiche Ergänzung eingestuft worden.

Nicht ausreichend könnten dagegen die Sporthallen der Grundschulen belüftet werden. Eine Lüftungsanlage, wie sie das Umweltbundesamt empfehle, koste 50.000 bis 80.000 Euro. Hier könnten mobile Luftreinigungsgeräte eine sinnvolle Alternative sein, so die Verwaltung. In den Sporthallen in Deidesheim, Niederkirchen und Meckenheim wären sieben Geräte plus drei in den jeweiligen Umkleideräumen nötig, Kostenpunkt pro Stück: rund 3650 Euro, insgesamt also 36.580 Euro. Abzüglich eines Landeszuschusses von 21.000 Euro bliebe für die Verbandsgemeinde ein Anteil von etwa 15.500 Euro. Hinzu kämen Wartungskosten von 4750 Euro pro Jahr. Die Warnampeln für 22 Klassenräume sollen mit insgesamt knapp 3900 Euro zu Buche schlagen.

Lambrecht: Zwei mobile Geräte bald im Testbetrieb

In der Verbandsgemeinde Lambrecht sollen zwei mobile Luftreinigungsgeräte in einen Testbetrieb gehen, sagt Verbandsbürgermeister Gernot Kuhn (CDU). In den nächsten Tagen sollen die bestellten Geräte eintreffen. Das Land habe sechs Millionen Euro für die Anschaffung solcher Geräte bereitgestellt, davon entfalle auf den Kreis Bad Dürkheim ein Budget von 90.000 Euro. Auf die VG heruntergebrochen, sei ein Zuschuss von 4800 Euro möglich gewesen. In den Grundschulen in Lambrecht und Lindenberg sollen die Luftreiniger aufgestellt werden. Von den Rückmeldungen der Lehrer, auch hinsichtlich der Lärmbelastung, erhoffe sich die Verwaltung Aufschluss darüber, ob der Betrieb der Geräte sinnvoll ist, so Kuhn. Da die Apparate laut Umweltbundesamt nur ergänzend eingesetzt werden sollten, müsse weiterhin gelüftet werden.

Alexander Held, bei der Verwaltung zuständig für Schulen, meldet Zweifel an, ob mobile Geräte leistungsfähig genug für eine Sporthalle sein könnten: Schließlich müssten diese in der Lage sein, mindestens das Sechsfache des Rauminhaltes pro Stunde an Luft umwälzen zu können. Für eine solche Dimension wäre eine richtige Lüftungsanlage erforderlich.

In allen Schulräumen sind laut Kuhn CO2-Ampeln im Einsatz: Ende 2020 seien 40 Warnampeln gekauft worden. Auch in der Verwaltung, etwa im Besprechungszimmer, zeigten CO2-Ampeln an, wenn ein kritischer Wert erreicht sei. Noch kein Thema sei in Lambrecht der Einsatz von Luftreinigern in Schulsporthallen.

Maikammer: Nicht in Aktionismus verfallen

Verbandsbürgermeisterin Gabriele Flach (CDU) bezeichnet ihre Position in Sachen Luftreinigungsgeräte als „abwartend“. Die Verwaltung verfolge die Diskussion und schaue sich die wissenschaftlichen Stellungnahmen an. Aber: „Wir müssen aufpassen, nicht in Aktionismus zu verfallen“, so Flach. Vom Land gebe es bisher nur Zuschüsse für die Anschaffung solcher Geräte in nicht lüftbaren Räumen. Unklar sei, ob das bedeute, dass sie auch nur in solchen Räumen für sinnvoll gehalten werden. Sie habe deshalb eine Anfrage ans Land gerichtet, so Flach. Klar sei, dass auch beim Einsatz der Geräte gelüftet werden müsse. Daneben seien etliche Fragen zu überprüfen, etwa zur Heizleistung der Schule. Beim „Pirmasenser Modell“ – die Luft wird abgesaugt und über ein Rohrsystem nach außen geleitet – müsse auch geprüft werden, ob diese Rohre die Ausbreitung eines Brandes beschleunigen könnten.

Haßloch: Fensterlüften ist ausreichend

In Haßloch hat es nach Auskunft von Pressesprecher Marcel Roßmann im Blick auf die mögliche Landesförderung Überlegungen gegeben, mobile Luftreinigungsgeräte für solche Klassenräume anzuschaffen, in denen das Lüften nur eingeschränkt möglich ist. Die Verwaltung habe sich dagegen entschieden, einen Zuschussantrag zu stellen, weil die „Lüftungssituation“ in den beiden Grundschulen gut sei. Zudem könnten mobile Luftreinigungsgeräte nur ergänzend zum Fensterlüften eingesetzt werden. Es finde auch kein Luftaustausch statt, sondern die Raumluft werde nur gefiltert. Laut IRK beim Umweltbundesamt fehlten verlässliche, unter Praxisbedingungen erprobte Daten, wie effektiv ein mobiler Luftreiniger ist. Problematisch aus Sicht der IRK sei auch der Geräuschpegel eines Geräts, der bei über 40 dB(a) den Unterricht stören könne. In den Schulsporthallen ist das Lüften über die großen Oberlichter laut Verwaltung ausreichend möglich. CO2-Warnampeln seien zwar bisher nicht Gegenstand der Überlegungen, aber grundsätzlich sinnvoll, da das regelmäßige Lüften von Klassensälen nicht erst seit Corona notwendig sei. Eine Ampel hätte einen „pädagogischen und spielerischen Effekt“ für die Schüler.

Lüften in allen kreiseigenen Schulen möglich

Laut Kreisverwaltung ist in allen Klassenräumen der kreiseigenen Schulen ausreichendes Lüften möglich. Hierfür seien 2020 in den Räumen, in denen die Fenster nicht genügend geöffnet werden konnten, die Fenster umgerüstet worden. Nur für die BBS Bad Dürkheim seien für zwei innenliegende Klassenräume zwei Lüftungsgeräte beschafft worden.

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