Kreis Bad Duerkheim Kinder üben schon mal für Kerweborsch

Papierkugelwerfen, Wasserglasbalancieren, Klorollenabwickeln und Dobbelschoppeschiewe – wer in Weisenheim am Berg Kerweborsch werden will, muss nicht nur „zwischen 16 und unverheiratet“ sein, sondern auch recht geschickt. Drei Kandidaten zeigten am Freitagabend, was sie so draufhaben.
Beim Casting auf dem Dorfplatz mussten drei Kandidaten diese vier Aufgaben bewältigen. Patrick Kühner (28) und sein Bruder Janic (23) traten zusammen mit Leif Wendel (17) an. O Wunder, am Ende gewannen alle drei. Da Janic letzten Endes aber wegen seines Wohnsitzes in Fußgönheim verzichtete, freuen sich die Kerweborsch auch künftig über zusätzlichen Zuwachs, auch weiblichen. Am Samstag war dann nicht die Hölle, aber der Himmelsboden los. Der „Heaven’s Bottom Choir“ füllte den Hahnhof mit rund 60 Zuschauern, während im Rest des Dorfes die Höfe recht leer, wenn nicht gleich geschlossen blieben. Auch die Bühne auf dem Dorfplatz war verwaist, das Engagement der angekündigten Band hatte sich nach Drucklegung des Flyers zerschlagen. Deutlich besser und voller wurde es gestern. Traditionell lockt die Dialektpredigt von Otmar Fischer, bei festtauglichem Sonnenschein waren die Höfe zum Mittag gut gefüllt. Im Bürgerhaus sangen die „Blue Eyes“ Elli und Jürgen Menge französische und deutsche Chansons zu Flammkuchen und Boeuf Bourguignon aus dem Kochtopf von Karl-Hermann Franck. Am Freitag hatte das Whiskykesselfleisch im Hof von Thomas Sippel Liebhaber gefunden. Das Bergmannsblasorchester Hettenleidelheim füllte gestern die Tische vorm Weinhaus am Sonnenberg, und im Hahnhof zog Tanja Mahn-Bertha etwa 40 Zuhörer mit orientalischen Märchen in ihren Bann. Riesenspaß für die Kleinen war neben Reitschul’ und Riesentrampolin die Winzerolympiade des TV auf dem Dorfplatz einlud. Sieben Zweierteams mussten Schubkarren um Poller und volle Gläser über einen Parcours balancieren, Doppelschobbe (in Form von Bierkrügen) schieben, Sackhüpfen und Weitspucken. Jüngste war die vierjährige Fay Seibert, die zusammen mit Sandro Waldenberger Platz 7 belegte. Die besten Anwärter auf künftige Kerweborsch-Aufnahme waren Emilia und Louise Zimmermann, die sich dafür auf dem Trampolin und am Schießstand weiter sportlich betätigen durften. Eins fiel an allen Tagen negativ auf: Die Besucher, die unabhängig vom Heimatfest wie jedes Wochenende ins Dorf einfielen, störten sich nicht an den Barken, die an den Einfallstraßen aufgestellt waren, sondern fuhren mit ihren Karossen einfach ins Getümmel. Was anderswo funktioniert, ist in Weisenheim von jeher ein Problem. „Vielleicht sollten wir nächstes Mal Autos querstellen“, sinnierte Ortsbürgermeister Schleweis. (gww)