Leiningerland / Hessheim RHEINPFALZ Plus Artikel Gutachten: Kläranlagen-Projekt viel zu teuer

In die Jahre gekommen: Kläranlage Heßheim.
In die Jahre gekommen: Kläranlage Heßheim.

Zwei Kläranlagen im Leiningerland und eine in der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim müssen saniert werden. Könnten alle drei Anlagen künftig auch zusammengelegt werden, um Kosten zu sparen? Ein Ingenieurbüro hat zu dieser Frage nun seine Erkenntnisse vorgetragen und kommt zu einem eindeutigen Ergebnis.

Die Kläranlagen Altleiningen und Hettenleidelheim sind beide etwas in die Jahre gekommen, gerade in Bezug auf deren technische Ausstattung. Beide Anlagen stammen aus dem Jahr 2000 oder wurden zu diesem Zeitpunkt das letzte Mal modernisiert. Deshalb war eine Studie in Auftrag gegeben worden, die unter anderem die voraussichtlichen Kosten der anstehenden Maßnahmen ermitteln soll.

Auch die Kläranlage in Heßheim ist sanierungsbedürftig, die seit dem Jahr 2003 ihren Dienst für 13 Gemeinden in den Verbandsgemeinden Leiningerland und Lambsheim-Heßheim verrichtet. . Beim Abwasserzweckverband Mittleres Eckbachtal (AME) war dann die Idee entstanden, alle drei Kläranlagen zu einer zu verbinden – und so im Idealfall Kosten einzusparen. Ein Kanal nicht weit weg von den beiden Kläranlagen verläuft bereits nach Heßheim. Dieser könnte vielleicht für einen Anschluss genutzt werden, so der Gedanke.

30 Kilometer lange Strecke

Um das zu prüfen, waren die ursprünglichen Sanierungspläne extra ein halbes Jahr auf Eis gelegt worden. Auf der jüngsten Sitzung der Verbandsversammlung folgte dann jedoch schnell die Ernüchterung durch das beauftragte Ingenieurbüro Dr. Siekmann und Partner: Mit mehr als 15 Millionen Euro schätzen die Gutachter die Kosten. Ihrer Einschätzung nach hätten der bestehende Kanal nicht genutzt und eine eigene Trasse sowie Pumpwerke für die etwa 30 Kilometer lange Strecke gebaut werden müssen. Dazu kommt: „Diese 15 Millionen Euro wären sofort fällig gewesen“, wie Norman Geisler, AME-Abteilungsleiter, auf RHEINPFALZ-Anfrage informiert. Die Frage, ob der Einspareffekt durch die Zusammenlegung der Kläranlagen die hohe Investition hätte rechtfertigen können, musste das Ingenieurbüro verneinen.

Luftaufnahme der im Jahr 2000 eröffneten Kläranlage Hettenleidelheim.
Luftaufnahme der im Jahr 2000 eröffneten Kläranlage Hettenleidelheim.

Selbst einen langfristigen, auf 40 Jahre ausgelegten, Betriebskostenvorteil habe man nicht erkennen können. Die zu erwartenden Vorteile – beispielsweise etwas weniger Personalkosten – wiegen in diesem Fall nicht so schwer wie die Nachteile der hohen Investitionskosten. Zum Vergleich erklärt Geisler, wie viel die jeweilige Sanierung der Kläranlagen in Hettenleidelheim und Altleiningen kosten würde: „Dreieinhalb Millionen Euro je Kläranlage, verteilt über einen Zeitraum von 30 Jahren.“ Allen an der Sitzung Beteiligten war schnell klar geworden, dass das Vorhaben, aus drei Anlagen, eine zu machen, damit erledigt war.

Kläranlage soll autark werden

„Es war richtig, das untersuchen zu lassen und mit den bisherigen Pläne zu pausieren“, kommentierte Michael Reith, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim, das Ergebnis. Dass es kein positives ist, findet er „schade“. Jetzt könne aber „guten Gewissens“ der bisher beabsichtigte Prozess fortgesetzt werden. In Heßheim wird direkt mit den ursprünglichen Plänen weiter gemacht: Die Kläranlage soll nicht nur modernisiert, sondern künftig auch weitestgehend autark vom Stromnetz arbeiten. Über eine noch zu errichtende Faulturmanlage soll Gas für Blockheizkraftwerke erzeugt werden. Dieser Strom soll dem Betrieb der Kläranlage dienen. Weil auf die Art auch der zu entsorgende Klärschlamm reduziert werde, soll es hier weitere Einspareffekte geben. Unter anderem soll dadurch künftig mehr Schmutzwasser aufgenommen werden können. Dass sich das wirtschaftlich rechnet, habe man von einer Studie bereits bestätigt bekommen. Im Sommer gehe es an die Ausschreibung. Nach der Sommerpause, im September, sollen dann die Angebote sondiert werden.

Ist zuletzt zur Jahrtausendwende modernisiert worden: Kläranlage Altleiningen.
Ist zuletzt zur Jahrtausendwende modernisiert worden: Kläranlage Altleiningen.

Ganz so schnell geht es bei den Kläranlagen in Altleiningen und Hettenleidelheim nicht. Auch sie sollen modernisiert und unter anderem mit Faultürmen ausgestattet werden, um langfristig autark arbeiten zu können. Was dafür investiert werden muss, sei bereits bekannt. Doch hier steht Norman Geisler zufolge auch im Raum, einen der Standorte komplett zu schließen oder zumindest die Stromerzeugung für beide Anlagen zu zentralisieren. Welches Szenario sich am Ende durchsetzen wird, auch das soll das Ergebnis einer Studie zeigen, das voraussichtlich im September vorliegen wird.

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