Deidesheim
Fünf Freunde im Einsatz: Belohnung für junge „Detektive“
Den Vergleich mit den kleinen Helden aus Erich Kästners „Emil und die Detektive“ haben einige mutige Schüler aus Deidesheim und Umgebung in den vergangenen zwei Wochen oft gehört. Dabei würde nun auch „Fünf Freunde“ wie bei Enid Blyton gut passen – nur ohne den Spürhund. Denn exakt fünf „Jungermittler“, die zwei Beamten halfen, einen 21-Jährigen auf der Flucht in Deidesheim zu finden, wurden nun selbst gesucht: Ihre Belohnung wartet schon auf sie.
Mit dem plötzlichen Medienruhm per Polizeibericht hätten die wohl jüngsten Detektive der Gegend bis zu den Osterferien nie gerechnet. Als es aber darauf ankam, mit Zivilcourage für Recht und Ordnung einzustehen, waren die fünf Jungs aus Deidesheim, Niederkirchen und Bad Dürkheim sofort bereit. Als am 26. März ein 21-Jähriger am Bahnhof von Deidesheim über die Gleise vor einer Kontrolle weglief, zögerten die Freunde auf ihren Fahrrädern keine Sekunde, ihn auf seiner übereilten Flucht zu Fuß im Auge zu behalten. So konnten sie den Polizisten, die zuerst per Dienstwagen einen Umweg um die Bahnlinie nehmen mussten, genau sagen, wo sie den „Kandidaten“ finden.
Überraschte Eltern
Doch der plötzliche Rummel um die Jungs hat auch die Eltern überrascht, wie eine Mutter erzählt. „Als wir gehört haben, was passiert ist, dachte ich ehrlich gesagt erst: Ach ja. So arg kann es doch nicht gewesen sein. Bis wir dann alles erstaunt in der Zeitung lesen konnten.“
Oder vielleicht zuerst auch nur fast alles. Denn nach der wilden Hatz konnten die Polizisten leider nicht mehr die Kontaktdaten der beteiligten „Nachwuchsermittler“ aufnehmen, da sofort der nächste Einsatz auf die Beamten wartete. Weder Alter noch die Anzahl der Helfer waren so anfangs genau bekannt. Aber auf den RHEINPFALZ-Aufruf hin hätten sich alle fünf Jungs gemeldet, freut sich Frank Hoffmann. Der Leiter der Polizeiinspektion Haßloch, deren Dienstbezirk auch die Verbandsgemeinde Deidesheim umfasst, ist dankbar, denn bei ihrem „Einsatz“ hätten sich die Jungs „vorbildlich verhalten, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen“, lobt der Hauptkommissar. Schließlich sei jedem klar: „Das hätte auch ganz anders laufen können. Aber sie haben immer Abstand eingehalten und uns direkt informiert.“
Überraschung für Helfer
Weil eine Fahrt im Polizeiauto als Belohnung in Coronazeiten nicht wirklich taugt, arbeiten die echten Polizisten nun an einer anderen adäquaten Überraschung für die „Kollegen“ von der Schulbank. Dass die jetzt erst Hausaufgaben machen mussten, bevor sie alle restlichen Fragen beantworten wollten, findet Hauptkommissar Hoffmann klasse: „Ich sehe schon, das ist genau der richtige Weg in den Polizeiberuf“, sagt er und lacht.
Wie Julius zu Protokoll gibt, hat der wegrennende 21-Jährige sich mit Sätzen wie „Sind die Bullen schon weg?“ und „Bleibt immer sauber, dann bekommt ihr mal später keinen Ärger, so wie ich“ keinen Gefallen getan. „Das war schon nicht ganz so schlau, sowas zu sagen“, stellt der Schüler treffsicher fest. Auf ihrem Rückweg vom Radfahren auf der Alla-hopp-Anlage hätten die Freunde zwischen zehn und 13 Jahren beim Erfassen der Situation am Deidesheimer Bahnhof sofort gewusst, dass Handlungsbedarf bestand: „Es war wie ein Reflex“, erzählt Julius. Angst hätten sie aber nie gehabt: „Der war ja freundlich zu uns.“
Faible für Kästner-Detektive
Julius und ein weiterer Freund hätten dem Mann nachgeschaut, wie er „einen umständlichen Weg in die Weinberge“ genommen habe. Die drei übrigen Jungs seien mit den Rädern zum Schritttempo fahrenden Polizeiauto gedüst, um zu fragen, ob sie vermutlich den Mann mit der Lederjacke suchen. „Der war übrigens richtig blass“, berichtet der elfjährige Simon.
Dass der Gesuchte gegen das Betäubungsmittelgesetz verstoßen hat, hat Simon später genau in der Zeitung nachgelesen. Und „Emil und die Detektive“ sind ihm tatsächlich nicht fremd: Gleich zweimal hat er den Klassiker von 1929 schon im Unterricht vorgestellt. Also beste Vorbereitung, genau wie „Die drei Fragezeichen“, was alle hören.
„Nach höchstens fünf Minuten war die Suche erledigt“, sagt der 13-jährige Elias zufrieden. Aus der Ferne haben die fünf Freunde genau beobachtet, wie der Verdächtige befragt wurde. Und wie besonders es war, dass sie zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren, fasst Julius zusammen: „Hätten wir nur ein paar Minuten früher heimgewollt, weil wir doch Durst hatten, wäre alles ganz anders gekommen.“ Kommissar Zufall war also, wie so oft, ebenfalls am Werk.