Deidesheim
Eine Aufgabe auf Lebenszeit
So mancher Spaziergänger staunt nicht schlecht und bleibt an dem hohen ovalen Emailleschild stehen: „Honorarkonsulat der Republik Togo“ steht da, vor einem eingeschossigen Bau mit malerischem Vorgarten in der Niederkircher Straße 6 in Deidesheim. Hier hat Honorarkonsul Helmut A. Fohs seinen Sitz. Spätestens beim Betreten des Büros, in dem sich über die Jahre Fotos, Flaggen und afrikanische Schnitzereien angesammelt haben, spürt man einen Hauch von Afrika.
Fohs, 83 Jahre alt, ist seit 1997 Honorarkonsul des westafrikanischen Landes. 6,5 Millionen Menschen leben dort auf einer Fläche, die fast so groß ist wie das Bundesland Bayern. Und für diese Menschen ist Fohs zusammen mit seiner Frau gerne im Einsatz. Er ist inzwischen auch der einzige lebende Deutsche, der mit dem höchsten Orden der Republik Togo für Ausländer, dem „Officier de l’Ordre du Mono“, geehrt wurde. Die Auszeichnung erhielt außerdem der 1988 verstorbene frühere Ministerpräsident von Bayern, Franz Josef Strauß.
Einige Tausend Visa pro Jahr
Der togoische Orden hat einen würdigen Ehrenplatz in Fohs’ Büro gefunden. Auch wenn er inzwischen aus dem Berufsleben ausgeschieden ist, findet man ihn tagtäglich im Konsulat, das für die Bundesländer Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland zuständig ist. Dort empfängt Fohs seine Gäste, bearbeitet einige Tausend Visa pro Jahr, lässt Übersetzungen von Personaldokumenten durchführen und verfasst regelmäßig Newsletter zu aktuellen Entwicklungen in Togo. Auch werden Erkundigungen zu standesamtlichen Vorgängen und Eintragungen eingezogen.
Zum 60. Geburtstag der Republik Togo im vergangenen Jahr hat Fohs die wichtigsten Meilensteine in der Geschichte des westafrikanischen Landes zusammengefasst, einschließlich der deutschen Kolonialzeit, die von 1884 bis 1916 dauerte. Darüber hinaus berät er investitionswillige Unternehmen und stellt Kontakte zu den Verantwortlichen in Togo her. Fohs arbeitet, wie alle Honorarkonsule, ehrenamtlich. „Ich sehe das als eine Aufgabe auf Lebenszeit. Ich habe in meinem Leben viel Gutes erlebt und möchte gerne etwas weitergeben“, sagt Fohs.
Erste Kontakte auf privaten Reisen
Ein Grund, weshalb er auch nicht an ein Ende seines Einsatzes denkt. „So bleibe ich auch mit der Botschaft und den Verantwortlichen im Land in Kontakt.“ Fohs, der gebürtiger Saarländer ist, war in den 1960er Jahren als Diplomingenieur für Energietechnik in Nordafrika und im Nahen Osten unterwegs. Westafrika und insbesondere Togo lernte er durch private Reisen kennen. Dort entstanden auch die ersten Kontakte, ehe der damalige Staatspräsident Eyadéma Gnassingbé ihn 1989 zum Berater der Regierung berief.
Eine Aufgabe, die Fohs nicht ablehnen konnte. Denn die Kultur an der ehemaligen „Sklavenküste“ und die dortige Lebensart haben ihn nachhaltig beeindruckt. „Die Menschen sind dort unglaublich liebenswürdig und freundlich“, erzählt Fohs. Sein Interesse für die deutsche Kolonialgeschichte hat ihn zusätzlich beflügelt. Die deutschen Spuren seien im Land noch deutlich zu erkennen, erzählt er. Die Erhaltung dieser Spuren sind ihm ebenso ein Herzenswunsch wie die Weiterentwicklung der Infrastruktur. Gerade im Straßenbau, im Bereich Energie und in der Wasserversorgung sieht er einen hohen Bedarf.
20.000 kostenlose Operationen
Auch humanitäre Projekte sind ihm wichtig, beispielsweise die Renovierung von Krankenstationen, der Bau von Jugendzentren, Waisenhäusern, Kindergärten und Schulen. Fohs hat auch zweimal den Besuch der Hilfsorganisation „Mercy Ships“ initiiert. Dabei wurden mehr als 20.000 Operationen kostenlos durchgeführt.
Der Wahlpfälzer hat darüber hinaus eine Leidenschaft für den Sport. Bereits zum zweiten Mal fungiert er am 6. und 7. November als Schirmherr der „African Marathon Challenge“ in Kpalimé (Togo). Bei der Fußball-WM in Deutschland im Jahr 2006 begleitete er die Kicker aus Togo um ihren Superstar Emanuel Addebayor (FC Arsenal London), die damals ihr Quartier in Wangen im Allgäu hatten. Es bestehen auch Kontakte zum Deutschen Ruderverband, der derzeit ein Ruderzentrum am Togosee einrichtet. In Deutschland betreut und berät Fohs über 40 soziale Hilfsvereine, die sich der Hilfe für das westafrikanische Land verschrieben haben.
Infrastruktur hat sich verbessert
Der Deidesheimer möchte noch viel für das westafrikanische Land bewegen. Die Entwicklung in Togo sei positiv, die Infrastruktur habe sich deutlich verbessert. In Sachen Demokratie und Rechtsstaatlichkeit gehöre Togo mittlerweile zu den führenden Staaten in Afrika. Fohs unterstützt die von Bundesentwicklungshilfeminister Gerd Müller (CSU) unterzeichnete Absichtserklärung einer Reformpartnerschaft mit Togo.
Seine Sehnsucht, wieder nach Togo reisen zu dürfen, ist groß. „Ich war zum letzten Mal vor knapp drei Jahren dort, das fehlt mir jetzt schon“, erzählt Fohs. Aber sein Kontakt ist dadurch keineswegs abgerissen. Im Gegenteil, denn er hat noch viele Pläne in seinem „Togokoffer“ für die nächste Reise.
Die togoische Gemeinde, die von Fohs betreut wird, ist froh, dass die rheinland-pfälzische Landesregierung vor knapp 25 Jahren auf Drängen des damaligen Bürgermeisters Stefan Gillich dem Umzug des Konsulats von Mainz nach Deidesheim zugestimmt hat. Wäre das nicht so gewesen, wäre heute kein Konsulat in Deidesheim. Auch Fohs ist darüber glücklich, denn so kann er in ruhiger und gelassener Atmosphäre seiner Leidenschaft für Togo frönen.