Deidesheim
Deidesheimer Advent abgesagt
Bereits 2020 war der Deidesheimer Advent wegen der Pandemie ausgefallen. „Wir hatten gehofft, dass sich die Gesamtlage so verbessert, dass wir in diesem Jahr den Weihnachtsmarkt veranstalten können“, sagte am Donnerstag Stefan Wemhoener, Leiter der Tourist Service GmbH, im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Der Deidesheimer Weihnachtsmarkt gehört mit 50.000 bis 60.000 Besuchern an jedem der vier Advents-Wochenenden zu den größten Veranstaltungen dieser Art in der Region.
Die Beschicker seien schon vor Monaten darüber informiert worden, dass die Überlegungen, ob die Veranstaltung stattfinden kann, etwas länger dauern könnten. „Wir haben für unsere Verhältnisse lange gezögert und abgewartet, wie sich die Situation entwickelt. Jetzt aber war es notwendig, eine Entscheidung zu treffen, damit die Beschicker noch andernorts mit ihren Ständen unterkommen können“, sagte Wemhoener. Am Dienstag habe die Weihnachtsmarktkommission der Stadt einstimmig beschlossen, den Deidesheimer Advent erneut abzusagen. 2020 hatte der Stadtrat diese Entscheidung getroffen. In diesem Jahr habe der Rat das Thema an die Kommission delegiert, in der neben dem Bürgermeister Vertreter der Fraktionen, der Standbetreiber und der Tourist Service GmbH sitzen. „Die Entscheidung ist allen Beteiligten sehr schwer gefallen“, betonte Wemhoener.
Abgespeckter Markt verursacht hohe Kosten
Vor dem Hintergrund der zahlreichen Einschränkungen für Großveranstaltungen mit überregionalem Charakter habe die Kommission rechtlich und wirtschaftlich keine sinnvolle Möglichkeit gesehen, den Weihnachtsmarkt zu veranstalten. Aber alle Varianten, auch die eines abgespeckten Marktes, hätten immense Kosten für Sicherheits- und Hygienemaßnahmen mit sich gebracht, erklärte Wemhoener.
So sei überlegt worden, die Anzahl der Stände von normalerweise 110 auf 30 bis 40 zu reduzieren, die Besucherzahl zu begrenzen sowie mit Eintrittsgebühr und Vorbuchung zu arbeiten. Aber der Aufwand wäre bei allen Varianten unverhältnismäßig groß gewesen. Das Areal hätte abgegrenzt werden müssen, Kontrollen an den Zugängen wären notwendig gewesen – und das in einem lebendigen Altstadtbereich. „Wir hätten 20 Zu- und Ausgänge dichtmachen müssen“, so Wemhoener. Überall wäre Sicherheitspersonal notwendig gewesen – und das für eine wesentlich kleinere Anzahl von Besuchern. Damit wären hohe Zusatzkosten für die Beschicker angefallen. „Gleichzeitig leben viele Standbetreiber von den Einnahmen und brauchen einen Mindestumsatz. Für sie ist es unwirtschaftlich, wenn nur ein Bruchteil der Besucher kommen darf.“ Hinzu komme, dass zum Weihnachtsmarkt viele Besucher per Bussen und Zügen anreisen und dann zusammen aufs Gelände strömen: „Die Steuerung wäre schwer gefallen“, sagte Wemhoener. In anderen Städten könne es funktionieren, einen Weihnachtsmarkt auf einem eingezäunten Platz mit nur einer Laufrichtung zu organisieren, in Deidesheim sei dies im Bereich Bahnhofstraße, Marktplatz und Stadtplatz nicht umzusetzen.
Anspruch: qualitativ hochwertige Stände
Er nannte einen weiteren wesentlichen Aspekt: „Der Deidesheimer Advent hat den Anspruch, qualitativ hochwertige Stände zu präsentieren, nicht nur Glühweinhütten und Essstände.“ Gerade für die Künstler, die das besondere Flair des Marktes ausmachen, sei ein abgespeckter Weihnachtsmarkt mit entsprechend weniger Verdienstmöglichkeiten unwirtschaftlich. Zudem hätten einige der „Top-Beschicker“ bereits abgesagt. Neben einem finanziellen Schaden solle auch eine gesundheitliche Gefahr für alle am Markt beteiligten Menschen, für Besucher und Einheimische vermieden werden.
Dennoch will Deidesheim für die Bevölkerung und die Gäste eine attraktive Adventszeit gestalten. Neben dem eigentlichen Marktgeschehen sei schon immer das „kulturelle Rahmenprogramm“ eine besondere Stärke des Deidesheimer Advents gewesen. Und das soll wieder mehr im Vordergrund stehen, so Wemhoener. Die Stadt soll wieder weihnachtlich geschmückt werden, die weithin sichtbaren Lichterbäume sowie Holz-Wichtel und Engel sollen die ganze Stadt verschönern. Den Betrieben soll die Möglichkeit gegeben werden, in Eigenregie weihnachtliche Veranstaltungen anzubieten, Künstlerateliers könnten öffnen, Weinproben und Kirchenkonzerte stattfinden. Gemeinnützige Vereine, die auf dem Weihnachtsmarkt Erlöse für soziale Zwecke erwirtschaften, könnten ihre Stände in Höfen von Weingütern oder Ateliers aufbauen.
Mit bis zu 240.000 Besuchern am Limit
Grundsätzlich sei der Deidesheimer Advent mit normalerweise 220.000 bis 240.000 Besuchern an den vier Wochenenden „am Limit“, sagt Wemhoener. Deidesheim sei eine Cittaslow-Kommune, die auf Nachhaltigkeit besonderen Wert lege, das Müllaufkommen reduzieren und die Verkehrsbelastung verringern wolle. Deshalb müsse überlegt werden, wie das Konzept der Großveranstaltung künftig verändert werden könne. Um Ideen zu entwickeln, sei die Stadt derzeit in Gesprächen mit den Betrieben. „Da gibt es viel kreatives Potenzial“, so Wemhoener.