Deidesheim / Hassloch / Maikammer
Chorproben bleiben schwierig
Die Tage werden kürzer, und bald wird es kälter. Das macht den 22 Sängern des Shantychors Leisböhler Seemöven Sorgen, denn ihnen fehlt ein Probenraum. „Wir proben seit Ende Juni wöchentlich auf der nach drei Seiten offenen und damit luftigen Tribüne der Pferderennbahn“, erklärt Vereinsvorsitzender Friedrich Müller. Alle hätten sich sehr gefreut, nach monatelanger Pause wieder gemeinsam zu singen. Denn Proben über das Internet seien aufgrund unterschiedlicher Übertragungsqualitäten nie synchron genug und daher nur bedingt umsetzbar gewesen.
Mit ihren Proben bereiten die Leisböhler Seemöven derzeit kein bestimmtes Konzert vor. Fünf Auftritte seien bereits ausgefallen. Die Proben dienten dazu, für das umfangreiche, vom Chorleiter eigens arrangierte und bis zu vierstimmige Repertoire in Form zu bleiben, sagt Müller. Aufgrund der aktuellen Corona-Bekämpfungsverordnung in Rheinland-Pfalz und der Empfehlung des Pfälzischen Chorverbandes gilt seit Wochen, dass Chorgesang am besten im Freien stattfinden soll und nur ausnahmsweise bei stark begrenzter Personenzahl sowie sehr großen „solistischen“ Abständen untereinander und Belüftung im Inneren erlaubt ist.
Keine 175-Jahr-Feier
Kurze Zeit hatten die Seemöven die Hoffnung, dass sie ihre Chorproben ab Mitte August unter Beachtung der Auflagen wieder im großen Versammlungsraum der Feuerwehr abhalten dürften. „Doch die Tourist Information schränkte ein, dass der Raum nur für Versammlungen, aber weiterhin nicht für Chorproben freigegeben ist. Also bleibt es bei der Rennbahntribüne“, so Müller. Sein Dank gilt Oliver Jung vom Pfälzischen Rennverein Haßloch, der die Proben ermöglicht hatte, nachdem die Sänger vergeblich Kirche und Sportplatz-Verantwortliche angesprochen hatten.
Ein weiterer weltlicher Chor mit Probebedarf ist der Männergesangverein Liederkranz 1845 Deidesheim. „Bis jetzt haben wir seit dem Stopp im März nicht mehr geprobt und Gastchöre ausgeladen. Wir haben die 175-Jahr-Feier des Chores verschoben und noch nicht entschieden, wie es weiter geht“, erzählt Chordirektor Alfred Hirsch. Bei einem Altersdurchschnitt von 70 Jahren gebe es nur für wenige Mitglieder eine technische Möglichkeit zur Online-Probe, erklärt er. Über zukünftige Chorproben sei noch zu entscheiden. Diese könnte sich Hirsch mittlerweile im kleinen Saal der Stadthalle Deidesheim vorstellen, zumal die Sänger ein Treffen im Freien bisher nicht gewünscht hätten.
Individuelle Lösungen gefragt
„Austausch mit anderen Chorleitungen über die Probleme gibt es zwar, doch sind die Verhältnisse wegen der Altersstruktur, den räumlichen Gegebenheiten und der Anzahl der Sängerinnen und Sänger jeweils so verschieden, dass jeder Verein seine eigene Probe-Lösung finden muss“, stellt Marie-Luise Birkhofer fest. Sie leitet die Chorgemeinschaft Deidesheim und Ruppertsberg. Als kirchliche Chorgemeinschaft habe sie sich an die Hygieneverordnung zu halten, die ihnen das Bistum Speyer übermittele. Ihre 60 Sängerinnen und Sänger ab 30 Jahren hätten ebenfalls die vergangenen Monate pausiert. Kirchliche Gruppierungen hätten meist das Glück eines Zugangs zu Pfarrhöfen und -häusern. „Es wird darauf hinauslaufen, in namentlich notierten Kleingruppen zu singen, gut zu lüften, zu desinfizieren und sich so vielleicht auf einen erhofften, kleinen Auftritt mit einer Stimmgruppe im geräumigen Altarraum der Pfarrkirche St. Ulrich vorzubereiten“, überlegt Birkhofer.
In Maikammer hat der Vorsitzende Franz-Josef Damm der weltlichen Sängervereinigung – bestehend aus Männerchor, den „Friends of Music“ und den „Kalmitspatzen“ mit jeweils überschaubarer Sängerzahl – zwar einerseits das Glück eines frisch renovierten Vereinsheims. Dies soll im 175. Jubiläumsjahr gefeiert werden, ebenso ist ein Adventskonzert in der katholischen Kirche geplant. Doch andererseits hätten die Sängervereinigung an der Hartmannstraße mit viel Verkehrslärm zu kämpfen, der sowohl derzeit im Freien als auch bei weit geöffneten Fenstern störe. Wegen früherer Dunkelheit seien die Hofproben vorverlegt worden.
Alle Verantwortlichen erklärten, dass sie mit Spannung, aber auch Sorge die nächste Corona-Bekämpfungsverordnung erwarten.