Deidesheim
Bunte Wanderstäbe mit Therapieeffekt
In der Wohnung und auf der Terrasse von Walter Theobald sind die farbenfrohen Wanderstäbe allgegenwärtig. Auch sein zweites Hobby, das Malen, kann er nicht verleugnen. Theobald liebt Farben. Lebensbejahend und fröhlich. Theobald erkrankte 2006 an Morbus Parkinson, eine Krankheit, die bis heute unheilbar ist. Die ersten Jahre ließ sie sich medikamentös gut eindämmen. Doch irgendwann wurde für den heute 74-Jährigen das Gehen sehr beschwerlich, an manchen Tagen ist es noch schwieriger. Theobald muss zunehmend zu Gehhilfen greifen. Doch was ihm der Gesundheitsmarkt anbot, war so gar nicht nach seinem Geschmack. Und ein Rollator stand für ihn noch nicht zur Diskussion.
Theobald erinnerte sich an seine Jugend in Herxheim bei Landau. Dort machte von zu Zeit ein Schäfer mit seinen Tieren Station. Dieser hatte einen Stab, den er beim Gehen, beim Stehen und bei der Arbeit benutzte. Der Stab des Schäfers war höher als ein Spazier- oder Wanderstock. So einen Stab wollte Theobald haben. Diesem Bild folgend machte er sich Gedanken um das geeignete Material und fand einen längenverstellbaren Besenstiel aus Aluminium – ideal für sein Vorhaben.
Alles wird für den Wanderstab verwendet
Nun musste noch die Frage nach der Farbgebung geklärt werden, die nicht durch Öl- oder Acrylfarbe erfolgen sollte. Er experimentierte mit Klebe- und Isolierband, mit bunten Klebefolien und Styroporkugeln. Letztere für den Stabkopf, den es abzurunden gilt. Theobald folgte seinen, schnitt, klebte, kombinierte und war am Ende mit dem Ergebnis zufrieden. Im oberen Drittel des Stabes bringt er heute – nach einigen Versuchen und Erfahrungen – Verdickungen ein, um so einen festeren Halt für die Hände zu ermöglichen.
Besonders nachhaltig ist die Idee, auch die Hülsen der Klebebänder zu verwenden. Sie bilden die Abstandsbegrenzungen, die das Abrutschen der Hand am Stock verhindern. Theobald sieht für sich persönlich große Vorteile in der Verwendung des Stabes, denn er hilft ihm beim Gehen, Stehen, Treppen laufen und auch Aufstehen aus sitzender Position. An guten Tagen kann Walter Theobald mehrere Kilometer weit gehen. Doch wenn ihn plötzlich ein Schub ereilt, dann hilft ihm der Stab weiterzugehen.
Erinnerung an schöne Wanderungen
Seine Wanderstäbe hat er den Namen WuWaWa für Wunder-Wander-Walking Stab gegeben. Sie haben schon Aufsehen erregt. Er sei bereits häufiger auf die Stäbe angesprochen worden, erzählt er. Einige hat er sogar schon verkauft oder verschenkt – immer mit Zertifikat über die Einzigartigkeit des praktischen Kleinkunstobjekts. Er erklärt, sie seien sowohl zum Wandern, Walken, als Gehhilfe oder als Hilfsmittel für gymnastische Übungen geeignet.
Sie dienen laut Theobald ebenso als Dekorationselemente und seien von Touristen als Erinnerung an eine schöne Wanderung in der Pfalz mitgenommen worden. Theobald freut sich über seine kreativen Stäbe. In einer seiner jährlichen Kuren habe man den Parkinson-Patienten nahegelegt, ein Hobby zu finden, erzählt der ehemalige Vermögensberater. Mit dem WuWaWa habe er nicht nur eine Beschäftigung, die sinnvoll und kreativ sei, sondern auch eine handwerkliche Betätigung. Bis zu sieben Stunden sitzt er an der Fertigung eines Stabes. Theobald verkauft die Stäbe zu einem Preis von 27 bis 33 Euro – je nach Ausführung und Materialeinsatz.
Info
Walter Theobald, E-Mail theobald@melior.de, Telefon 06326 981324