Hassloch
„Bürgersonnenkraftwerk“ auf Dächern des Bundessortenamts
Hinter dem „Bürgersonnenkraftwerk“ steht der Verein Sonneninitiative, ein Verein zur Förderung privater Sonnenkraftwerke aus Marburg. Seit 2003 errichtet er Photovoltaikanlagen auf großen Dächern öffentlicher Gebäude wie Schulen, Sporthallen oder Rathäuser, aber auch auf Miets- und Wohnhäusern, Industriehallen, Parkplätzen oder Deponien. Auch mit Kommunen und Landkreisen arbeitet der Verein bei Bürgerenergieprojekten zusammen. Bundesweit hat er nach eigenen Angaben bereits etwa 350 Bürgersonnenkraftwerke umgesetzt.
„Energiewende in Bürgerhand“ hat der Verein „Sonneninitiative“ sein Programm überschrieben. Ziel und Aufgabe des Vereins sei es, möglichst vielen Menschen zu ermöglichen, gleichzeitig Stromproduzent und Umweltschützer zu werden, erklärt Jan Simon, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins, im Gespräch mit der RHEINPFALZ.
Simon erläutert, wie es funktioniert: Ein Bürgersonnenkraftwerk sei eine gemeinschaftlich betriebene Photovoltaikanlage, an der sich jeder beteiligen und zum Klimaschutz beitragen sowie gleichzeitig eine attraktive Rendite erzielen könne. Jeder Teilnehmer sei dabei Eigentümer einer selbst festgelegten Anzahl von Modulen eines bestimmten Photovoltaikprojekts. Der Verein organisiere die Anmietung des Dachs, die Planung des Sonnenkraftwerks, die Beschaffung der benötigten Bauteile und den Bau selbst. Außerdem sorge der Verein für den Betrieb der Anlage und rechne die Einspeisevergütung für die Teilnehmer mit dem regionalen Energieversorger ab. Der Verein rechnet nach den Angabe von Simon mit einer Zeit von 13 bis 14 Jahren, bis der Kaufpreis erwirtschaftet ist. Als Solarstromunternehmer – zu dem der Teilnehmer mit seiner Unterschrift wird – müsse man Vorgaben des Fiskus beachten, könne aber auch von steuerlichen Vorteilen profitieren.
Die Pfalz war bisher ein weißer Fleck
Bisher war die Pfalz laut Simon ein weißer Fleck auf der Landkarte des Vereins Sonneninitiative. Zu dem ersten Bürgersonnenkraftwerk sei es gekommen, weil der Verein eine Ausschreibung der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben gewonnen habe, die unter anderem bundeseigene Grundstücken und Gebäuden verwaltet. Neben technischen und wirtschaftlichen Faktoren sei die Entscheidung zugunsten des Marburger Vereins vor allem wegen der integrierten Bürgerbeteiligung gefallen.
Nun erhält das Verwaltungs- und Wirtschaftsgebäude des Bundessortenamtes, das in Haßloch eine Prüfstelle für die Zulassung von Nutzpflanzen unterhält, eine Photovoltaikanlage mit einer maximalen Leistung von etwa 300 Kilowatt-Peak (kWp). Zum Vergleich: Mit einem kWp – das ist die Einheit für Leistung bei Photovoltaikanlagen – lassen sich rund 1000 Kilowattstunden Solarstrom erzeugen. Mit den rund 300.000 Kilowattstunden „Jahresernte“ in Haßloch könnte nach Angaben der Vereins ungefähr der Jahresverbrauch von über 100 Familien gedeckt werden.
Das Bundessortenamt werde einen großen Teil des erzeugten Sonnenstroms direkt von der Anlage kaufen. So könne für den Strom ein höherer Verkaufspreis als bei der reinen Netzeinspeisung realisiert werden. Außerdem könne die Anlage dadurch auch nach Ende der EEG-Vergütung sehr gut weiterbetrieben werden. Mit einer Lebensdauer der Anlage von 30 bis 40 Jahren werde gerechnet.
Seit anderthalb Wochen befinde sich die Anlage auf den 1600 Quadratmeter großen Dächern des Bundessortenamts in Bau. Betriebsbereit soll sie noch in diesem Monat sein. Die CO2-Minderung pro Jahr, die damit erreicht werde, beziffert der Verein auf 170 Tonnen. Etwa 284.000 Euro soll die Anlage insgesamt kosten.
300 Module stehen zum Verkauf
Maximal 300 Module sollen bei dem Haßlocher Projekt verkauft werden, so Simon – wobei die meisten Interessenten mit fünf bis zehn Anteilen einsteigen würden. Lieber als wenige große Investoren sehe der Verein möglichst viele Bürger oder auch Genossenschaften aus der Region, die sich beteiligen. So könne der Vereinszweck besser umgesetzt werden. Für das Bürgersonnenkraftwerk in Haßloch gebe es derzeit bereits 60 Interessenten.
Ziel des Vereins wie auch des Bundessortenamts sei es, einen möglichst hohen Direktverbrauch aus dem Bürgersonnenkraftwerk zu erzielen. Dadurch werde das örtliche Stromnetz entlastet, und das Amt könne gleichzeitig seine Kosten für Elektrizität stark reduzieren. Angesichts der zu erwartenden Strompreissteigerungen sowie der Pläne des Bundessortenamts, seinen landwirtschaftlichen Fuhrpark zu elektrifizieren, etwa durch E-Traktoren, werde sich dieser Direktbezug in den nächsten Jahren immer stärker für das Amt rentieren.
Der Verein führt laut seinem Geschäftsführer Volker Klös bereits Gespräche mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, um weitere Bürgerprojekte auf Bundesimmobilien zu verwirklichen.
Noch Fragen?
Weitere Informationen zum Projekt in Haßloch sowie zu Möglichkeiten einer Beteiligung unter www.sonneninitiative.de.