Deidesheim RHEINPFALZ Plus Artikel Auf der Suche nach alten Grenzsteinen

Willi Rutz hat viele Hobbys, unter anderem sammelt er alte Bücher.
Willi Rutz hat viele Hobbys, unter anderem sammelt er alte Bücher.

Mit Grenzsteinen kam Willi Rutz schon als Kind in Berührung. Sein Großvater und sein Vater waren Feldgeschworene, zu deren Aufgaben es gehörte, solche Steine zu setzen und zu überprüfen. Doch was ist inzwischen aus ihnen geworden?

Als er elf Jahre alt war, habe ihn sein Vater das erste Mal zu einem Grenzbegang des Deidesheimer Waldes mitgenommen, erinnert sich Willi Rutz, der in Deidesheim aufgewachsen ist und in Bad Dürkheim wohnt. Auch danach war er noch einige Male bei Grenzbegängen dabei. Dann aber dauerte es viele Jahre, bis der heute 77-Jährige wieder auf das Thema stieß. Doch der Reihe nach.

Rutz, der von Beruf Schriftsetzer ist, interessiert sich für Geschichte, vor allem für Heimatgeschichte, sowie für Tiere und Pflanzen. Deshalb wurde er Mitglied des Historischen Vereins in Neustadt und der Bad Dürkheimer Museumsgesellschaft. In den Jahren 2004 und 2005 half er ehrenamtlich bei der Ausgrabung der Heidenmauer, eines keltischen Ringwalls im Dürkheimer Wald. Dabei lernte er Thomas Kreckel kennen. Der Archäologe, der in Weidenthal wohnt, war der für die Ausgrabung zuständige Mitarbeiter des Landesamts für Denkmalpflege.

Schon immer wissensdurstig gewesen

Durch Kreckel sei sein Interesse an Archäologie noch verstärkt worden, erzählt Rutz. „Ich war schon immer wissensdurstig und neugierig.“ Im Lauf der Jahre habe er in Bad Dürkheim und Umgebung eine Vielzahl von archäologischen Objekten entdeckt, etwa keltische Pfeilspitzen, Teile eines Armbrust-Bolzens, Glasscherben. „Es sind alles Lesefunde, ich grabe nicht“, betont Rutz. Einen Teil seiner Funde habe er der Landesarchäologie übergeben. Was für die Behörde nicht von Bedeutung ist, sammelt Rutz. Inzwischen ist so einiges zusammengekommen. Rutz kann zu jedem der Objekte etwas erzählen. Auch Bücher sammelt er übrigens, außerdem besitzt er eine Sammlung Jugendstil-Gläser.

Bei einem archäologischen Vortrag von Kreckel kam Rutz, der kontaktfreudig ist, mit dem in Sausenheim lebenden Anton Nutz ins Gespräch. „Er erzählte mir, dass er sich mit Grenzsteinen befasst, und dass er gerade dabei ist, die Deidesheimer Waldgrenzen abzulaufen“, berichtet Rutz. Er erinnerte sich an seine Kindheit und fragte, ob er ihn mal begleiten könne.

Fast jede Woche im Wald unterwegs

Seitdem ist Willi Rutz, der in Bad Dürkheim auch als Gästeführer tätig ist, fast jede Woche im Wald unterwegs und sucht Grenzsteine. In den ersten Jahren frönte er diesem Hobby gemeinsam mit Nutz. Seitdem der nicht mehr so gut laufen kann, geht Willi Rutz mit seinem drei Jahre jüngeren Bruder Ludwig, der in Deidesheim wohnt, sowie mit Wolfgang Sebastian auf die Suche nach Grenzsteinen. Im Wald seien viele dieser Steine nicht mehr zu sehen, weil sie durch Erde überdeckt oder zugewachsen seien, erklärt Rutz. Bis vor einigen Jahren seien sie mit Hilfe von Wegbeschreibungen und Aufzeichnungen gesucht worden. Inzwischen würden Navigationsgeräte und GPS eingesetzt.

Wenn Rutz und seine Begleiter Grenzsteine gefunden haben, legen sie sie frei, fotografieren und dokumentieren sie. Buchstaben, Zahlen und teils Symbole sind in die Grenzsteine geprägt oder darauf aufgebracht. Rutz weiß genau, was sie bedeuten. Es sind Informationen dazu, wem die Wälder genau gehören, Koordinaten sowie fortlaufende Nummern der Steine. Alle Informationen zu den Waldgrenzen, so auch die Grenzverläufe, dokumentiert das Trio in Ordnern. Über die Grenzsteine im Deidesheimer Wald haben die drei außerdem ein 370 Seiten dickes Buch herausgebracht. Als Schriftsetzer hat Willi Rutz das Buch, das inzwischen vergriffen ist, natürlich selbst gestaltet.

„273 Grenzsteine gibt es im Deidesheimer Wald“, berichtet Rutz. 558 seien es im Limburg-Dürkheimer Wald. In diesen beiden Wäldern haben Rutz und seine Begleiter inzwischen alle Grenzen erforscht. Derzeit sind sie in Teilen des Forstreviers Ganerben tätig.

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