Karlsruhe Zur Sache: Der Flowtex-Skandal

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Von 1994 bis 1999 wurde in Ettlingen der Traum vom großen Geld gelebt. Flowtex handelte mit Spezialbohrmaschinen für das unterirdische, grabenlose Verlegen von Leitungen und Rohren. 3142 dieser Horizontalbohrmaschinen verkaufte Flowtex zum Stückpreis von rund 1,5 Millionen Mark – wobei 90 Prozent der Maschinen nur auf dem Papier existierten. Das Geflecht aus Verkäufen, erneutem Leasing und immer neuen Kreditaufnahmen wurde ständig intransparenter, während Flowtex-Geschäftsführer Manfred Schmider, der sich selbst auch gerne als „Big Manni“ bezeichnete, von der Politik als „Macher“ hofiert wurde. So war Flowtex unter anderem an der Gründung des (bis heute defizitären) Flughafens Karlsruhe Baden-Baden beteiligt. 2000 flog der Bluff schließlich auf und wurde in vielen Strafprozessen aufgearbeitet. Unter anderem wurde ein Mitarbeiter des Finanzamts verurteilt, der vom Schneeballsystem wusste, sich aber sein Schweigen bezahlen ließ. Der vorerst letzte Prozess gegen „Big Manni“ und dessen ehemalige Frau ging im Januar zu Ende – ihnen wurde in der Schweiz vorgeworfen, sich noch an der Pleite bereichert zu haben. Mit Walter Döring (CDU) wurde auch der Wirtschaftsminister Baden-Württembergs verurteilt. Der Schaden für Anleger, Banken und den Steuerzahler wird auf knapp 5 Milliarden Mark beziffert (etwa 3,2 Milliarden Euro). An der Aufdeckung des Skandals war unter anderen der in Karlsruhe lebende Journalist Meinrad Heck beteiligt, der auch Autor der RHEINPFALZ ist. Für seine Berichterstattung wurde Heck 2001 mit dem Wächterpreis der Tagespresse ausgezeichnet.

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