Karlsruhe RHEINPFALZ Plus Artikel Milchhäusle war nicht zu retten

Oft wurde das Milchhäusle vom Hochwasser umspült.
Oft wurde das Milchhäusle vom Hochwasser umspült.

Über Generationen war das Milchhäusle am Rheinstrandbad eine Institution für viele Gäste. Markanter Treffpunkt auf dem weitläufigen Gelände oder Schlemmerort für Milchshake-Fans – so manche Besucher sind schon als Kind gekommen und kommen heutzutage mit den Enkeln. Aber der Zahn der Zeit und Schimmel setzen dem nun ein Ende.

Jetzt ist sie wirklich zu Ende: Die Ära eines Gebäudes, das für viele zu einer Karlsruher Institution geworden ist. Zwar gab es schon seit ein paar Jahren keine Bewirtung mehr, doch die Erinnerung daran blieb. Aber sie könnte bald verblassen: Das „Milchhäusle“ im Karlsruher Rheinstrandbad, das Häuschen mit dem auffälligen „Milch“-Schriftzug, das Häuschen, an dem man sich getroffen hat, wenn man sich in dem weitläufigen Bad (eines der größten in Deutschland) verabredet hat, muss abgerissen werden: Es ist vom Schimmel befallen.

Das Milchhäusle gehörte zum 1929 eröffneten Rheinstrandbad Rappenwört; das Gesamtensemble ist ein Zeugnis des Neuen Bauens der 1920er Jahre – ein anerkanntes Kulturdenkmal. Das Restaurant, von dem aus man in den Sonnenuntergang, auf den Rhein und hinüber in die Pfalz sehen könnte, wenn es denn geöffnet wäre, steht unter Denkmalschutz. Es ist baufällig und wird derzeit unter schwierigen Bedingungen saniert, das Milchhäusle jedoch nicht. Seine Bausubstanz ist über die Jahre so marode geworden, dass eine Sanierung nicht rentabel ist. Zudem befindet es sich in einem Naturschutzgebiet, weswegen baulich nicht eingegriffen werden darf.

Erinnerungen an Milchshakes und Quarkbrot

Probleme hatten sich schon vor Jahren angedeutet: „Das Milchhäusle muss wegen technischer Störungen vorübergehend geschlossen bleiben“ war nur eine über die Facebook-Seite des Bades veröffentlichte Mitteilung. Aus dem „vorübergehend“ wurde für immer und nun wird das gesamte Gebäude dem Erdboden gleichgemacht. Warum? Die große schattige Liegefläche des Bads wird regelmäßig vom Rhein-Hochwasser überspült, das Milchhäusle stand oft knietief im Wasser. Daher auch der Schimmel.

„Ich liebte das Quarkbrot mit Schnittlauch“, erinnert sich eine Frau in einer Facebook-Unterhaltung nach dem Bekanntwerden des Abrisses. Das Käsesalat- und das Frühlingsbrot, das Müsli und die Shakes, ja, die Milchshakes und der Kaffee bleiben im Gedächtnis vieler Besucher. „60 Jahre Erinnerung: erst selbst als Kind, dann als Teenager, dann als Mutter, jetzt als Oma“, beschreibt eine Frau ihre Geschichte zum liebevoll „Rappele“ genannten Bad.

Das im Bauhaus-Stil errichtete Restaurant wird nicht vor 2025 wiedereröffnen. Immerhin: Ein neues Milchhäusle, „Milchhäusle 2.0“, soll schon in der nächsten Saison öffnen. Nicht weit entfernt vom ursprünglichen Ort. Das Gebäude ist den Besuchern des Bades bereits bekannt: es ist das ehemalige DLRG-Häuschen, das direkt auf dem kleinen Hügel beim Rhein steht. Das Milchhäusle 2.0 wird dann nicht das Schicksal des Ersten erleiden, weil es aller Voraussicht nach nicht vom Hochwasser untergraben wird. Die Karlsruher Bäderbetriebe haben das Häuschen von der DLRG erworben und bauen es um. Das Design des Milch-Schriftzugs soll in einem neuen Schild übernommen werden. Vielleicht hilft das, die Erinnerungen an eine Karlsruher Institution wach zu halten.

Das Milchhäusle muss abgerissen werden.
Das Milchhäusle muss abgerissen werden.
Mehr zum Thema
x