Karlsruher Fächer Kein Platz für Bäume und Musik
Entscheidung gefällt
Es werden Tatsachen geschaffen, in der Karlsruher Kaiserstraße wurde vergangenen Donnerstag die erste von insgesamt 48 Platanen gefällt. Fast möchte man von einer Nacht- und Nebelaktion sprechen, denn gefällt wurde praktisch ohne Vorankündigung. Erst um 9.05 Uhr am selben Tag wurde von der Stadt per Pressemeldung verkündet, dass die ersten vier Platanen bis kommenden Mittwoch gefällt werden sollen. Zu diesem Zeitpunkt war das Werk am ersten Baum schon weit fortgeschritten, von dieser Platane stand nur noch der Stamm. Potentielle Baumschützer wurden bei frostigen Temperaturen also sprichwörtlich kalt erwischt. Der Zeitpunkt selbst ist natürlich gut gewählt, Bäume dürfen grundsätzlich nur außerhalb der Vegetationsperiode gefällt werden. Morgens vor 10 Uhr ist zudem in der Kaiserstraße noch nicht viel Betrieb, was eine Voraussetzung für solche Arbeiten sein dürfte. Dass das Klimabündnis und Die Linke, die sich vehement gegen die Baumfällungen ausgesprochen hatten, auf diese fast schon gemeine Aktion der Stadt erzürnt reagieren werden, kann man sich ausrechnen.
Vermeidungsstrategie
Große Namen der populären Kulturszene machen – vom „Fest“ mal abgesehen – in der Regel einen großen Bogen um Karlsruhe. Hintergrund ist, dass es in Karlsruhe keine geeigneten Lokalitäten gibt. Mannheim hat seine SAP-Arena, Freiburg unter anderem die Messe, und Stuttgart mit Hanns-Martin Schleyer-Halle, Porsche-Arena, Liederhalle und dergleichen mehr, gleich mehrere Locations. Karlsruhe hat mit dem Tollhaus und dem Substage zwei relativ kleine Veranstaltungsorte, notfalls kommt noch die Schwarzwaldhalle hinzu. Letztere ist tatsächlich nur eine Notlösung, denn die Akustik dieser Halle ist gelinde gesagt herausfordernd. Die Statik zudem ziemlich katastrophal, denn an die dünne Decke hängen kann man da weder Lautsprecher noch Scheinwerfer.
Früher gab es noch die Europahalle, doch die ist seit Jahren im Sanierungsstau. Und eigentlich, die älteren Leser werden sich erinnern, wäre da noch die dm-Arena in der Messe. Bis zu 14.000 Zuschauer waren früher zu Konzerten von Lionel Richie, Peter Gabriel oder den Böhsen Onkelz gekommen. Das Problem: die Halle hat keine Tribüne, die deshalb immer für teuer Geld gemietet werden muss. So etwas schmälert die Rendite gewaltig. Günter Wohlfart, der langjährige Geschäftsführer der Messe Karlsruhe hatte deshalb Mitte der Nuller-Jahre eine Tribüne kaufen wollen und auch schon in Auftrag gegeben, ehe er vom damaligen Wirtschaftsbürgermeister Manfred Groh zunächst zurückgepfiffen und wenig später auch entlassen wurde. Eine Entscheidung mit Langzeitwirkung. Wohlfart war der damaligen Stadtspitze offensichtlich zu umtriebig. Seit 2009 sorgt nun Britta Wirtz dafür, dass die Karlsruher Messe in ruhigerem Fahrwasser unterwegs ist. Zu ruhig, aus Sicht vieler Musikfans. Und daran dürfte sich, mangels Tribüne, auch wenig ändern. So bleibt eigentlich nur die Hoffnung, dass irgendwann die Europahalle wieder zum Veranstaltungsort für zumindest mittelgroße Konzerte wird – wenn sie denn dereinst zu Ende saniert sein wird.