KARLSRUHE RHEINPFALZ Plus Artikel FFP2-Masken aus Deutschland: „Wir können auch schnell“

Dirk Scherer von medpe vor seiner Anlage, in der die FFP2-Schutzmasken hergestellt werden.
Dirk Scherer von medpe vor seiner Anlage, in der die FFP2-Schutzmasken hergestellt werden.

Als sich im Frühsommer in Deutschland der große Bedarf an medizinischer Schutzkleidung und im Besonderen an FFP2-Schutzmasken abzeichnete, taten sich zwei mutige Unternehmer zusammen und stampften mit der Firma medpe binnen kürzester Zeit ein florierendes Unternehmen aus dem Boden.

Von null auf fünf Millionen in der Woche ist das bemerkenswerte Resultat einer ungewöhnlichen Geschäftsbeziehung. So schnell kann es also gehen, wenn sich die richtigen Menschen begegnen. So wie bei Edgar Mähringer-Kunz und Dirk Scherer. Mähringer-Kunz ist Geschäftsführer des Sondermaschinenbauers IMSTec in Klein-Winternheim bei Mainz. Und zugleich Vorsitzender der AG Medizintechnik des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA).

Als sich zu Beginn des vergangenen Jahres die Folgen der Corona-Pandemie hierzulande abzuzeichnen begannen, erreichte auch den VDMA ein Hilferuf des Bundesministeriums für Gesundheit. „Aber wir konnten bei den Lieferungsengpässen für Schutzausrüstung erst einmal nicht helfen, weil es keine Fertigung in Deutschland gab“, erinnert er sich. Also machte man sich im Verband Gedanken und erstellte ein sogenanntes „White Paper“, wie eine solche Produktion hierzulande wieder aufgebaut werden könnte.

Beworben und Zuschlag bekommen

„Und wie das eben so ist – wenn man von anderen etwas fordert, dann muss man auch selbst etwas tun. Ich habe mich für ein gewisses Kontingent beworben und den Zuschlag bekommen,“ erzählt Mähringer-Kunz, der dem Gespräch per Video zugeschaltet ist : Dann seien eine intensive Entwicklungsphase und der Aufbau der Produktionsinfrastruktur gefolgt. Da man als Prozessentwickler und Maschinenbauer nicht über alle Talente verfügte, benötigte es Unterstützung.

Und jetzt kommt Dirk Scherer ins Spiel. Er ist heute Geschäftsführer der medpe GmbH, die auf dem Gelände des Knielinger Industrieparks eine Halle angemietet hat und die Masken für den Inverkehrbringer IMSTec voll automatisiert produziert. „Heute vor einem Jahr haben wir uns zum ersten Mal ausgetauscht“, sagt Scherer. Er und Mähringer-Kunz hätten sich über die Karlsruher Firma Physik Instrumente (PI) GmbH & Co gekannt, „wir hatten in den Jahren zuvor einige Projekte gemeinsam gemacht. Und jetzt waren die klassischen Mechanismen außer Kraft gesetzt. Wenn PI bei Scherer auf die dreimonatige Kündigungsfrist bestanden hätte, dann wäre es nicht gegangen.“ Heute ist die hinter PI stehende Familie Spanner Mitgesellschafter bei medpe.

„Man muss sich aufeinander verlassen können, das ist das wichtigste. Überlegen Sie mal, wie wir hier im April angefangen haben. Normalerweise bräuchte man für den Aufbau drei oder vier Jahre. Und im Oktober gingen die ersten Masken in den Verkauf“ sagt Mähringer-Kunz. Scherer: „Wir können in Deutschland auch schnell. Jetzt haben wir Masken made in Germany, die in Qualität und Lieferzeit gegenüber China mehr als bestehen können.“

Und welche dauerhafte Chancen hat der Produktionsstandort Deutschland in einem Markt des „immer billiger“? Mähringer-Kunz ist zuversichtlich: „Der Markt ist im Moment hochdynamisch. Aber wir gehen davon aus, dass wir uns dagegenstemmen können. Durch die Automatisierung lassen wir schon jetzt die Personalkosten nicht in die Höhe schießen. Auch bin ich von einem Lernprozess des Verbrauchers überzeugt.“ Wir rechnen damit, dass der Käufer auch bereit ist, für Sicherheit, auf die er sich verlassen könne, ein paar Cent mehr zu bezahlen.

Fünf Millionen Masken die Woche

Es folgt mit Scherer der Gang in die Produktionshalle. Alles ist erstaunlich kompakt – Fertigung, Verpacken und Lagerung sind nahe beieinander. Trotzdem wäre noch Platz für Erweiterungen Die Produktion wird vom mehreren Qualitätsprüfungen begleitet, sodass ungenügende Masken sofort erkannt und aussortiert werden können. Zunächst wird der Ausgangsstoff geprüft, ehe die voll automatisierte Produktion beginnt. Es wird geschnitten, mit Ultraschall geschweißt, bedruckt, der Ohrbändel befestigt, gefaltet und am eingetütet. Federleicht fluppt das heißbegehrte Vlies in Form von FFP2-Masken am Ende vom Band.

Bei medpe in Knielingen werden bei 80 Prozent Auslastung gerade rund 250 000 FFP2-Schutzmasken am Tag hergestellt, mit seinen Partnern kommt Mähringer-Kunz auf 5 Millionen in der Woche, Tendenz und Kapazitäten jederzeit nach oben korrigierbar. Am Schluss spricht Scherer von „einfach machen“. Herauszuhören sind zwei Bedeutungen. Und beide schmeicheln dem Standort Deutschland.

Im Netz

www.medpe-gmbh.de

www.shop.bluebec.de

250.000 Masken verlassen das Karlsruher Werk täglich.
250.000 Masken verlassen das Karlsruher Werk täglich.
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